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08.12.1989 - 

Vorläufer-Breitbandnetz für Tele-Teaching

IBM will mit Distance Learning die DV-Weiterbildung optimieren

08.12.1989

HERRENBERG - Um Mitarbeiter wie Händler "einheitlich, schneller und authentisch" weiterzubilden, hat die IBM Deutschland ein Pilotprojekt namens "Distance Learning" gestaltet. Am 21. November unterzeichnete sie in Herrenberg, Sitz des IBM-Ausbildungszentrums, eine auf fünf Jahre befristete Rahmenvereinbarung, mit der Bundesposts die ihr Vorläufer-Breitband-Netz für das Projekt probeweise zur Verifügung stellt.

Wenn die technischen Vorbereitungen wie geplant laufen, gehen ab Sommer 1990 von einem firmeneigenen Studio aus regelmäßig Kurse "live" auf Draht. An diesem hängen zunächst sieben Geschäftsstellen der deutschen Tochter des US-Multis, die in der ersten Phase an diesem Test teilnehmen.

Der Unterricht findet originär in Herrenherg vor Schulungsteilnehmern statt, wird

aufgezeichnet und anschließend in die Empfängerstationen übertragen. An den Lernplätzen stehen PS/2-Systeme mit hochauflösenden Bildschirmen, die für die Bewegtbilder zusätzlich mit einem Video-Mischsystem eweitert wurden. Über ständig geschaltete Rückkanäle können die bundesweit verstreuten Kursteilnehmer jederzeit mit ihrem Fernlehrer kommunizieren. So entsteht eine Art "virtueller Klassenraum" in dem die IBM zirka 350

Teilnehmer gleichzeitig unterrichten möchte.

Drei Ziele verfolgt der Computerbauer mit dem Fernunterricht: Zunächst will IBM, so Dr. Ihno Schneevoigt, Geschäftsführer Personal, damit den wachsenden Weiterbildungsbedarf decken. Zum zweiten geht es um die Rationalisierung der firmeninternen Ausbildung, weil das Fernlernprojekt auf mehreren Gebieten Zeit und Kosten

einspart: beim "Schulungstourismus", beim Arbeitszeitausfall und auf der Dozentenseite. Zum Dritten, und dieser Punkt ist der strategisch vielleicht wichtigste, hofft die IBM, dadurch im Kunden-Ausbildungsmarkt dem Mitbewerb ein Stück voraus zu sein. Perspektivisch soll die breitbandige Glasfaser-lnfrastruktur, dazu genutzt werden, Kunden wie Händler über neue, zum spätestmöglichen Zeitpunkt allgekündigte Produkte zu informieren .

In der Endphase des Testvorhabens finden an 200 Tagen im Jahr täglich zwei bis drei Stunden Weiterbildungsmaßnahmen mit durchschnittlich acht bis zehn beteiligten Niederlassungen statt. Erste und "durchweg positive" Erfahrungen sammelte "Big Blue" bereits seit einem Jahr mit Fernunterricht via Satellit. Doch die Übertragung auf Glaserfaserbasis ist nach den Worten von Johann Weihen, Leiter der Sparte Bildungswesen bei IBM, qualitativ besser und außerdem wirtschaftlicher.

Die Bundespost wiederum ist froh über jeden, der die noch weitgehend ungenutzten elektronischen Autobahnen für neue Anwendungsgebiete entdeckt. Mit einer Leistungskapazität von 140 Megabit pro Sekunde sind diese Glasfaserleitungen, die bislang nur zur Erprobung dieser Übertragungstechnik verlegt wurden, die schnellsten Datenvermittlungsstrecken. Sie eignen sich für Videokommunikation, Ferndiagnostik im medizinischen Bereich, Informationsaustausch bei wissenschaftlich-technischen Anwendungen sowie zur Vernetzung von Supercomputern. Auch die IBM mußte auf der Pressekonferenz eingestehen, daß die jahrelang von der Computerindustrie ob ihrer technologischen Rückständigkeit kritisierte Bundespost bei dieser Technologie das Tempo vorgibt.

Mehr am Rande erwähnte die IBM, daß sie sich mit dem Glasfaser-Projekt eine Zukunft auch als Informationsdienstleister eröffnen will. Das Stichwort heißt

"Corporate TV". Geschäftspartner, Kunden, Händler und Lieferanten, die ans globale IBM-

Netz angeschlossen sind, könnten von der Steuerzentrale des Konzerns mit Nachrichten

berieselt werden.

* Heidrun Haug ist freie Fachjournalistin in Tübingen