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15.11.1996 - 

Xephon-Analysten raten IBM-Kunden zu erhöhter Wachsamkeit

IBMs Mainframe-Geschäft befindet sich im Umbruch

Die Nachfrage nach Mainframe-Leistung steigt bis zur Jahrhundertwende deutlich schneller als das Angebot, prognostizierte der unabhängige Analyst Barry Graham auf einem Xephon-Meeting in London. Im Jahr 2000 würden Großanwender etwa 2000 Mainframe-MIPS zur Abwicklung der immer komplexeren DV-Aufgaben benötigen. Dies entspräche dem 20fachen dessen, was die derzeit leistungsfähigsten Großrechnermodelle am Markt schaffen.

Für derartige Anwendungen wären die jüngst vorgestellten IBM-Mainframes mit CMOS-Prozessoren allerdings noch nicht stark genug. Seiner Meinung nach sind diese Rechner für ein ganz anderes Marktsegment vorgesehen. Big Blue ziele mit diesen kleineren und kostengünstigeren Maschinen auf Anwender mit geringerem Performance-Bedarf. Dies belegt etwa die Positionierung des Low-end-Großrechners "S/390 Multiprise". IBM bewirbt diese Maschinen als leistungsstarke und verläßlichere Alternative zu Unix- und Windows-NT-basierten Servern. Graham hat dafür eine Erklärung parat: Big Blue könne seine Mainframe-Basis nur im Low-end-Sektor ausbauen, alle anderen Segmente seien gesättigt dort sei lediglich ein Ersatz- oder Upgrade-Geschäft zu erwarten.

Die Gründe für IBMs Vorgehen sind Branchenbeobachtern hinlänglich bekannt. Das Kerngeschäft des Unternehmens ist noch immer der Mainframe. Graham, der selbst etliche Jahre in den Diensten des Herstellers stand, schätzt, daß IBM im Geschäftsjahr 1995 etwa 35 Prozent seiner gesamten Umsätze direkt mit dem Verkauf von Großrechnern erzielt hat. Rechne man die damit verbundenen Einnahmen aus Software und Services für die Mainframes mit ein, liege der Anteil bei 59 Prozent. Erschwerend komme für IBM hinzu, daß sich mit der reinen Hardware immer weniger Gewinne erzielen ließen.

So lägen die Gewinnspannen im Hardwarebereich bei etwa 40 Prozent. Für die dazugehörige Software in Form von Betriebssystemen und Tools könne der Hersteller dagegen mit Margen um die 100 Prozent kalkulieren.

Auf der Hardwareseite liege die Konsequenz für Big Blue darin, die Kosten zu senken, meint Graham. IBM könne die CMOS-Maschinen sehr viel preiswerter produzieren als die herkömmlichen Mainframes.

CMOS ist noch keine Alternative für Großkunden

Diese Kosteneinsparungen werden von den Armonkern allerdings nur in geringem Maß an die potentiellen Käufer weitergegeben. Für Großkunden stellten die derzeit erhältlichen CMOS-Rechner eine leistungsschwache und teure Lösung dar. Selbst für weniger große Anwender böten die Maschinen bestenfalls eine Kompromißlösung. Die CMOS-Systeme seien derzeit nur für kleinere Kunden eine brauchbare Alternative.

Andererseits, so Graham, wachse die Performance der CMOS-Prozessoren künftig schneller als bisher. In einem Jahr erwartet der Analyst eine Leistungssteigerung der CPUs auf 60 MIPS je Prozessor gegenüber derzeit 45 MIPS. Bis 1999 werden die CMOS-Prozessoren die Leistung der älteren bipolaren "H5"-Maschinen und auch die der heute erhältlichen "Skyline"-Rechner von Hitachi erreicht haben, glaubt der Analyst. Damit würde dann aber auch die von IBM angepriesene Kopplungstechnik Parallel Sysplex überflüssig. "In vier bis fünf Jahren braucht niemand mehr Parallel Sysplex", hängte sich Graham aus dem Fenster. In der Zukunft sei Parallel Sysplex nur noch als Verbindungstechnik zwischen bipolaren Einzelprozessor-Maschinen sinnvoll, um den Ansprüchen einiger weniger Großanwender gerecht zu werden.

Die Argumentation IBMs, ein Parallel-Sysplex-Verbund biete eine höhere Verfügbarkeit als eine Einzelprozessor-Maschine, beurteilt Graham kritisch. Bei Parallel Sysplex handle es sich um eine relativ neue Technologie, die sich in der Praxis noch nicht bewährt habe. Darüber hinaus werde die Umgebung noch nicht von allen relevanten Softwareprodukten unterstützt. Kunden sollten deshalb mit dem Einsatz der Technik sehr vorsichtig sein.

Ein weiterer Kritikpunkt der Analysten betrifft die Antwortzeiten innerhalb eines Parallel-Sysplex-Verbundes. Laut einer Xephon-Studie ergeben sich mit einer Einprozessor-Maschine generell kürzere Antwortzeiten als in einer Installation mit mehreren langsameren CMOS-Maschinen, die über Parallel Sysplex verbunden sind (siehe Grafik). Je mehr CMOS-Chips bei einer vorgegebenen Gesamtleistung im Verbund arbeiteten, desto ungünstiger entwickelten sich die durchschnittlichen Antwortzeiten. Noch kritischer als die Durchschnittswerte sind der Studie zufolge aber die maximalen Antwortzeiten. Diese beeinträchtigten die Produktivität der Endanwender empfindlich und verursachten zusätzliche Kosten. Bei den gekoppelten CMOS-Prozessoren lagen diese Maximalwerte noch deutlicher über den Zeiten, die Einzelprozessor-Maschinen verursachten. Graham schließt daraus: "Es ist immer besser, eine 120-MIPS-Maschine zu kaufen als zwei 60-MIPS-Rechner."

Erhöhte Wachsamkeit empfiehlt Xephon den Anwendern aber nicht nur bei den jüngsten Hardware-Angeboten IBMs. Die abnehmenden Gewinnbeiträge der "Big Irons" und die intensive Bearbeitung des Low-ends, die auch durch Preissenkungen gestützt werde, brächten den Hersteller in eine Zwangslage. Zur Gegenfinanzierung müßten die Preise im Top-end erhöht werden. Da dies kaum über neue Hardwareprodukte erreicht werden könne, bleibe IBM keine andere Wahl, als die Einnahmen aus dem Softwaregeschäft zu erhöhen. Der Hersteller versuche deshalb, durch ausgeklügelte Lizenzangebote wie etwa den "Parallel Sysplex License Charge" (PSLC), die Softwarepreise an die MIPS-Kapazität der Rechner zu koppeln. Bei der von Xephon erwarteten Performance-Steigerung der Mainframes könnten auf die Unternehmen damit enorme Kosten zukommen.

Antwortzeiten im Vergleich

Das Marktforschungsinstitut Xephon verglich die durchschnittlichen Antwortzeiten des schnellsten verfügbaren Einprozessor-Mainframes (Hitachi mit seiner ACE-Technologie) mit den Werten verschiedener Mehrprozessor-Rechner. Dabei wurde ein Zweiprozessor-Modell in Bipolar-Technik und die zwei jüngsten IBM-Modelle mit drei und sechs CMOS-CPUs getestet. Die gesamte Rechenkapazität betrug bei allen Systemen 120 MIPS. Xephon führte sechs unterschiedlich große Transaktionsaufgaben auf den Rechnern aus. Dabei lag das Einprozessor-System in fast allen Fällen in Front. Noch deutlicher fiel der Leistungsunterschied bei den maximalen Antwortzeiten aus, die bei einer schlecht ausbalancierten Rechenlast auftreten können. Quelle:Xephon