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02.04.1999 - 

Louis Gerstner: Das Ende der PC-Ära steht kurz bevor

IBM verliert fast eine Milliarde Dollar im PC-Geschäft

MÜNCHEN (CW) - Bittere Schlappe für IBM: Der Computergigant mußte für das Geschäftsjahr 1998 fast eine Milliarde Dollar Verluste im PC-Bereich hinnehmen. Allerdings deutet das vierte Quartal 1998 wieder auf bessere Zeiten hin.

Bei Einnahmen von 81,7 Milliarden Dollar und einem Gewinn von sechs Milliarden Dollar gibt es für IBM keinen Grund, von einer Krise zu sprechen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß Big Blues PC-Geschäft 1998 einen herben Rückschlag erlitten hat. Das Defizit liegt bei 992 Millionen Dollar vor Steuern.

Damit war der Verlust der IBM Personal Systems Group um mehr als 500 Prozent höher als im Vorjahr. Zugleich schrumpfte auch der Umsatz dieser Division von 14,36 Milliarden Dollar um elf Prozent auf ein Gesamtvolumen von 12,8 Milliarden Dollar. Bereits im dritten Jahr hintereinander muß die PC-Abteilung nun Verluste ausweisen: 1996 waren es 39 Millionen, im Jahr 1997 schon 161 Millionen Dollar.

Den Hauptgrund für den verheerenden Einbruch sieht der Konzern in dem harten Preiskampf mit Compaq, der während der ersten drei Monate des vergangenen Jahres tobte. Im letzten Quartal 1998 habe die PC-Division schon wieder profitabel gewirtschaftet, so IBM-Sprecher Rob Wilson.

Für die Analysten kommt das Finanzloch nicht unerwartet. Da IBM ein weitverzweigtes Unternehmen ist, sei es nicht ungewöhnlich, daß, wenn in einem Bereich ein Verlust eingefahren werde, dieser auch sehr hoch ausfalle, so Roger Kay, Analyst bei der International Data Corp. (IDC). Außerdem seien die Unternehmensstrukturen so angelegt, daß es zu keinen Synergieeffekten zwischen den einzelnen Abteilungen bei IBM komme. Jede Division sehe nur auf den eigenen Profit, kritisiert Kay. Big Blue sollte sich nach Meinung vieler Experten aus dem PC-Markt verabschieden. Die Stärken des Konzerns hätten schon immer mehr im Service und der Entwicklung neuer Technologien gelegen. IBM ist kein produktorientiertes Unternehmen, sagt David Stremba, Analyst bei Dataquest.

Kleine, handliche Endgeräte sind gefragt

IBM-Chef Louis Gerstner versuchte in einem offenen Begleitbrief an die Aktionäre, die Katastrophe im PC-Geschäft herunterzuspielen. Seiner Ansicht nach verliere dieser Markt mehr und mehr an Bedeutung. Das Ende der PC-Ära stehe kurz bevor, betonte Gerstner zum wiederholten Male. Die Nachfolge des PCs würden Netzwerke und "Information Appliances" einnehmen - kleine, handliche Endgeräte, die hauptsächlich darauf ausgelegt seien, Informationen zu präsentieren und zu transportieren. Infolge dieser Prognose werde sich IBM in Zukunft auch vermehrt auf den profitversprechenden E-Commerce-Bereich konzentrieren. Das Potential, das in diesem Markt stecke, schätzt man unternehmensintern bis zum Jahr 2002 auf 600 Milliarden Dollar. Außerdem rechne IBM damit, daß dieser Markt doppelt so schnell weiterwachsen wird wie die andere Computerindustrie.

Da Gerstner bereits Oktober letzten Jahres in gleicher Weise argumentiert hat, nehmen Analysten die Neuorientierung des Konzerns sehr ernst. Auch die beiden "Big Deals" mit Dell und EMC (siehe Seite 1), in denen IBM mehr in den Hintergrund des Computergeschäfts rückt und die Rolle des Lieferanten übernimmt, unterstützen die neue IBM-Strategie. Angesichts der Verluste im PC-Bereich und der kurz zuvor abgeschlossenen Liefervereinbarung mit Dell kam das Gerücht auf, IBM wolle in Zukunft seine Rechner bei dem Direktanbieter fertigen lassen.

Laut Aussage firmennaher Quellen werde man sich bei IBM jedoch nicht aus dem PC-Geschäft verabschieden. Der Bereich sei nach wie vor wichtig, spiele aber bei Kaufentscheidungen des Kunden oder der Entwicklung neuer Applikationen keine Schlüsselrolle mehr. Der Markenname IBM habe jedoch ein hohes Ansehen in der PC-Branche und lasse sich deshalb für Geschäfte mit anderen PC-Anbietern nutzen. Außerdem führten erfolgreiche Produkte wie zum Beispiel die Notebook-Reihe "Thinkpad" Kunden an IBM heran. Später könne der Konzern mit dieser Klientel andere Profite, beispielsweise im Servicebereich, machen.