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18.05.1984

IBMs LAN-Pläne: Unterflurschaden

Wer sichergehen will, beim "Local-Area-Networking" (LAN) nichts falsch zu machen, der sollte vorläufig gar nichts tun - oder zumindest nichts mit Wang (Wangnet) oder Xerox (Ethernet). Ist dies die Message, die die IBM mit ihrem Kabel-Announcement (Seite 1) rüberbringen wollte? Oder läßt sich aus der Tatsache, daß es Big Blue mit dem LAN-Start nicht mehr eilig hat, auf einen Entwicklungsrückstand der IBM-Labors schließen? Soll die "Token-ring-Technik" gar eingefroren werden? Es bleibt viel Raum für Spekulationen.

Warum wohl finden die LAN-Aktivitäten des Mainframe-Marktführers vorerst im "Unterflurbereich" statt, während die Vorstellung eines "offenen" Bürokommunikations-Konzeptes weiter auf sich warten läßt? Und wo ist das Rezept, Büroautomation und konventionelle Datenverarbeitung in einer "blauen" Umwelt zu verbinden?

Eines scheint sicher: Anwender, die ein klärendes Wort der IBM in Sachen "Lokale Netze" erwartet hatten, werden von der Strippen-An

kündigung der IBM enttäuscht sein. Was der Rechnerriese als LAN-Gericht auftischt, enthält vorerst nur die Beilagen - das Fleisch sucht man vergeblich.

Was nun das Committment der IBM angeht, die Voraussetzungen für eine Token-ring-Vernetzung in zwei bis drei Jahren zu schaffen sinngemäß wurde dies bei der Steckdosen-Premiere in Amerika gesagt -, so kann sich der LAN-Interessent wenig dafür kaufen (im wahrsten Sinne des Wortes). Big Blue bleibt da ganz Schreibmaschinen-Hersteller. Der Terminus "Bürokommunikation" ist in diesem Zusammenhang ungefähr so ein Blödsinn, als spreche man heute von "Personal Computing". Auch der sogenannte "Personal Computer" wird ja vorwiegend als intelligente Schreibmaschine eingesetzt, wie jüngste US-Studien ergeben haben.

Mag sein, daß der eine oder andere Großanwender jetzt in Ruhe planen kann. Vielen dürfte das "Nonannouncement" aber auch willkommener Anlaß sein, die LAN-Dinge auf die lange Bank zu schieben. Daß durch Abwarten nichts vorangeht, können sie nun getrost ihrem großen Hardwarepartner anlasten. So zu tun, als ob mit dem Kabelsystem die Weichen gestellt seien, verdreht die Tatsachen. Bislang hatte man doch immer damit argumentiert, daß die Unterputzfrage nebensächlich sei (ein Seitenhieb gegen Ethernet), daß es vielmehr vorrangig auf die Endgeräte-Eigenschaften und die Mächtigkeit der zu entwickelnden Kommunikationssoftware ankomme.

Diese Punkte werden von der aktuellen IBM-Ankündigung nicht berührt. Wann kommt, nochmal gefragt, Fleisch auf das LAN-Skelett der IBM, das vorerst nur aus Drähten besteht? Die Anwender sollten auf Draht sein und sich nicht mit Absichtserklärungen des großen LAN-Zauderers abspeisen lassen.

Grund zum Granteln haben aber auch diejenigen IBM-Konkurrenten, die sich mutig aufs LAN-Eis wagten, wie etwa Xerox oder Wang. Zwar könnten sie von der unklaren Situation im IBM-Lager profitieren, aller Erfahrung nach dürfte jedoch der LAN-Markt vorerst zu sein. Und das kann für die Nicht-IBM-Anbieter verheerend werden. Bleibt zu hoffen, daß sich die Anwender nicht einlullen lassen.