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16.10.1992 - 

Vorläufige Ergebnisse der ADMP-Studie vorgestellt

IBM-User wollen die Integration der verschiedenen Rahmenwerke

DAVOS (qua) - Die Anwender mittlerer und großer IBM-Maschinen vermissen eine Integration der Konzepte AD/Cycle, Systemview und Information Warehouse. Das ergab eine vom Dachverband der IBM-Anwender-Gruppen, dem International User Group Council (IUGC), durchgeführte Studie mit dem Titel Application Development Management Project (ADMP), die beim Annual Meeting von "Share Europe" in Davos vorgestellt wurde.

Das Interesse der Kongreßteilnehmer für das Thema Anwendungsentwicklung hielt sich in Grenzen: Von den etwa 360 Anwendern, die der Einladung in den Schweizer Höhenkurort gefolgt waren, fand sich lediglich rund ein Dutzend ein, um Vorabinformationen über die offiziell erst im November freigegebene ADMP-Studie zu erhalten.

Eine mögliche Begründung ist die Tatsache, daß die Share traditionell wenig Software-Entwickler anzieht. Zum anderen hat die im Juli angekündigte Änderung des AD/Cycle-Konzepts dem Image der IBM als CASE-Anbieter erheblichen Schaden zugefügt (vgl. CW Nr. 39 vom 25. September 1992, Seite 7). Die Ploenzke Informatik AG, Kiedrich, die als IBM-Partner ohne Zweifel über Insider-Informationen verfügt, spricht in einer Pressemitteilung sogar von der "Beendigung des AD/Cycle-Engagements durch IBM".

Als das ADMP vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde, war diese Entwicklung noch nicht abzusehen. Bei einem 1987 unter der Bezeichnung Application Development Joint Project (ADJP) gestarteten ADMP-Vorläufer hatten die größeren IBM-Anwender Bedarf für eine modellgetriebene integrierte Anwendungsentwicklungs-Umgebung angemeldet.

Nach Ansicht des Share-Funktionärs Bob Marsh, Manager für technische Architekturen bei der britischen Versicherungsgesellschaft Friend's Provident mit Sitz in Salisbury, haben die ADJP-Ergebnisse maßgeblich zur Entwicklung des AD/Cycle. Konzepts beigetragen.

Aufgabe des als gemeinschaftliches Unterfangen aller IBM-Anwender-Gruppen initiierten ADMP sollte sein, die Schlüsselfaktoren für die Verwirklichung der im ADJP erarbeiteten Forderung zu identifizieren. Das AD/Cycle Steering Committee in Santa Teresa wurde bereits vor einigen Wochen von den als vorläufig bezeichneten - Ergebnissen der ADMP-Studie in Kenntnis gesetzt und schickte den IBM-Berater Miles Welter mit einer - ebenso vorläufigen - Antwort nach Davos.

Der Studie zufolge spalten sich die IBM-Anwender etwa gleichmäßig in die Befürworter eines "Integrated CASE" (I-CASE), also der geschlossenen Umgebung eines einzelnen Herstellers, und in die Anhänger des "Component CASE" (C-CASE), sprich: einer aus den Komponenten unterschiedlicher Hersteller zusammengesetzten Lösung.

40,2 Prozent der Befragten tendieren zum I-CASE, 37 Prozent zum C-CASE, der Rest bevorzugt ein nicht oder nur lose integriertes Mix-&-Match-Konzept.

Die Realität in den Entwicklungsabteilungen sieht jedoch anders aus: Fast die Hälfte der organisierten IBM-Anwender, nämlich 46,9 Prozent, verfolgen überhaupt noch keine CASE-Strategie, 26 Prozent setzen auf eine der bereits verfügbaren geschlossenen Umgebungen, 11,9 Prozent auf ein Rahmenwerk mit heterogenen Komponenten, wie es die IBM mit AD/Cycle anstrebt.

Allerdings machen sich, die Anwender offenbar sehr viel weniger vom Anwendungsentwicklungs-Konzept der IBM abhängig, als zu erwarten gewesen wäre. Auf die Frage, inwieweit AD/Cycle die jeweilige CASE-Strategie beeinflusse, antwortete fast ein Drittel der Befragten

(31,8 Prozent): "Überhaupt nicht". Weitere 24 Prozent gaben an, daß sie sich nur "ein wenig" nach der CASE-Vision der IBM richteten.

Marsh's Beobachtung zufolge ist der anfängliche Enthusiasmus, der sich nach der AD/Cycle-Ankündigung im Herbst 1989 breitgemacht hätte, während der vergangenen drei Jahre einer tiefen Enttäuschung gewichen. "Die Leute brauchen bereits jetzt etwas", lautet die Begründung des Share-Managers, "und sie sind sehr skeptisch, daß sie das, was sie brauchen, innerhalb kurzer Zeit bekommen werden."

Dessen ungeachtet einigten sich die Anwender auf einen Anforderungskatalog zum Thema Anwendungsentwicklung, den sie der IBM spätestens im Dezember offiziell vorlegen wollen. Darin wird der Hersteller unter anderem aufgefordert, die Interessen der nichtamerikanischen Anwender stärker als bisher zu berücksichtigen. Darüber hinaus erwarten die User nicht nur die Vereinheitlichung der unterschiedlichen IBM-Rahmenwerke, sondern auch eine Verbindung zwischen AD/Cycle und AIX CASE sowie dem High Productivity System (HPS) von Seer Technologies.

Große Nachfrage besteht für Möglichkeiten zur Leistungsüberprüfung (Measurement). Aus Anwendersicht ist das Computer Aided Software Engineering vor allem deshalb noch nicht aus den Startlöchern gekommen, weil sich der Nachweis für die Berechtigung von CASE-Investitionen - wenn überhaupt - nur schwer führen läßt.

Außerdem sollte IBM, so die Anwenderstudie, endlich definieren, was die Etiketten "AD/ Cycle-konform" beziehungsweise "AD/Cycle-Partner" eigentlich zu bedeuten hätten. Wie Marsh erläutert, sind diese Begriffe in der Vergangenheit so oft mißbraucht worden, daß sich die Kunden überhaupt nicht mehr darum scherten.

Schlechte Noten erhielten die IBM und ihre Sowarepartner

für ihre Serviceleistungen. Nicht einmal jeder zehnte der befragten IBM-User hält den AD/Cycle-Support für gut.

Die von Weiter vorgetragene IBM-Antwort auf die Anwenderforderungen fiel im wesentlichen positiv aus: Neben stärkerer Berücksichtigung der Nationalsprachen und der Verfügbarkeit von Measurement-Funktionen stellte der IBM-Manager eine Ergänzung des Information Model um Projekt- und Prozeß-Management-Unterstützung in Aussicht. Außerdem versprach er die gleichberechtigte Behandlung von SAA und AIX-Plattformen als Entwicklungs- sowie als Zielmgebüngen.

Einen ablehnenden Bescheid erteilte der IBM-Manager jedoch der Forderung nach einer synchronisierten Entwicklung aller Rahmenwerke. Wegen der unterschiedlichen Pläne für Entwicklung und Auslieferung sei es leicht möglich, einzelne Funktionen für jedes Konzept zeitgleich verfügbar zu machen.

Auf die jüngste Änderung der AD/Cycle-Strategie reagierten die in der Share Europe organisierten Großanweder eher ablehnend. Sie fürchten, daß der "Single Point of Control" in einem Workstation-Netz schwieriger zu realisieren sei als auf dem Zentralrechner. Walsh tröstete sich und seine Kollegen jedoch damit, daß das AD/Cycle-Konzept auf einer mehrschichtigen Architektur basiere, womit IBM nach wie vor die Option aufrecht erhalte, das Repository auf die Mainframe-Ebene auszudehnen.

Nach den Gründen für die strategische Kehrtwendung der IBM gefragt, stellte Welter zunächst klar, daß das Repository keineswegs mit AD/Cycle gleichgesetzt werden dürfe. Die Vision hinter dem Konzept bleibe bestehen - wenngleich die dafür notwendige Funktionalität die derzeitigen Möglichkeiten von Hardware sind Systemsoftware überstiegen. Daneben räumte der IBM-Manager ein daß der blaue Riese von der Entwicklung in Richtung Downsizing und verteilte Systeme mehr oder weniger überrascht worden sei: "Die Technologie schreitet schneller voran, als wir es erwartet haben", lautet sein Resümee.