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10.09.1999 - 

Cisco kauft Patente gegen Aufträge und Kooperation

IBM zieht sich aus dem Netzgeschäft zurück

MÜNCHEN (CW) - IBM und Cisco Systems haben eine bedeutende strategische Allianz geschlossen. Big Blue verkauft den Kaliforniern nahezu 200 Patente auf Switch- und Router-Technologien. Dafür erwirbt Cisco über fünf Jahre verteilt Netzwerkchips für rund zwei Milliarden Dollar und baut auf die Dienstleistungen der Global Services Division von IBM.

Für IBM kommt der Deal einem Ausverkauf gleich: Bis auf das Geschäft mit Ethernet-Adaptern, Token-Ring- und Systems-Network-Architecture-(SNA-)Komponenten bleibt von Big Blues Engagement im Bereich Computernetze nichts übrig. Sämtliche Patente und Markenrechte an Hubs, Switches und Routern überläßt der Hersteller Cisco Systems. Nach Auskunft von Klaus Span, Leiter Marketing and Communications IBM Networking Systems Europe, Middle East and Africa, geschieht dies gegen eine "Summe in unbekannter Höhe" - die inoffiziell genannten 300 Millionen Dollar will er nicht bestätigen.

Das Geschäft mit den Komponenten plant IBM nach eigenen Aussagen innerhalb von zwölf Monaten abzuwickeln. Bestehende Verträge werden erfüllt, auch sei der Support für bereits ausgelieferte Produkte garantiert. Für sie werde es allerdings keine technischen Weiterentwicklungen mehr geben.

Von einer Bankrotterklärung will der Manager nichts wissen. Für ihn ist die Transaktion "einer der wichtigsten Deals des letzten Jahrzehnts". IBM sieht es daher auch nicht als Schande, als Global Player kaum in der Lage zu sein, die etwa durch seine "E-Business"-Kampagne selbst geschaffenen Netzbedürfnisse zu befriedigen und dieses äußerst lukrative Feld nun Cisco Systems zu überlassen.

Seiner Darstellung zufolge war IBMs Networking Division zwar nach wie vor profitabel, habe aber intern einen "Hemmschuh" gebildet. "Es wäre uns viel zu teuer gekommen, unsere Abteilung entsprechend aufzurüsten", erklärt er und ergänzt: "Wenn wir schon fremdgehen, dann aber richtig - mit dem Marktführer."

Der hat sich als Gegenleistung dazu verpflichtet, in den kommenden fünf Jahren Technologie, etwa Netzwerkchips, im Wert von mindestens zwei Milliarden Dollar von Big Blue zu kaufen. Die Prozessoren will Cisco nach Auskunft von Selby Wellman, Vice-President Interworks Business Unit bei den Kaliforniern, "in allen künftigen Netzprodukten einsetzen".

Span sieht die "Schokoladenseite" des Deals jedoch im Bereich der Services: In den Bereichen SNA-IP-Integration, Sprach-Daten-Konvergenz und Services rund um E-Commerce wollen beide Hersteller gemeinsam Dienstleistungen offerieren. Außerdem haben die Unterneh- men vereinbart, daß IBMs Global Services Division (IGS) als "Golden Partner" künftig die Netzwerke von Ciscos Kunden betreuen soll. Dafür läßt Cisco das zu dem Beratungsunternehmen International Network Services (INS) bestehende Verhältnis auslaufen - das dürfte wohl kaum schwerfallen, hat doch Konkurrent Lucent Technologies erst vor kurzem mitgeteilt, INS für 3,7 Milliarden Dollar schlucken zu wollen.

Des weiteren planen Big Blue und sein neuer Partner Lösungen, um Kunden von IBM-Produkten an Cisco-Technologien heranzuführen. Hierbei sollen die etwa 200 IBM-Patente helfen: Das darin festgehaltene technologische Know-how versetzt Cisco laut Wellman in die Lage, Lösungen für eine nahtlose Migration zu entwickeln.

Span geht davon aus, daß die meisten der weltweit rund 2400 bei IBM im Netzwerkbereich angestellten Mitarbeiter in der IGS unterkommen werden. "Wir brauchen das Know-how intern auch weiterhin", betont er. Viele Verkaufsleute hätten zudem bereits Angebote von Cisco auf dem Tisch liegen. Mit Entlassungen rechnet er daher nicht.

Brancheninsider spekulieren derweil über den Nutzen, den Cisco aus dem Deal ziehen könnte. Das "Wall Street Journal" etwa geht davon aus, daß die Abmachung den Netzwerkern allein in den kommenden drei Jahren zusätzliche Einnahmen von geschätzten sieben Milliarden Dollar in die Kassen bringen könnte.

Die Börsianer begrüßten den Deal zwischen Cisco und IBM: Die Aktien der beiden Hersteller machten nach Bekanntgabe der Kooperation einen Sprung nach oben.