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25.02.2000 - 

Interview

"IBM zieht sich aus der direkten Betreuung zurück"

25.02.2000
Mit Wolfgang Auer, President der IBM-Benutzervereinigung Guide Share Europe (GSE), sprach CW-Redakteur Wolfgang Herrmann

CW: Eines der wichtigsten Themen für die GSE heißt Cost of Computing. Insbesondere die Software-Preisgestaltung für die S/390-Plattform brennt den Anwendern auf den Nägeln. Was wünschen Sie sich diesbezüglich von IBM?

Auer: Mit der neuen Server-Strategie versucht IBM ja, die Frage nach der geeigneten Plattform zu relativieren. Wenn das so ist, erwarten wir auch, dass sich Anwender tatsächlich frei entscheiden können. Das bedeutet, die Preise für die gesamte Plattform müssen vergleichbar sein.

CW: Was heißt das konkret?

Auer: Wenn beispielsweise ein Großanwender eine Notes-Installation mit 4000 oder 5000 Anwendern plant, muss er sich für eine Server-Plattform entscheiden. Beim Vergleich der Anlagen stellt er möglicherweise fest, dass ein Unix-System deutlich günstiger ist als ein Mainframe. Von der Softwareseite her ist eine realistische Kostenbetrachtung aber nicht möglich, weil es in der Welt der S/390-Großrechner immer noch keinen vergleichbaren Preis pro User für eine Notes-Installation gibt. IBM hat hier noch Nachholbedarf.

CW: Das heißt, eine Gegenüberstellung der gesamten Installationskosten ist für Kunden derzeit nicht möglich.

Auer: Richtig. IBM hat hier zwar schon einiges verbessert, aber die Diskussion ist noch längst nicht beendet.

CW: IBMs Europa-Chef Mike Lawrie hat sich in seiner Keynote klar zu Linux bekannt. IBM werde das Open-Source-Betriebssystem für alle Server-Plattformen optimieren. Welche Rolle spielt Linux für die GSE-Mitglieder?

Auer: Linux ist ja eine Abart von Unix. In unseren Erhebungen steht Unix auf der Interessenskala derzeit nur auf Platz neun. So wie ich Herrn Lawrie verstanden habe, braucht IBM Linux, weil unter diesem Betriebssystem bestimmte Lösungen kommen werden. Er positioniert Linux im so genannten Small- oder Specialized-Solutions-Bereich. Das wird man sich ansehen müssen. Im Moment erkenne ich in den einzelnen Regionen der GSE noch keinen großen Run auf Linux.

CW: Die Positionierung soll im Groben ja so aussehen: Linux für das Lowend, AIX und später Monterey für Highend-Applikationen wie etwa Transaktions-Server. Ist das für Sie nachvollziehbar?

Auer: So schreibt das Herr Lawrie mal auf eine Folie. Aber Sie wissen auch, wie schwer sich IBM seit vielen Jahren mit der Positionierung bestimmter Systeme tut.

CW: Die GSE hat wie andere User Groups, etwa die AS/400-Vereinigung Common, einen Requirement-Prozess installiert, über den Mitglieder Einfluss auf Produktentwicklungen der IBM nehmen können. Welches sind die wichtigsten Forderungen?

Auer: Der Requirement-Prozess war früher einer der Kernbestandteile in den User Groups. Heute hat das nicht mehr die gleiche Bedeutung wie in den 70-er oder 80-er Jahren.

CW: Warum?

Auer: Weil wir heute als Anwendervereinigung eine andere Rolle spielen müssen. Damals ging es häufig darum, in einem bestimmten Release einer Software ganz bestimmte Parameter zu verändern. In den letzten zwei Jahren haben wir 850 Requirements an die IBM gesandt. 752 wurden berücksichtigt. Das ist das Tagesgeschäft. Das kann aber nicht alles sein. Wir wollen unseren Mitgliedern auch Orientierung für die Weiterentwicklung ihrer IT-Landschaft geben.

CW: Was hat sich in Ihrem Verhältnis zu IBM verändert?

Auer: Wenn man die IBM über die letzten Jahre beobachtet hat, stellt man fest, dass sich der Hersteller aus der direkten Betreuung der Kunden zurückzieht. Diese lässt man nur noch den ganz großen Kunden angedeihen. Für die anderen gibt es ja die Business Partner. Das alleine reicht aber nicht. Für die Guide Share ergibt sich daraus eine historische Chance. Es geht darum, Führung und Orientierung in Sachen Informationstechnik zu geben, eine Rolle, die die IBM in den 70-er und 80-er Jahren innehatte.

CW: Die GSE als eine Art Selbsthilfegruppe?

Auer: Ja. Es geht aber nicht nur um Selbsthilfe. Wir wollen auch der Gesprächspartner für das obere Management werden, und zwar nicht nur auf der Spezialistenebene, sondern auch in den Führungsetagen.

CW: Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Auer: Wir haben unser Konferenzprogramm gezielt verändert. Früher hielt die GSE nur zwei Konferenzen im Jahr ab. Heute haben wir ein sehr viel differenzierteres Angebot.