Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

03.12.1982 - 

Zusammenarbeit mit FBI im Spionageskandal wird zum Bumerang:

IBM verliert Großrechneraufträge in Japan

Der japanischen Höflichkeit sind offenbar keine Grenzen gesetzt. "Alle in Frage kommenden Anwender beharren strikt darauf", so kommentierte kürzlich die "Japan Times" ein Umfrageergebnis unter abgesprungenen IBM Kunden, "die Entscheidung für Fujitsu- oder Hitachi-Computer sei keineswegs von dem IBM-Skandal beeinflußt, sondern basiere einzig und , allein auf Kosteneffektivität und anderen Überlegungen."

Was die "Japan Times" vage mit "Skandal" umschreibt, ging durch die Weltpresse: IBM hatte für die an XA-Spezifikationen interessierten japanischen PCM-Produzenten Hitachi und Mitsubishi durch FBI-Agenten einen Köder auslegen lassen. Die ausersehenen Opfer tappten prompt in die Spionagefalle hinein. Die Zusammenarbeit von IBM und FBI ist enthüllt, von IBM sogar zugegeben. Doch die Folgen dieser Affäre schlagen jetzt auf die Armonker zurück. Japanische Großanwender fühlen sich mit den heimischen Computerherstellern solidarisch und verpassen der Japan-IBM einen Auftragskorb nach dem anderen. Japan Airlines (JAL), Nippons nationaler Flugkonzern, Nikko Securities, eines der führenden ostasiatischen Handelshäuser für Aktien und die große Fuji Bank machten den Anfang.

Bei JAL fiel der Entschluß, zwei betagte IBM 370/158-Systeme auszumustern, sie aber nicht durch eine Anlage der soeben marktreif gewordenen IBM-H-Serie, sondern durch kompatible Hitachi-Rechner zu ersetzen. Auftragswert: rund elf Millionen Dollar.

Nikko Securities Co. hält es bei dem neu zu installierenden Online-Informationssystem mit Hunderten von Terminals im Auftragswert von ebenfalls elf Millionen Dollar lieber mit dem PCMer Fujitsu. IBM hatte "nach heftigen Wettbewerbskämpfen" ("Japan Times") das Nachsehen. Nur durch die Blume gaben die Nikko-Manager der abgeblitzten IBM zu verstehen, daß der Zuschlag für Fujitsu als nationale Ehrenrettung gedacht war. Dieser Lieferant, so begründeten sie ihre Abfuhr, biete bessere Möglichkeiten, im Computerbereich die japanische Sprache zu handhaben.

Die in Japan führende Handelsbank Fuji brach gar mit einer langgehegten Tradition, die der IBM Japan bislang einen Stammplatz im Bankgewerbe garantiert hatte. Zwei Hitachi-Jumbos rücken demnächst in diese Domäne ein.

Reaktion der Japan-IBM auf die jüngste Schlappe im Großgeschäft laut "Japan Times": "Die Firma legt jetzt größten Nachdruck auf Bürosysteme und Small-Business-Computer".

*Dr. Joachim Kirchmann ist freier Journalist