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12.08.1994

IBM wittert neue Chance fuer OS/2 Chicago: Widersacher sitzt nun auch im eigenen Unternehmen

MUENCHEN (CW) - Microsofts Uebereinkunft mit dem US- Justizministerium koennte IBMs OS/2 zu unerwartetem Aufschwung verhelfen. Microsoft-Chef Bill Gates glaubt mittlerweile wohl nicht mehr an den grossen Erfolg mit Chicago (Windows 4). Waehrend die Auslieferung des Desktop-Betriebssystems verschoben wurde, diskutieren die Microsoft-Verantwortlichen in Redmond bereits jetzt ueber seine baldige Abloesung durch das objektorientierte "Cairo".

Ein unerwarteter Hoffnungsschimmer zeichnet sich fuer den IBM- Bereich Personal Software Products (PSP) ab. Nachdem sich Microsoft erst kuerzlich dazu verpflichten musste, seine Softwarelizenzierungspraktiken zu lockern (vgl. CW Nr. 29 vom 22. Juli 1994, Seite 1), will die IBM die Gunst der Stunde nutzen und ihrerseits mit guenstigen Konditionen dem ewigen Zweiten OS/2 zum Aufschwung verhelfen. Big Blue plant, Mitte Oktober dieses Jahres weltweit eine RAM-sparende 4-MB-Version des 32-Bit-Betriebssystems auf den Markt zu bringen.

"Da Microsoft den OEMs nun rentablere Deals anbieten muss, werden wir zur Stelle sein und einen noch besseren Handel vorschlagen", gibt sich Lee Reiswig, President der Personal Software Products, hinsichtlich Microsofts Abkommen mit dem US-Justizministerium optimistisch. Erste OS/2-Partnerschaften konnte Big Blue unterdessen bereits vereinbaren. So wird die Heppenheimer Escom Computer-Vertriebs GmbH im kommenden Jahr die von ihr verkauften PCs - gerechnet wird mit 500 000 Stueck - mit OS/2 ausliefern, berichten IBM-nahe Quellen. Ebenso wolle der Grossdistributor Vobis AG aus Wuerselen seine Rechner in Kuerze standardmaessig mit IBMs Betriebssystem ausstatten. Vobis selbst mochte dazu keine naeheren Angaben machen.

OS/2 steht derzeit auch bei der Wyse Technology Inc. hoch im Kurs. Das Unternehmen wird demnaechst verschiedene Versionen des Betriebssystems, inklusive einer SMP-Ausfuehrung, zusammen mit PCs, Servern und Multiprozessor-Systemen an den Mann bringen. IBMs OS/2-Politik scheint sich ferner in Asien herumgesprochen zu haben. Die Genon Technology aus Hongkong ist einen Dreijahresvertrag mit Big Blue eingegangen, der das Unternehmen dazu berechtigt, OS/2, OS/2 for Windows und PC-DOS 6.3 in saemtliche PCs zu stecken, berichtet die CW-Schwesterpublikation "Computerworld".

Schlechter OS/2-Verkauf zwingt IBM zum Handeln

Marktforscher bezeichnen das Engagement von IBM als laengst ueberfaellig: Die Verkaufszahlen von OS/2 haetten im letzten Jahr stagniert, so die Analysten. Von der 2.x-Serie sei Big Blue gerade mal fuenf Millionen Ausfuehrungen losgeworden. Microsofts Windows hingegen habe bis Ende Mai 1994 die 50-Millionen-Grenze ueberschritten.

Waehrend IBM bereits die Kassen klingeln hoert, zeigen sich einige US-Anwender skeptisch. Trotz der technischen Raffinesse von OS/2 mangele es noch an 32-Bit-Applikationen, die diese Eigenschaften voll nutzen, so die einhellige Meinung. "OS/2 wird als exzellentes Betriebssystem gepriesen - aber aus irgendeinem Grund sind die Anwender nicht umgestiegen", zweifelt auch David Pinkard, Technical Consultant der Mallinckrodt Medical Inc. aus St. Louis, an allzu guenstigen Perspektiven fuer OS/2. Wie viele andere ist auch Pinkard davon ueberzeugt, dass der Erfolg der RAM-sparenden OS/2-Version stark davon abhaengt, wie die Anwender Chicago akzeptieren.

Moeglicherweise braucht die IBM selbst aber gar nichts zu tun, um Windows den Wind aus den Segeln zu nehmen. Nachdem die Gates- Company kuerzlich bekanntgeben musste, dass Chicago erst Anfang 1995 verfuegbar sein wird, erreicht jetzt eine neue irritierende Botschaft interessierte Benutzer: Gates sehnt eigenen Angaben zufolge den Tag herbei, an dem Chicago durch den NT-Nachfolger Cairo ersetzt wird, berichtet die CW-Schwesterpublikation "Infoworld". Dabei verfolgt der Microsoft-Chef eine andere Politik als der blaue Konkurrent. Waehrend die IBM ihre OS/2- Entwicklungsarbeit auf moeglichst geringen RAM-Bedarf trimmt, rechnet Microsoft mit steigendem Hauptspeicher bei den PCs. Der Zeitpunkt, an dem Cairo Chicago abloest, wird dann sein, "wenn alle Standardsysteme ueber 16 MB RAM verfuegen", prognostizierte Gates.

Um die Zukunft von Chicago scheint es jedoch bereits jetzt schlecht bestellt. Bedenkt man die Upgrade-Strategie fuer bisherige Windows-Versionen, muesste ein Chicago-Update etwa 18 Monate nach der ersten Fassung des Betriebssystems folgen. Die Workstation- Variante von Cairo wird dann allerdings bereits zur Verfuegung stehen, so "Infoworld". Auch Greg Lobdell, Product Manager fuer Windows NT, ist sich sicher: "Vom Loesungsansatz her gesehen, werden Anwender Cairo sicherlich als logisches Upgrade zu Chicago betrachten - vorausgesetzt, sie besitzen die benoetigte Hardware."