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14.05.1999 - 

R/3-Portierung könnte S/390 weiteren Auftrieb geben

IBMs G6-Server bringen Konkurrenten in Zugzwang

MÜNCHEN (wh) - Zum zweiten Mal innerhalb von neun Monaten kommt IBM den Konkurrenten im Mainframe-Geschäft mit der Auslieferung der jeweils schnellsten Maschine zuvor. Die Portierung des R/3-Applikations-Servers auf das OS/390-Betriebssystem könnte den Big Irons weiteren Auftrieb geben.

Als IBM im August 1998 die ersten "G5-Serie"-Mainframes in Deutschland auslieferte, war das vor allem für den Erzrivalen Hitachi Data Systems (HDS) eine bittere Erfahrung. Erstmals war es Big Blue gelungen, den Leistungsvorsprung der in Deutschland von Comparex vertrieben Bi-CMOS-Rechner wettzumachen. Für HDS blieb dies nicht ohne Folgen. Die Anzahl der ausgelieferten Mainframe-MIPS ging Ende 1998 gegenüber dem Vorjahr von 45000 auf 20000 MIPS zurück, rechnen die Marktforscher von IDC vor. Die (Vor-)Ankündigung einer Maschine mit fast doppelt so schnellen Prozessoren half HDS wenig.

Mit der Vorstellung der G6-Server haben die Armonker die Mitbewerber erneut in die Defensive gedrängt (siehe CW 17/99, Seite 39). Früher als geplant (28. Mai) will der Konzern S/390-Systeme mit einer Einzelprozessorleistung von zirka 200 MIPS und einer Gesamtkapazität von 1600 MIPS ausliefern.

Hitachi dagegen wird mit ersten Modellen seiner "Skyline-II"-Serie (in Deutschland "M3000") voraussichtlich erst im September nachziehen. Voll ausgebaute 16-Wege-Systeme mit einer (angekündigten) Leistung über 3000 MIPS sind nicht vor dem ersten Quartal 2000 zu erwarten. Auch IBMs zweiter Konkurrent Amdahl hat die nächste Generation seiner "Millennium"-Server, die eine mit den G6-Systemen vergleichbare Leistung bieten sollen, erst für Dezember geplant.

Mark Lillycrop von dem auf Großsysteme spezialisierten Marktforschungsunternehmen Xephon sieht IBM mit den jüngsten Ankündigungen im Aufwind. In der obersten Leistungsklasse liege der Anbieter zwar noch immer unter den geschätzten Leistungswerten des Konkurrenten HDS. Die frühe Verfügbarkeit der G6-Server sei aber ein wichtiger Vorteil, insbesondere im Hinblick auf das Jahr-2000-Problem. Der Analyst geht davon aus, daß viele Unternehmen ab dem Spätsommer anstehende Investitionen einfrieren werden, um wenigstens drei bis vier Monate vor dem Jahrtausendwechsel ihre IT-Installationen stabilisieren zu können. Mit den Applikationen, die derzeit entwickelt würden - beispielsweise große E-Commerce-Systeme, die im Jahr 2000 produktiv sein sollen -, wollten Anwender deshalb soviel MIPS wie möglich noch vor dieser Periode installieren.

"September ist kein guter Zeitpunkt, um eine neue Mainframe-Baureihe auf den Markt zu bringen", sagt Lillycrop in Anspielung auf die Pläne Hitachis. Gleiches gelte für Amdahl, wenn die Maschinen erst im Dezember ausgeliefert werden sollten. Mark Vanston, Analyst bei der Meta Group, beurteilt die Situation ähnlich: "IBM hat sicher in den vergangenen Monaten (seit der G5-Ankündigung, Anm. d. Redaktion) Anteile gegenüber HDS gewonnen."

Dies sei aber weniger auf die Leistungsfähigkeit der Chips als auf die aggressive Preispolitik Big Blues zurückzuführen. Der durchschnittliche Preis pro MIPS ist nach Vanstons Schätzung von knapp 4000 Dollar Anfang 1998 auf derzeit etwa 2000 Dollar gesunken. Die Entwicklung zu einem harten Preiswettbewerb bei etwa vergleichbaren Rechenleistungen werde sich fortsetzen.

Hitachis Argument, Anfang 2000 mit dem dann "leistungsstärksten S/390-Server" aufzuwarten, relativiert Vanston: "Dieses Leistungsniveau brauchen nur sehr wenige Unternehmen." Der Großteil der Mainframe-Klientel könne mit den derzeit verfügbaren Rechenleistungen ausreichend bedient werden.

In der Münchner Amdahl-Niederlassung gibt man sich angesichts der jüngsten Ankündigungen demonstrativ gelassen. An der Roadmap für die Millennium-Server werde sich nichts grundlegendes ändern, sagt Friedrich Hauger aus dem Produkt-Marketing. Aber: "Wir werden in näherer Zukunft eine Antwort geben und unsere Ankündigung präzisieren." Im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE mochte Hauger zumindest nicht ausschließen, daß Amdahl die nächste Millennium-Serie möglicherweise doch früher bringt. Christoph Laube von der IBM-Benutzervereinigung Guide Share Europe (GSE) hält den Zeitvorsprung IBMs dagegen durchaus für relevant im Kampf um Marktanteile. "Für Kunden, die hinsichtlich der benötigten Rechenleistung mit dem Rücken zur Wand stehen, ist das sehr wichtig."

Inwieweit die angekündigte Portierung von R/3-Applikationsfunktionen auf das Mainframe-Betriebssystem OS/390 für IBM einen Wettbewerbsvorteil darstellt, ist offen (siehe CW 18/99, Seite 13). "IBM geht es vor allem darum, das OS/390-Unix durch möglichst viele wichtige Anwendungen zu pushen", meint GSE-Vertreter Laube. Der Bedarf jedenfalls sei von Anfang an erkennbar gewesen. Schon 1997 habe die GSE die Portierung des R/3-Applikations-Server verlangt. Seinerzeit wurde das Anliegen der User Group aber ohne plausible Begründung abgelehnt.

Gerd Roik aus dem Rechenzentrum der Deutschen Krankenversicherung in Köln bestätigt diese Einschätzung. "Wir haben das schon seit der SAP-Einführung Ende 1997 gefordert." Die Vorteile eines R/3-Anwendungs-Servers auf dem Großrechner liegen für ihn auf der Hand: einfachere Verwaltung, Kostenersparnis und das vorhandene Know-how mit Großsystemen.

Die von Experten erwartete Zurückhaltung bei IT-Investitionen wegen des Jahrtausendwechsels ist für den DKV-Manager kein Argument gegen eine komplette R/3-Installation auf dem Mainframe. "Die Jahr-2000-Umstellungen sind bis Mitte des Jahres gelaufen. Wer dann noch anfängt, hat sowieso mit Zitronen gehandelt." Zumindest die Planung eines entsprechenden R/3-Projekts könne durchaus im zweiten Halbjahr 1999 in Angriff genommen werden.

Warum SAP und IBM die Portierung von R/3 solange abgelehnt haben, kann auch Roik nur mutmaßen: "Das ist eine reine Kostenüberlegung. Der Umstellungsaufwand für SAP ist doch sehr hoch." Andererseits sei der Marktdruck nun offenbar zu groß geworden. Auch Laube hat diesbezüglich keine Fakten parat: "Eine Begründung hat es von IBM und SAP nie gegeben." Seinerzeit sei aber unter anderem vermutet worden, SAP wolle andere Plattformen wie etwa die von Hewlett-Packard vor potentieller Konkurrenz schützen. Der Walldorfer Softwarekonzern habe zudem immer behauptet, es gebe keinen Bedarf für R/3-Anwendungen auf dem Mainframe. Erhebungen der GSE hätten dies widerlegt.

Laube weist aber auch auf einen Aspekt hin, der in der Vergangenheit gegen eine Portierung von R/3-Applikationen gesprochen habe. Die Unix-Verarbeitung von OS/390 ist nach seiner Darstellung bis zur Vorstellung der Version 2, Release 7, im März dieses Jahres noch nicht zufriedenstellend gewesen. Mit der Vorstellung der G6-Rechner stehe nun sowohl die für den Applikations-Server erforderliche hohe Hardwareleistung als auch die entsprechende Unix-Performance zur Verfügung.

IBMs G6-Server

- Neue CPUs auf Basis von Kupfertechnik mit 637 Megahertz Taktfrequenz;

- Einzelprozessorleistung: zirka 200 MIPS, zusätzliche CPUs bei laufendem Betrieb freischaltbar;

- gesamte Kapazität Zwölf-Wege-System: rund 1600 MIPS;

- Arbeitsspeicher maximal: 32 GB;

- L2-Cache: 2 x 8 MB;

- Fibre-Channel-Anschlüsse (Ficon) statt herkömmlicher Escon-Verbindungen: bis zu acht I/O-Operationen gleichzeitig möglich, maximal überbrückbare Entfernung bis 100 Kilometer (Escon: 26 Kilometer);

- Netzanbindung über OSA-Express Gigabit-Ethernet Adapter (Datentransfer bis 1 Gbit/s);

- Betriebssystem OS/390 V2 R7.