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05.06.1992 - 

Northgate mit Everex unter einer Decke

IBM will PC-Clones und Firma Anfang Juni aus der Taufe heben

NEW YORK/MÜNCHEN (jm) - Die Nebel über IBMs zukünftiger Vertriebspolitik haben sich ein wenig aufgelöst: Zwar versuchte James Cannavino, Chef der PC-Abteilung bei Big Blue, allen Gerüchten über IBMs Absicht, Clone-PCs zu vertreiben, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es hat sich jedoch herauskristallisiert, daß die IBM Europe ab Anfang Juni über eine neue Tochter - die ICPI Ltd. - eine Niedrigpreis-PC-Linie auf den Markt bringen wird.

Zerschlagen hat sich allerdings offensichtlich ein Deal der IBM mit dem Direktvertreiber Northgate Computer Systems Inc. Big Blue hatte nach Informationen von Branchen-Insidern mit dem Dell-Konkurrenten über eine Beteiligung gesprochen.

Hieraus ist nichts geworden. Zwar äußerte Cannavino nach wie vor Interesse an dem Mailorder-Geschäft. Der IBM-Mann, bestätigte, daß die IBM weiterhin mit Direktvertreibern Kooperations-Optionen diskutiere. Nach Cannavinos Vorstellung könnte die IBM auf diesem Weg bis zu 1,5 Millionen kostengünstige PCs auf dem Direktweg an den Kunden bringen. Dies entspräche ungefähr der Hälfte des gesamten momentanen PC-Verkaufs von Big Blue. Bislang habe er jedoch keine Entscheidungen getroffen, und es könne auch durchaus noch Monate dauern, bis er zu einem diesbezüglichen Entschluß komme.

IBM-Übernahmekandidat Northgate Computer Corp., die Mutter der Northgate Computer Systems Inc., aus Eden Prairie im Bundesstaat Minnesota hat mittlerweile mit der Everex Systems Inc. einen Letter of Intent vereinbart. Gegenstand ist die Übernahme der Northgate-Mutter durch den PC-Clone-Hersteller aus dem kalifornischen Fremont.

Die technischen Details der Übernahme sehen vor, daß Everex die gesamte Northgate-Aktienbasis im Tausch gegen 750000 Everex-Anteile übernimmt. Dies entspricht ungefähr einem Anteil von drei Prozent der Aktien von Everex beziehungsweise einem Verhältnis von 1 : 100 (Everex: Northgate). Der Transaktion müssen allerdings noch die Boards of Directors und die Aktieneigner beider Unternehmen sowie die Kapitalgeber zustimmen.

Kryptische Äußerung von James Gannavino

Den Gerüchten, Big Blue werde seinen beiden PC-Linien PS/2 und PS/1 mit einem Clone-Rechner - der allerdings nicht unter dem blauen Signet vertrieben werde - selbst Konkurrenz machen, trat Cannavino vor der Presse mit kryptischen Aussagen entgegen.

Cannavino meinte die Produktionskosten im IBM-PC-Werk in Greenock, Schottland, seien mittlerweile so niedrig, daß es sich für Hersteller von Clones lohne, hier Mutterplatinen zu beziehen, die sie dann immer noch mit Gewinn - wiederverkaufen könnten.

Die Vermutungen seien womöglich im Zuge der Umstrukturierung der IBM entstanden und hätten lediglich die Wunschvorstellungen einiger Big-Blue-Manager aus den weltweiten Marketing-Abteilungen wiedergegeben. Diese meinten, die IBM müsse ins Geschäft der Niedrigstpreis-Cloner eintreten, um sich wichtige Aufträge von Großkunden zu sichern, die immer wieder nach PC-Systemen der untersten Preiskategorie fragen würden.

Allerdings sprach Cannavino durchaus mit gespaltener Zunge: Es sei nicht richtig, daß die 13M selbst einen PC-Clone herstellen werde. Diese Aussage ließ allerdings offen, ob nicht eine andere Firma für die Ar. monker antreten wird.

Vermutungen in diese Richtung haben sich nun bestätigt: Nach Branchen Informationen, die ein IBM-Sprecher gegenüber der COMPUTERWOCHE bestätigte, will die britische Tochter der IBM am 4. Juni 1992 der Öffentlichkeit das Tochterunternehmen ICPI Ltd. vorstellen, das für Big Blue Clone-Systeme vermarkten soll.

Dabei stellt die IBM-Unternehmung auch die erste Billigst-PC-Clone-Linie mit der Bezeichnung Ambra" vor. Die Rechner sollen wie bereits. früher gemeldet - in Fernost produziert und von ICPI vertrieben werden.

Nach den Informationen des IBM-Firmensprechers ist bislang lediglich sicher, daß die ICPI in England aus der Taufe gehoben wird: "Und bis heute steht auch der Termin vom 4. Juni." Noch nicht geklärt ist nach seinen Aussagen allerdings, ob es sich bei dem Clone-Hersteller - ähnlich dem Drucker-Spin-off Lexmark - um eine 100prozentige Tochter der IBM handeln oder ob die Beteiligung in anderer Form geregelt

Fragen, die besonders für Anwender von Interesse sind, konnte der IBM-Mann ebenfalls noch nicht beantworten: So sei noch nicht ausgemacht, ob die ICPI auch in anderen europäischen Ländern Niederlassungen eröffnen werde. Details über die Preise und zur technischen Ausstattung des Ambra-Rechner konnte er ebenfalls noch nicht preisgeben.

Gemäß einer Mitteilung des britischen Brancheninformationsdienstes "Computergram" wird die IBM als erste Clone-Systeme einen 386SX-Desktop-, einen 486SX-Minitower- sowie einen 386SX-Notebook-Rechner offerieren.

Rechner- mit dem AT-Bus ausgestattet

Den Informationen zufolge sollen alle drei PCs eine Version von Microsofts DOS-Erweiterung Windows verpaßt bekommen. Alle Rechner würden darüber hinaus nicht mit IBMs proprietärem Mikrokanal-, sondern dem industrieweit üblichen AT-Bus ausgestattet sein.

m Rande der Cannavino-Presseveranstaltung gaben IBM-Manager weiterhin bekannt, daß die Verkäufe der Version 2.0 von OS/2 über eine gebührenfreie Telefonverbindung (toll-free) innerhalb der ersten Wochen auf 200 000 Stück angewachsen seien. Insgesamt habe man etwa 400 000 Kopien des 32-Bit-Betriebssystems ausgeliefert.