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21.07.1989 - 

US-Verteidigungsministerium plant Erneuerung des DV-gestützten Nuklearwaffensystems:

IBM will Infrastruktur für Atom-Planspiel liefern

WASHINGTON (IDG) - Das US-Verteidigungsministerium hat die Absicht, sein rechnerunterstütztes Nuklearwaffensystem entscheidend zu verbessern. In einem ersten Schritt will das Ministerium ein Projekt für den Prototyp eines Systems ausschreiben, das in der Lage ist, Zielobjekte zu erkennen, die eigenen Nuklearwaffen darauf auszurichten und Zeit und Umstände für die Abfeuerung der Nuklearwaffen zu spezifizieren.

Mit dem Sape-System (Survivable Adaptive Planning Experiment) hofft das Verteidigungsministerium, die Zyklen der Planungszeit zum Einsatz von Nuklearwaffen im Krisenfall von bisher 18 Monaten auf drei Tage zu reduzieren, gleichzeitig das benötigte Personal um den Faktor 10 zu verringern und außerdem die Störanfälligkeit des eigenen Waffensystems um das Achtfache zu senken.

Jedes Cluster kann eine komplette Planung liefern

Dieses System wird vollkommen computergesteuert sein. Für seine Entwicklung stellen sich deshalb grundlegende Probleme in bezug auf eine leistungsfähige Hardware, ausgeklügelte Software und ein Hochgeschwindigkeits-Kommunikationsnetzwerk. Das ist denn auch Herzstück der Konzeption von Sape. Nach den Worten von Peter W. Sowa, Army Lt.Col. und Sape Program Manager beim Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa), wird das Sape-System aus mehreren mobilen Clustereinheiten bestehen - jede in der Größenordnung eines Supercomputers oder eines großen Mainframes - , sowie aus Datenbankrechnern, Parallelprozessoren und Workstations. Jedes der einzelnen Cluster wird in der Lage sein, eine komplette präventive nukleare Strategieplanung auszuarbeiten . Jedes Cluster in diesem System wird aus Sicherheitsgründen über ein Gateway mit einem Notfallnetzwerk verbunden sein.

Die Kernsoftware, wahrscheinlich in Ada oder Lisp geschrieben, soll aus einer Mischung aus mathematischen Algorithmen und KI-Konzepten bestehen. Um der Gefahr der Zerstörung des Systems in einer Konfliktsituation entgegenzuwirken, soll Sape mehrfach, verteilt und mobil ausgelegt werden. Damit will man erreichen, daß im Krisenfall auch bei einem Ausfall von 83 Prozent des Systems und 50 Prozent der Netzwerkverbindungen diese noch fehlertolerant arbeiten. Bisher liegt der Grenzwert bei 10 Prozent.

Sape wird gemeinsam von Darpa und der Luftwaffe finanziert werden. Vorrangige Bewerber für den zu vergebenden Auftrag sind die Firmen Harris, McDonnell Douglas und IBM.

Momentan dauert es noch 18 Monate, um eine Präventivkonzeption für eine nukleare Kriegführung zu erstellen. Wenn auch heute schon nach Meinung von Peter W. Sowa eine kürzere Reaktionszeit erreicht werden könnte, ist es doch noch unmöglich, eine neue Planung innerhalb von drei Tagen zu kreieren. Das aber ist das Ziel von Sape.

Die Revision der computergestützten Nuklearstrategie, mit welcher im Konfliktfall geeignete Aktivitäten entwickelt und der jeweiligen Situation angepaßt werden sollen, spiegeln die Tendenz wider, den begrenzten Atomschlag gegen kleinere mobile Ziele zu bevorzugen -entgegen den bisherigen Vorstellungen von einem massiven Einsatz nuklearer Waffen, die auf fixierte Ziele ausgerichtet sind. Es entspricht auch den Forderungen des US-Präsidenten, mehr Flexibilität beim Gebrauch von Nuklearwaffen zu schaffen.

Das US-Konzept für eine nukleare Kampfführung, Single Integrated Operational Plan (Siop), wird alljährlich unter Federführung des Joint Strategic Target Planning Staff (JSTPS), einer Abteilung des Joint Chief of Staff, beim Oberkommando des Strategic Air Command in Omaha, Nebraska ausgearbeitet. Hierbei werden sowohl nachrichtendienstliche Daten als auch Informationen der Streitkräfte unter Führung des US-Präsidenten, des Verteidigungsministers und anderer Verantwortlicher verwertet. "Der Präsident legt die allgemeineren Zielsetzungen fest, während das JSTPS die Richtlinien bestimmt und den Einsatzplan Siop ausarbeitet," erläuterte Peter W. Sowa.

Sape soll die eigentliche Planung des Siop nicht ersetzen. Vielmehr ist es darauf ausgerichtet, die Siop-Konzeption vor und während eines nuklearen Konflikts schnell in Szene zu setzen und gleichzeitig Sorge zu tragen für die Integrität des Systems.

Die Antwortzeiten für eine Neuausrichtung des nuklearen Waffensystems gewinnen insofern immer mehr an Bedeutung, als die sowjetischen ballistischen Waffen mobiler werden. Die Sape-Anforderungen sehen in diesem Zusammenhang zusätzlich vor, daß bis zu 600 Zielobjekte pro Tag während eines nuklearen Konflikts angepeilt werden können müssen. Außer soll die Reaktionszeit, um ein neues Ziel zu definieren, von bisher acht Stunden auf drei Minuten heruntergeschraubt werden. Darüber hinaus muß das System in der Lage sein, Einsatzoptionen für 2000 Raketen und bis zu 4000 Zielobjekte innerhalb von 30 Minuten zu berechnen.

Krisenoptionen können durchgerechnet werden

Nach Peter W. Sowa gründen die Vorteile eines flexibleren Siop-Konzepts - wegen der verbesserten Möglichkeiten, auch bewegliche und nicht nur fest stationierte Zielobjekte zu vernichten - vor allem in einer erhöhten Abschreckung. Gleichzeitig ließen sich die eigenen Waffensysteme effektiver nutzen. Zudem werde eine intelligentere Kriegführung gewährleistet. Mit dem System biete es sich an, mittels Wenn-Dann-Analysen Krisenoptionen durchzurechnen.

Sape, das im übrigen etwa 20 bis 30 Millionen Dollar über fünf Jahre kosten wird, sei lediglich als Demonstrationsmodell gedacht und solle nicht zu einem eigenständigen System aufgebaut werden, teilte Peter W. Sowa abschließend mit. Einiges könnte möglicherweise realisiert beziehungsweise könnte das Siop-System aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse entsprechend verbessert werden. Der Auftrag soll in etwa einem Monat vergeben werden.