Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Performance-Probleme nicht wegdiskutieren:


21.10.1983 - 

IBMs DB2 schon jetzt mit Ladehemmung

FRANKFURT - Mit den drei Lettern "DB2" hat IBM eine Diskussionslawine losgetreten, die inzwischen eine gewaltige Eigendynamik entwickelt hat. Hier wollte der Marktführer nun steuernd eingreifen und hatte zu einer Management-Information unter dem Titel "Individuelle Datenverarbeitung auf der Basts relationaler Datenbanken" ins Frankfurter Intercontinental eingeladen. Doch statt der erhofften Klärungen ergaben sich aus den teils widersprüchlichen Aussagen noch mehr offene Fragen, die den Kunden verunsichern.

Der erste Redner, dessen Aufgabe es war, über DB2 zu referieren, nutzte die Gelegenheit, 35 Minuten lang die Vorzüge des neuesten IMS-Releases IMS/VS 1.3 vorzustellen.

Als endlich die Sprache auf DB2 kam, bekamen die Teilnehmer das altvertraute IBM-Credo zu hören: Vorgedachte Aktionen und die Massendaten gehören auf die operationale Datenbank. Diese heißt auch in Zukunft IMS oder DL/ 1. Ad-hoc-Anfragen, ständig variierende Fragen und Decision Support werden mit DB2 gelöst. Die planerische, strategische Ebene basiert auf den Daten der operationalen Datenbank, können gleichwohl aber nicht direkt auf diese Daten zugreifen. Die Frage der Aktualität der Daten wird in diesem Zusammenhang nicht angeschnitten.

Auf die mengenorientierte Verarbeitung an Stelle der Satzverarbeitung wurde hingewiesen. Es wird nicht nur ein Satz geändert, sondern ein ganzes Set von Sätzen, nämlich alle Sätze, die eine Bedingung erfüllen.

"Hat IBM den Markt falsch eingeschätzt"

Obwohl man in DB2 auch Daten manipulieren, das heißt, ändern, hinzufügen und löschen kann, wird dazu geraten, diese Möglichkeiten nicht zuzulassen. Denn die beiden Datenbanksprachen SQL und QBE können keine Plausibilitätsprüfungen durchführen. Darum sollen solche Funktionen programmiert werden. Änderungen in der DB2-Datenbank ziehen nicht automatisch entsprechende Änderungen in der operationalen Datenbank IMS beziehungsweise DL/1 nach sich. Wird dieser Durchgriff der Änderungen nicht programmiert, so sind die Eingaben des Benutzers nach den nächsten Datenextraktionen natürlich verloren.

In bezug auf das Timing scheint IBM den Markt falsch eingeschätzt zu haben. Während jetzt die Diskussionen voll im Gange sind, kann man den Großkunden erst in einem Jahr ein relationales Produkt liefern denn DB2 ist für das dritte Quartal 1984 angekündigt. Der IBM-Ausweg aus diesem Dilemma lautet: "Fahren Sie Ihr MVS unter VM. Dann können Sie unter VM SQL/DS einsetzen. Jetzt können Sie Abfragen schreiben und mit der relationalen Datenbank üben. In einem Jahr dann, wenn es DB2 gibt, übernehmen Sie die Abfragen in QMF und greifen auf DB2 zu."

Einen vielversprechenden Anlauf nahm der Referent, als er eine Definition des Begriffes "relational" geben wollte. Dem gespannten Zuhörer teilte er dann mit, daß Codd einen Katalog von Forderungen aufgestellt habe. Je mehr ein System diese Forderungen erfüllt, um so mehr sei es als relationales System zu bezeichnen. Die Forderungen auf den Overhead legen und DB2 daran messen wollte er aber nicht.

Performance-Probleme mit großen Datenbeständen will IBM "nicht wegdiskutieren". Konkrete Angaben wurden nicht gemacht. Allgemein wird XA als Voraussetzung für den Einsatz von DB2 vorgeschlagen. Einer der Redner ließ durchblicken, daß eine IMS-Maschine wohl kein DB2 mehr aufnehmen könne.

Auf den größten Haken an der ganzen Geschichte hat ein Seminarteilnehmer aufmerksam gemacht: das Data Dictionary. Es wird, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt und fällt dann als Voraussetzung wie vom Himmel. So, wie man zwei Datenbanksysteme im Einsatz hat, IMS oder DL/ 1 und DB2, gibt es dann auch zwei getrennte Data Dictionaries. Nach der Koordination zwischen beiden und der Koordination mit dem Endbenutzer befragt, der ja laut IBM beliebige Tabellen erstellen kann, mußte der Referent kleinlaut zugeben, daß hier "in der Tat größere Probleme auftreten können". Diese müßten aber im Unternehmen gelöst werden.

Auf das Problem der Antwortzeiten angesprochen, hatte der letzte Redner noch eine ganz simple Losung parat: "Installieren Sie zusätzliche 8 MB, und Sie sind die Probleme los."