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10.01.2003 - 

Open-Source-Software nicht auf allen Plattformen verfügbar

IBMs Linux-Strategie weist Schwächen auf

MÜNCHEN (CW) - Linux auf allen Hardwareplattformen - das verspricht IBM seinen Kunden in einer millionenschweren Marketing-Kampagne. IT-Verantwortliche sollten dieses Angebot allerdings nicht allzu wörtlich nehmen, warnt das US-Marktforschungsunternehmen Aberdeen Group.

Es klingt verlockend. Wer eine Linux-Anwendung auf einem IBM-Server nutzt, kann diese ohne großen Aufwand auf eine andere Hardwareplattform des Herstellers migrieren, gleichgültig ob es sich um Intel-basierende Rechner, Risc-Systeme oder gar Mainframes handelt. Portierungsarbeiten entfallen weitgehend, und eine einheitliche Betriebssystem-Basis für die oft heterogenen IT-Strukturen könnte die Kosten für Wartung, Support und Schulung drastisch senken.

So weit die Theorie. In der Praxis ist dieses Versprechen derzeit kaum einlösbar, kritisiert die Aberdeen Group in ihrer Studie "An Assessment of IBMs Enterprise Linux Strategy". Grundsätzlich sei die Absicht, das quelloffene Betriebssystem auf allen Hardwareplattformen anzubieten, zwar zu begrüßen. Big Blue führe vier Rechnerarchitekturen und noch mehr Betriebssysteme im Portfolio und verfüge als einziger Anbieter über die notwendigen Ressourcen zur Umsetzung eines solchen Vorhabens. Die Analysten verweisen aber auf Schwächen in der Strategie, die IT-Verantwortliche bei Investitionsentscheidungen bedenken sollten.

Kernpunkt der Kritik ist die unterschiedliche Verfügbarkeit von Linux und Open-Source-Programmen auf den diversen Rechnerplattformen. Linux-Distributionen von Red Hat, Suse oder der ehemaligen Turbolinux sind nicht konsistent für alle IBM-Systeme verfügbar, moniert Aberdeen ein Problem, das sich mit der United-Linux-Initiative allerdings verringern dürfte. Gravierender stellt sich aus Sicht der Marktforscher das lückenhafte Angebot von IBMs Middleware-Produkten sowie das unzureichende Anwendungsportfolio unabhängiger Softwarehersteller (Independent Software Vendors = ISVs) für die diversen Linux-Plattformen dar.

Unter der Bezeichnung Middleware fasst der IT-Konzern rund 300 verschiedene Produkte zusammen, darunter DB2 und Websphere. Diese aber sind entgegen pauschalen Marketing-Aussagen nicht komplett unter Linux verfügbar, und werden es womöglich nie sein, argumentieren die Analysten aus Boston. IBM habe sich zu keinem Zeitpunkt verpflichtet, sämtliche Middleware für Linux und die entsprechenden Hardwareplattformen zu portieren.

ISVs im Dilemma

Besonders die ISVs befänden sich in einem Dilemma: Sie müssten sich entscheiden, auf welche Linux-Version und für welche Hardwareplattform sie ihre Anwendungen portieren. Laut Studienautor Bill Claybrook ist es unwahrscheinlich, dass ein Softwarehaus seine Programme für alle IBM-E-Server unter Linux anpassen wird. Dagegen sprächen vor allem hohe Kosten für Tests, Optimierung und Support.

Anwender sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Portierung von IBM-Middleware und ISV-Applikationen von der Kundennachfrage und entsprechenden Geschäftsanforderungen abhänge, erklärt Aberdeen-Forschungschef Peter Kastner. Deshalb gebe es keine Garantie, dass etwa ein Z-Series-Kunde die gewünschte Anwendung tatsächlich unter Linux betreiben könne.

Teuer wird die Strategie vor allem für IBM selbst, geben die Marktforscher zu bedenken. Die Kosten für Portierung, Wartung und Optimierung mehrerer Linux-Versionen, ISV-Anwendungen und der eigenen Middleware für die vier E-Server-Plattformen seien immens. Hinzu kommen Aufwendungen für Vermarktung und Entwicklerprogramme in sämtlichen E-Server-Teilorganisationen.

Ökonomisch sinnvoll ist IBMs Linux-Initiative nach Einschätzung der Analysten lediglich für die Intel-basierenden X-Series-Server und die Mainframes der Z-Series. Für die ehemaligen AS/400-Systeme (I-Series) ergäben sich Vermarktungschancen einzig innerhalb der installierten Basis. Auch der betriebswirtschaftliche Nutzen von Linux auf den klassischen Unix-Servern der P-Serie lasse sich Kunden nur schwer vermitteln. So locke etwa der Verweis auf die Vorteile der 64-Bit-Technik kaum einen Anwender. Unabhängige Softwarehäuser portierten ihre Anwendungen in der Regel zunächst auf Industriestandard-, sprich Intel-Server. (wh)

Abb: Linux-Einsatz in der Praxis

89 Prozent der von der Meta Group befragten deutschen IT-Leiter planen einen - teils weiteren - Linux-Einsatz. IBM will dieses Potenzial nutzen. Quelle: Meta Group 2002