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30.03.1984 - 

Jumbo-Announcement des Marktführers stößt auf Kritik:

IBM-User von 308X-Leistungs-Kick enttäuscht

STUTTGART - Die Bemühungen der IBM, sich durch die neuen 3080-X-Prozessoren ein größeres Jumbo-Potential zu erschließen, werden offensichtlich durch verschärfte Kritik der Großrechnerbenutzer gebremst. Erhofften sich die DV-Verantwortlichen von den X-Modellen eine Leistungsverbesserung von 50 Prozent und mehr, so sind sie von dem angekündigten Performance-Kick des Marktführers jetzt enttäuscht. Mit einem Kopfschütteln wird vor allem die mangelnde Aufrüstbarkeit der alten H-Maschinen zu den verbesserten 3080-X-Rechnern zur Kenntnis genommen. Bei sinkenden Wiederverkaufswerten der installierten Prozessoren könne sich ein Systemwechsel gar als Verlustgeschäft erweisen. Das von der IBM beim 3080-X-Announcement Ende Februar als "Nonplusultra" apostrophierte Preis/ Leistungs-Verhältnis der neuen H-Modelle scheint bei den DV-Entscheidern nur auf geringes Interesse zu stoßen. "Wir haben die Ankündigung zur Kenntnis genommen", sagt Karl Förster, Abteilungsleiter EDV-Systemtechnik bei der Nürnberger Lebensversicherung AG, "sehen aber keine Notwendigkeit, darauf zu reagieren." Die von der IBM mit maximal zehn Prozent angegebene Leistungssteigerung habe ihn keineswegs "vom Stuhl gerissen" und veranlasse sein Unternehmen auch nicht dazu, die derzeit installierte 3081K zu verkaufen, um auf ein schnelleres KX-Modell umzusteigen.

Wesentlich härter faßt der Stader Jumbo-Broker Willi Schneider seine Kritik an dem "Re-Announcement" der H-Prozessoren: "Die :3080X-Ankündigung der IBM ist reine Augenwischerei - der Leistungsschub bringt dem Benutzer so gut wie nichts." Schneider betrachtet die Performance-Kosmetik der Stuttgarter vielmehr als "verzweifelten Versuch", frischen Wind in das Geschäft mit der auslaufenden Serie 308X zu fächeln. Während Marktbeobachter die Auffassung vertreten, Big Blue wolle seinen Großrechnerkunden signalisieren, daß die im Herbst erwarteten Sierra-Maschinen noch auf sich warten ließen, sieht der norddeutsche Mainframe-Vertreiber in der X-Ankündigung eine taktische Maßnahme, um von der neuen Systemfamilie abzulenken. Der damit geschaffene Spielraum ermögliche es der IBM, das 308X-Geschäft noch einmal kräftig anzuheizen.

Kenner der deutschen Großrechnerszene prognostizieren indes, daß der Marktführer in der bestehenden H-Kundenbasis nur mit einem mäßigen Absatzerfolg rechnen könne. Lediglich einige wenige Performancehungrige 308X-Benutzer seien bereit, zu ihren installierten Prozessoren eine weitere X-Maschine hinzuzustellen. Attraktiv könne sich das verbesserte Preis/Leistungs-Verhältnis jedoch für "abtrünnige" PCM-Anwender oder wachstumsträchtige 4300-User erweisen.

Einen Wechsel von bereits installierten H-Rechnern auf die neuen X-Modelle hält der Geschäftsführer der FGM Computer Leasing GmbH in Düsseldorf, Gerd Faber, hingegen für "absolut unsinnig". Die meisten 308X-User hätten ihre Maschinen erst innerhalb der letzten zwölf Monate installiert und seien noch in relativ "frischen" Mietverträgen mit Laufzeiten von vier Jahren und mehr verankert.

"Wer aus solchen Langzeitverträgen heraus will, wird kräftig zur Kasse gebeten", erklärt Ekkehard Schulz, Leiter der Computersparte bei der Deutschen Leasing AG in Frankfurt. Bereits bei mittelgroßen Anlagen könne die Aufkündigung eines Leasingvertrages zu Millionenverlusten für den Anwender führen. Das sei durch einen Leistungsgewinn von zehn Prozent nicht aufzuholen. Selbst wenn ein Benutzer in der jetzigen Situation seine installierte 308X-Maschine verkaufen wolle, so ein Münchner Broker, würde er bei sinkenden Restwerten kaum ein gutes Geschäft machen. Die verbilligten Upgrade-Möglichkeiten erschwerten zudem die Vermarktung gebrauchter H-Modelle.

Walter Hinner, DV-Leiter bei der Uhde GmbH in Nürnberg, der seit knapp zwei Jahren mit einer 3081K arbeitet, sieht zwar bestehende Leasingverträge als Handikap, um auf eine X-Maschine umzurüsten, empfindet jedoch die geringe Leistungssteigerung als uninteressant, da sie sich innerhalb seiner Anwendung kaum bemerkbar machen würde. Erst bei einem Performance-Gewinn von mehr als 50 Prozent sei er bereit, sich ernsthafte Gedanken über einen Systemwechsel zu machen. Bedeutend lukrativer erscheinen dem Nürnberger DV-Manager allerdings die verbesserten und preislich um bis zu 15 Prozent reduzierten Upgrade-Möglichkeiten.

Daß lastgeplagte IBM-Benutzer erheblich besser beraten sind, wenn sie auf die verbilligten Aufrüstsätze zurückgreifen, meint auch Michael Besler, Geschäftsführer der Frankfurter Broker-Gesellschaft Comdisco. Er empfiehlt den DV-Verantwortlichen, ihren Leistungsbedarf zunächst aus der bereits eingeschlagenen Produktlinie zu schöpfen und abzuwarten, bis sich der Marktführer konkret zu einem Sierra-Auslieferungstermin äußert. Entscheide sich ein Unternehmen heute für den Einsatz eines X-Modells, konstatiert Besler, sei es wiederum auf Jahre hinaus an die neuen Verträge gebunden.

Auch der für die Großrechnervermarktung zuständige IBM-Produktmanager Hermann Bückle räumt ein, daß ein Upgrade innerhalb einer bestehenden 308X-Installation für den Benutzer günstiger sei als die Migration auf ein neues X-Modell. Installationserfolge erhofft sich Bückle in des bei Kunden, die bei einem jährlich wachsenden Leistungsbedarf von bis zu 60 Prozent eine zweite Maschine einsetzen wollen. Einen weiteren Absatzmarkt wollen die Stuttgarter zudem bei 4300-Benutzern ausgemacht haben, die sich derzeit auf dem Sprung in die High-End-Prozessorwelt befinden.

Ob wechselwillige Mid-range-User mit den 3080-X-Modellen glücklich werden, kann vor dem Hintergrund einer vom amerikanischen Marktforschungsinstitut Datapro hierzulande erhobenen Anwenderumfrage, deren erste Ergebnisse jetzt der COMPUTERWOCHE vorliegen (Seite 1) schlichtweg angezweifelt werden. Von allen IBM-Produktreihen schneidet die H-Serie in der Benutzerbewertung am schlechtesten ab und liegt bei der Beurteilung der Modellgruppen aller Hersteller gar im unteren Viertel. Rechnerserien wie die 4300 oder der Oldtimer /370 erhielten von den IBM-Kunden bessere Noten. Als Ansatzpunkte für Kritik an den 308X-Prozessoren heben die befragten IBM-User die Konvertierungsmöglichkeiten und die Programmierung hervor.