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18.08.1989 - 

Big Blue erhöht Software-Preise in England und USA um bis zu 15 Prozent:

IBM-Usern soll Software lieb und teuer sein

MÜNCHEN (IDG) - Mit massiven Preiserhöhungen sorgt IBM derzeit in den USA und in England für Aufregung. Den US-Kunden wird eine Frist bis zum 1. Januar 1990 eingeräumt, um sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. Die Engländer werden dagegen schon in diesem Monat zur Kasse gebeten. In Stuttgart, bei IBM Deutschland, gibt man sich ahnungslos und will auch "zu unangekündigten Sachen keinerlei Spekulationen" anstellen.

Von den Preiserhöhungen in den Vereinigten Staaten ist vor allem der Netzwerkbereich betroffen sowie die /370-Software, für die ab 1990 ein neues Preisschema gilt. Alle zentralen SNA-Programme werden spürbar teurer, in Einzelfällen beträgt die Anhebung 15 Prozent. Nachdem es bei den SNA-Tarifen keine Staffelung nach Rechnergröße gibt, treffen die neuen Preise hier in erster Linie die kleineren Kunden. Am stärksten steigen sie für das Advanced Communications Function Network Control Program (ACF/NCP) für die 37xx-Kommunikationsprozessoren, und da vor allem für die älteren Versionen. Während sich bei der Version 4 die Steigerung mit sieben Prozent noch in Grenzen hält, langt Big Blue bei den Versionen 1 und 2 kräftig hin: Sie werden um je 14,8 Prozent teurer. Rekordhalter ist das X25 NPSI, für das 15 Prozent mehr verlangt werden.

Für Verwirrung sorgt die Preisgestaltung bei /370-Software. Niemand kann im Augenblick sicher sagen, wie hoch seine IBM-Rechnung im nächsten Jahr ausfallen wird. Sicher scheint vorerst nur eines: Bei den großen 3090-Rechnern (500S und 600S) wird es happig. Hier ist mit einem durchschnittlichen Anstieg von 13 Prozent zu rechnen. IDC-Analyst Bob Tasker schätzt, daß einem 600S-Kunden jährliche Mehrausgaben in Höhe von 300 000 Dollar ins Haus stehen.

Zusätzliche Unsicherheit verursacht die Tatsache, daß in Zukunft für weitere 140 Programme nicht mehr fixe, sondern nach Maschinengröße gestaffelte Lizenzgebühren erhoben werden. Insgesamt werden damit ab Januar die Preise von 250 bis 300 der verbreitetsten Softwareprodukte nach diesem Prinzip festgelegt. Wer einen kleineren Rechner hat, eine 9370 etwa, eine 4381 oder auch eine 3090-120S, kann, wenn er Glück hat, damit sogar ein wenig besser wegkommen.

Billiger wird auch der Umstieg auf neue Versionen. Künftig muß nur noch für eine Version der Software pro Maschine bezahlt werden, so daß während der Test- und Umstellungsphase nicht wie bisher doppelte Kosten anfallen. Insgesamt aber rechnet man in den USA, daß den IBM-Kunden durch das neue Preisschema erhebliche Zusatzkosten erwachsen.

Eines der Ziele der Aktion ist es, so ein IBM-Sprecher, die Kunden zu Lizenzverträgen mit monatlichen Zahlungen zu bewegen. Dadurch wird es für sie einfacher, auf die jeweils neuesten Versionen umzusteigen, während IBM sich gleichzeitig kontinuierliche Einnahmen für seine weiteren Entwicklungen sichert. Als "Anreiz" dazu werden vor allem die Einmalzahlungen, wo sie noch nicht ganz abgeschafft sind, kräftig erhöht. So steigt sie beispielsweise für VM/SP auf einer 3090-600S (Gruppe 50) um über 65 Prozent auf 73 000 Dollar.

Schlechte Ertragslage kann, nach den Zahlen, die IBM kürzlich bekanntgab, als Rechtfertigung für die Preisanhebungen kaum herhalten. Statt dessen kam man in Armonk auf eine viel originellere Begründung: Mit den neuen Preisen sollen die Kosten der Software enger an den Nutzen gekoppelt werden, den der Kunde von ihr hat.

Einfacher ist die Lage in England. Dort sind die Kosten gestiegen und zusätzlich hat das Pfund gegenüber dem Dollar an Wert verloren. Deshalb gelten ab dem 2 1. August neue Preise bei Einmalzahlungen und Paketsoftware, ab 1. September dann auch bei den monatlichen Lizenzgebühren. Für die meisten Hardwareprodukte werden fünf Prozent und für die Software "generell" acht Prozent mehr verlangt. "Generell heißt: In bestimmten Fällen wird es noch teurer. Für ältere Software wie ACF/VTAM V2, ACF/NCP V2, die MVS/370 Data Facility und CICS/ DOS/ VS " für VSE/Power V2, VSE/SP 2. 1. 0, für die S/3 4- und S/36-System-Dienstprogramme sowie die S/34-Utilities steigen die monatlichen Zahlungen nicht um acht, sondern um zehn Prozent. Dasselbe gilt für die meisten AS/400-Produkte. Ausgenommen von den Preiserhöhungen sind lediglich der neue PS/2-Laptop und das PS/2-Modell 70, die 3380-Plattenstation und die 4381- sowie 9370-CPUs.

Unabhängig von den jeweiligen Begründungen, meint Bob Tasker, sei es IBMs langfristiges Ziel, die Software-Einnahmen zu steigern, wo immer es geht.