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21.06.1991 - 

Big Blue rüstet PS2-Familie um AT- und MCA-Bus-Maschinen auf

IBM will den PC-Massenmarkt nicht den Clonern überlassen

LONDON/FRANKFURT (ciw) - Unter dem Slogan "PS/2 - Die neue Mittelklasse" hat die IBM diverse neue Rechner mit 386SX-Prozessoren vorgestellt - zwei davon erstaunlicherweise nicht mit MCA-, sondern mit AT-Bus. Lediglich der als Nachfolgemodell für den 55SX vorgesehene 57SX ist mit dem IBM-eigenen Bus-System ausgestattet. Weitere Highlights der Ankündigung sind ein neuer Notebook, ein 3 1/2-Zoll-Diskettenlaufwerk mit 2,88 MB, und eine wiederbeschreibbare optische Platte. Ferner kündigte IBM für die PS/2-Modelle 90 und 95 ein mit 50 Megahertz getaktetes 486-Upgrade-Board an. Schließlich gaben die Armonker die Verfügbarkeit von IBM DOS 5.0 bekannt.

Zum Rückschwenk auf den vielgeschmähten, weil nur 16 Bit breiten AT-Bus, den die IBM ursprünglich nur noch in ihren 286-Rechnern einsetzen wollte, heißt es offiziell, daß man mit diesem Schritt "der kontinuierlichen Weiterentwicklung der AT-Bus-Maschinen im unteren Bereich Rechnung" getragen habe. Allerdings erklärte W.S. (Ozzie) Osborne, Director High Volume Systems der IBM Corp, man habe die PS/2-Modelle 35SX, 35LS (Medialess) und 40SX ins Programm genommen, weil sie von den IBM-Kunden gefordert worden seien (siehe auch CW Nr. 24 vom 14. Juni 1991, Seite 1, "Big Blue wird mit 386SX-PCs...").

Big Blue will in 386SX-Geschäft mitmischen

Außerdem wollen die Armonker offenbar in dem nunmehr boomenden 386SX-Geschäft kräftiger mitmischen. Dafür sprechen auch die für IBM-Verhältnisse aggressiven Preise. So soll der 35SX mit 2 MB Hauptspeicher, einem mit 20 Megahertz getakteten 80386SX Mikroprozessor und einer 40- oder 80-MB-Festplatte laut Liste zwischen 3785 und 4800 Mark kosten. Der Preis für das mit 286-Prozessor ausgestattete Modell 30 ist entsprechend gesenkt worden. Kostete die Maschine im April dieses Jahres noch 4475 Mark (inklusive 30-MB-Platte) ist sie heute (Stand Juni) mit einer 45-MB-Festplatte für 1060 Mark weniger in der Liste eingetragen. Das Modell 40SX, welches die gleiche CPU beherbergt wie der 35SX, aber mit fünf freien Steckplätzen und einem auf 16 MB ausbaubaren Hauptspeicher versehen ist, wird hierzulande - je nach Plattenkapazität - für 5490 beziehungweise für 6365 Mark zu haben sein. Beide neuen Modelle sind ab sofort verfügbar.

Teurer wird es bei dem mit MCA-Bus ausgestatteten Modell 57SX, das als Nachfolger für den Verkaufsschlager 55SX vorgesehen ist. Für den als Tisch- und Standmodell einsetzbaren Rechner werden Festplatten zwischen 80 und 160 MB angeboten. Das in der Grundkonfiguration mit 4 MB Hauptspeicher (ausbaubar bis 16 MB) versehene System kostet den Anwender laut Liste zwischen 7000 und 10100 Mark. Auch hier hat man die Preise für den Vorläufer 55SX gesenkt. Kostete die Maschine mit einer 60-MB-Festplatte vor zwei Monaten noch 7570 Mark, kann der Kunde sie heute zu einem Listenpreis von 5715 Mark bekommen.

Der 57SX ist standardmäßig mit dem neuen 3 1/2-Zoll-Diskettenlaufwerk ausgerüstet, das 2,8 MB-, aber auch 1,44 MB- und 720 KB-Disketten verarbeiten kann. Neu in dieser Leistungsklasse ist nach IBM-Angaben auch die integrierte SCSI-Schnittstelle. Der neue MCA-PC ist nach Angaben von IBM Deutschland ab dem dritten Quartal 1991 verfügbar.

Mehrere Wochen, bevor die Intel Corp. die Verfügbarkeit ihres mit 50 Megahertz getakteten 80486 DX Prozessors ankündigt, hat IBM erste Upgrade-Boards mit dieser CPU gezeigt, die für die Modelle 90 XP 486 und 95 XP 486 als "Nachrüstsatz" vorgesehen sind. Die neue Zentraleinheit beinhaltet einen internen Cache-Controller, 8 KB Cache und einen integrierten mathematischen Koprozessor. Außerdem stehen 256 KB normaler Cache zur Verfügung. Das neue Board soll ab September erhältlich sein, ein Preis wurde noch nicht genannt. Allerdings - auch das ist ein Novum - nimmt die IBM ausgetauschte Boards gegen ein noch nicht näher festgelegtes Entgeld zurück. Die für Big Blue ungewöhnlich frühe Ankündigung kommentierte Robert J. Corrigan, IBM Vice-President & President, Entry Systems Division: "Diesmal haben wir das Board vor Intels CPU-Announcement angekündigt, das nächste Mal werden wir das tun, bevor Intel überhaupt einen neuen Chip entwickelt hat."

Eher an der unteren Leistungsgrenze moderner Laptops ist der vorgestellte Notebook PS/2 Modell N33SX angesiedelt. Ebenfalls mit einer 386SX-Engine ausgestattet, arbeitet er nur mit einer Taktrate von 12 Megahertz. Der nach Herstellerangaben besonders für "Reisende, Journalisten und Außendienstmitarbeiter" geeignete Rechner verfügt standardmäßig über 2 MB Hauptspeicher (bis 6 MB) und eine 40-MB-Festplatte. Ein externes Diskettenlaufwerk, numerischer Tastenblock und Maus können als Extras bezogen werden. Laut Liste kostet der Laptop allerdings auch nur rund 4940 Mark. Der 9,5 Zoll große LCD-Bildschirm des exakt dem DIN-A-Format (43 x 297 x 210 mm) entsprechenden Winzlings bringt unter Verwendung der STN-Technologie (Super Twistes Nematic) eine Auflösung von 640 x 480 Punkten mit 16 Graustufen.

Nur 1,6 Stunden im Akkubetrieb

Trotz eines Stromsparsystems, das nicht aktive Komponenten des 2,5 Kilogramm schweren Rechners automatisch nur mit dem zur Betriebsbereitschaft notwendigen Strom versorgt, arbeitet der NX33 im Akkubetrieb lediglich 1,6 Stunden lang. Auf die Frage, warum der Notebook nicht mit dem von Intel eigens für Laptops entwickelten 386SL-Prozessor ausgestattet und nur eine Engine mit einer Taktrate von 12 Megahertz integriert wurde, antwortete Corrigan: " Wir standen vor der Frage, ob wir eine 286- oder einen 386-CPU nehmen, und ein 32-Bit-Prozessor ist immerhin besser als ein 16-Bit-Chip." Intels neuer Prozessor habe wegen der Kürze der Entwicklungszeit nicht zur Debatte gestanden, erklärte der Präsident der Entry Systems Division.

An weiteren Neuheiten präsentierte Big Blue unter anderem eine wiederbeschreibbare optische Platte. Auf den 3 1/2-Zoll-Einheiten, die normalen Disketten sehr ähnlich sehen, lassen sich 127 MB (formatiert) speichern. Die Übertragungsgeschwindigkeit beträgt 4,35 Mbit/s, die Schreibgeschwindigkeit 2,18 Mbit/s und die durchschnittliche Zugriffszeit liegt laut Herstellerangaben bei 66 Millisekunden. Der Listenpreis beträgt rund 3200 Mark. Für alle PS/2 Modelle mit SCSI-Adapter ist jetzt außerdem eine externe Bandeinheit mit 2,3 GB Datenkapazität und eigener Stromversorgung erhältlich; der Preis liegt nach Herstellerangaben bei 15 710 Mark.

Neu im PS/2-Programm sind ebenfalls ein 3270-kompatibles Keyboard mit 122 Tasten, ein High-Speed Communication Koprozessor/2 mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 2048 Mb/s für die LAN-zu-LAN-Verbindung in Token-Ring-Netzwerken und diverse Festplatten für alle PS/2-Modelle.

PC-DOS 5.0 ab September verfügbar

Ab September dieses Jahres wird deutschen Anwendern IBM PC-DOS 5.0 als Betriebssystem zur Verfügung stehen. Das neue Release wird zu einem Listenpreis von 355 Mark angeboten; Benutzer, die bereits ältere DOS-Versionen einsetzen, können nach Angaben des Unternehmens "zum besondes günstigen Preis auf die neue Version" wechseln.

Im Gegensatz zu IBM England will die deutsche Tochter offenbar noch nicht den Vertrieb und Service der Novell-Produkte Netware 2.2 und 3.11 aufnehmen. Die britischen IBMer hatten auf ihrer einen Tag früher stattfindenden Konferenz nämlich mitgeteilt, daß man in Ergänzung zum OS/2 Lan-Server und dem eigenen PC-Lan-Programm nun auch die Netzwerksoftware-Produkte von Novell direkt vermerkten und supporten werde.

Unter dem Logo "Novell Netware, Netware Computing from IBM" sollen ab Juli dieses Jahres die Versionen 2.2 und 3.11 angeboten werden. Als großen Vorteil der Version 3.11 lobt IBM vor allem die Integrationsmöglichkeit in heterogene Desktop-Rechner- und andere Computerumgebungen. So könnten Anwender Informationen zwischen DOS-, Windows-, Macintosh-, OS/2- und Unix-Rechnern problemlos austauschen. Außerdem unterstütze das System die Integration von Netware-basierten Netzen in TCP/IP- und OSI-Umgebungen.

Um diesen Integrationsgrad zu erreichen, sind allerdings einige Zusatzprodukte notwendig, die in England ebenfalls ab Juli dieses Jahres zur Verfügung stehen sollen.