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24.08.1984 - 

Mit "Advanced Technology"-Modell AT wichtiger Schritt in die Arbeitsplatzcomputer-Technik:

IBM-Workstation stempelt PC zum alten Eisen

NEW YORK (CW) - "Operation 80286" gelungen, LAN-Entscheidung weiter auf Eis: Als "Advanced Technology" (AT) kündigte die IBM ihr bisher leistungsstärkstes PC-Modell für den US-Markt an. Die AT-Highlights: Der neue Intel-Prozessor (siehe oben), bis zu 3 MB Hauptspeicher, Mehrplatz- und Netzwerkfähigkeit sowie ein gegenüber den vorhandenen PC-Systemen enorm verbessertes Preis/Leistungs-Verhältnis. Für Kenner vorhersehbar: Der Arbeitsplatzcomputer läuft mit den Betriebssystemen PC-DOS und Xenix - nicht mit dem vermeintlichen Unix-Standard von AT&T.

IBM zufolge arbeitet der neue AT etwa zwei- bis dreimal so schnell wie das Basismodell und sei mit den meisten bereits existierenden Hard- und Softwareprodukten der PC-Familie kompatibel. Die in den USA bereits verfügbare PC-Workstation bietet maximal 3 MB Hauptspeicher- sowie bis zu 40 MB Plattenspeicherkapazität, eine neue 5 1/4-Zoll-Floppy mit 1,2 MB sowie acht Erweiterungssteckplätze.

Das neue PC-Familienmitglied auf Intel-80286-Basis ist für den Standalone- und Mehrplatzbetrieb konzipiert, aber auch für Netzanwendungen. Mit 256-KB-Arbeitsspeicher und einem Diskettenlaufwerk kostet der Rechner knapp 4000 Dollar, während das 512-KB-Modell mit einer Diskette und 20 MB Festplatte für 5800 Dollar zu haben ist.

Ferner bietet IBMs Jüngster eine leicht modifizierte Tastatur, batteriegepufferte Echtzeituhr mit Kalender sowie einen freien Platz für den Intel-Co-Prozessor 80287, der 375 Dollar kosten soll. Eine Einbahnstraße stellt das 1,2-MB-Floppylaufwerk dar: Zwar können damit die Standard-IBM-Formate (180 KB und 360 KB) gelesen werden, doch kann es nicht in diesen Formaten schreiben. Damit sind die neuen Disketten für die Standard-Modelle der PC-Serie nicht lesbar. Folglich bietet IBM auch ein zusätzliches 360-KB-Laufwerk für den neuen Mikro AT zum Preis von 425 Dollar an.

Als Einzelplatzrechner arbeitet IBMs AT unter der neuen Version 3.0 des PC-DOS-Betriebssystem, das eigens für den AT von Microsoft entwickelt wurde und 65 Dollar kostet. Diese Software ist aufwärtskompatibel mit der Version 2.1, die IBM weiterhin für die Standard-Mikros anbieten will.

PC-DOS in der Version 2.1 kann maximal 640 KB Hauptspeicher adressieren. Die neue Version behandelt zusätzliche Speicher nun wie eine virtuelle Platte und unterstützt die neuen Laufwerke sowie Netzwerkanwendungen. Dem Vernehmen nach plant IBM die Version 3.0 im Frühjahr 1985 durch PC-DOS 3.1 zu ersetzen, womit erweiterte Netzwerkanwendungen möglich werden sollen. PC-DOS 3.1 soll 65 Dollar kosten, beziehungsweise 30 Dollar als Erweiterung.

Unter dem Betriebssystem Xenix, ebenfalls eine Microsoft-Entwicklung, werden maximal drei Benutzer interaktiv arbeiten können. Diese Systemsoftware soll Anfang 1985 auf den Markt kommen und knapp 400 Dollar kosten. Ein Xenix-Software-Entwicklungssystem, das etwa im selben Zeitraum verfügbar sein soll, wird rund 455 Dollar kosten.

Das Vernetzungskonzept, das sich IBM nun ausgesucht hat, basiert wie erwartet (siehe CW Nr. 31/84, Seite 1) auf dem System der Sytec Inc., Mountain View, das herkömmliche CATV-Breitbandkabel verwendet (75 Ohm). Über dieses Koax-Netz können, laut IBM, alle Rechner der IBM-PC-Familie miteinander im CSMA/CD-Modus (Carrier Sense Multiple Access/Collision Detection) bei einer Geschwindigkeit von 2 MBit pro Sekunde kommunizieren. Ein aktuelles Statement of Direction verweist auf die geplante Verbindungsmöglichkeit dieses Netzes mit dem Token-Bus-System für industrielle Anwendungen, an dem IBM noch arbeitet.

Das nun angekündigte Breitband-PC-Netz soll in einer vom Anwender selbst installierbaren Version bis zu 72 Mikros vernetzen; in der größten Ausdehnung jedoch könnte das System bis zu 1000 Rechner unterstützen.

Die Hardware soll im Oktober 1984 zur Verfügung stehen. Sie besteht neben dem eigentlichen Kabel-Equipment aus einem Netzwerkadapter, einer nachrüstbaren Karte für 695 Dollar, einer Konvertierungseinheit (Stand-alone Network Translator Unit) für 595 Dollar, die bis zu acht Rechnerverbindungen bedienen kann, und einem Netz-Verstärker (Network Base Expander), der für bis zu acht Stationen ausreichend ist; er kostet 59 Dollar.

Die entsprechende Software soll im ersten Quartal 1985 lieferbar sein, über Menü-Steuerung und die Funktionen Daten- und Textverarbeitung (messages) verfügen sowie Drucker und weitere Peripherie steuern können. Sie werde 75 Dollar kosten.

Ferner bietet IBM ein 3270-Emulations-Programm zum Preis von 375 Dollar, das im ersten Halbjahr 1985 zur Verfügung stehen soll. Die Software werde die fünf Personal-Computer-Modelle der IBM mit einigen 3270-Funktionen unterstützen, die den synchronen Datenaustausch (SDLC) zwischen den Mikros und Maschinen der 4300 und 30XX-Serie ermöglichen. Unter dieser Voraussetzung seien bis zu 32 "gleichzeitige" Sessions mit IBM-Hosts möglich, ferner realisiere das Produkt auch für Stand-alone-PC 3270-Emulationsmöglichkeiten, falls sie als Remote-Stationen an 4300- oder 30XX-Maschinen arbeiten.

Insgesamt werten Branchenbeobachter US-Berichten zufolge das neue Paket, bestehend aus dem AT, dem PC-Verbundnetz sowie Window-Software, als "großen Schritt" von IBM in die Arbeitsplatzcomputer-Technik. Die neuen Produkte, so New Yorker Quellen, konnten durchaus mit Minicomputer-Systemen konkurrieren, wie sie beispielsweise von Digital Equipment, Hewlett-Packard oder Data General angeboten werden.

Diese positive Beurteilung wagen die Händler, obgleich der AT in Kürze auf dem nordamerikanischen Markt, die restlichen Produkte jedoch erst Anfang 1985 verfügbar sein dürften. Damit ist auch eine Beurteilung der Konkurrenzfähigkeit am Markt frühestens in sechs Monaten möglich.

Analysten, die allgemein die Neuigkeiten begrüßten, beurteilten IBMs neues AT-Modell als "teilweise beeindruckend": Die IBM könne nun behaupten, heißt es, bei Mikrocomputern das beste Preis/Leistungs-Verhältnis bieten zu können", kommentiert beispielsweise George Colony, President der Forrester Research Inc., Cambridge/Massachusetts, die Ankündigungen.

Eine für IBM wichtige Frage die sich der Markt derzeit stellt, ist, was aus den bestellenden PC-Produkten wird. Offenbar um hier einem Auftragsloch vorzubeugen, versicherte IBM, daß sie nach wie vor mit einer Nachfrage nach den bisherigen Modellen der PC-Serie rechne. Ob diese Rechner nach dem Abbau der derzeitigen Vorräte im Preis herabgesetzt werden, gilt als eines der bestgehüteten Geheimnisse von Big Blue. Beobachter glauben jedoch aufgrund des von ihnen eher als niedrig erachteten Preises für den AT, daß alte Modelle ohne Preisabschläge kaum noch zügig verkauft werden können.