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21.09.2001 - 

Datenbank-Tools treiben Kosten in die Höhe

IBMs Preispolitik empört Mainframe-Kunden

MÜNCHEN (wh) - Mit seinen Preismodellen für Mainframe-Software hat sich IBM erneut Ärger eingehandelt. Für bisher kostenfreie Datenbank-Tools will Big Blue künftig abkassieren. Die versprochene nutzungsabhängige Bezahlung ist längst noch nicht Realität, kritisiert die Anwendervereinigung Guide Share Europe (GSE).

IBM wird das leidige Thema Softwarepreise nicht los. Auf der GSE-Jahrestagung in Bad Neuenahr mussten Herstellervertreter einmal mehr herbe Kritik an den Abrechnungsmodellen einstecken. Hatte man noch vor einem Jahr den schwarzen Peter unabhängigen Softwareanbietern wie BMC oder CA zugeschoben, steht Big Blue nun wieder selbst am Pranger.

"Die GSE-Mitglieder sind insbesondere besorgt über die Entwicklung bei den Tools für DB2 und IMS", erklärt Christoph Laube, Regional Manager bei der deutschen GSE-Sektion. Bestimmte Softwareteile, die bisher im Standardlieferumfang der Datenbankprodukte enthalten waren, müssten neuerdings bezahlt werden. Dabei geht es beispielsweise um Werkzeuge für Backup, Recovery oder Performance-Management. Im Grunde könne man als Kunde erwarten, dass eine Datenbank wie DB2 von Haus aus mit leistungsstarken Backup- und Recovery-Funktionen ausgestattet sei, beschwert sich Laube. "Es kann eigentlich nicht sein, dass man dafür extra Tools beschaffen muss." Nun verlange IBM auch noch Geld dafür.

Mit den Tools tritt der blaue Riese in direkte Konkurrenz zu seinen Softwarepartnern, allen voran BMC, CA und Candle. Die Auskoppelung der Werkzeuge sei notwendig gewesen, um dem Wettbewerb besser gewachsen zu sein, lautet die offizielle Begründung. Ein Brancheninsider sieht das ganz anders: "Der einzige Grund für IBM, ins Tool-Geschäft einzusteigen, lag darin, die schwächelnden Hardwareumsätze anzukurbeln."

Als die Mainframe-Verkäufe vor drei bis vier Jahren dramatisch einbrachen, war dies nicht nur auf die Hardwarekosten zurückzuführen, sondern auch auf die viel zu hohen Preise der Independent Software Vendors (ISVs). Insbesondere bei den für viele Kunden unumgänglichen Upgrades wichtiger Tools und Programmierumgebungen langten die Anbieter kräftig zu. Anwender sahen sich nach alternativen Plattformen um; IBMs Hardware- und Softwareabteilungen begannen, miteinander zu reden. Das Ergebnis war ein separates Tool-Angebot, für das der Konzern nun aber Geld sehen will.

"Mit dem separaten Pricing hat Big Blue den Tool-Markt letztlich legitimiert", glaubt Michael Wein-traub, S/390 Solution Architect bei BMC Software. "Bisher war es immer so, dass Kunden zu einem Datenbanksystem auch die Basiswerkzeuge bekommen haben. Jetzt kann man zwar etwa die ''nackte'' DB2-Datenbank erwerben, aber damit nicht einmal ein Backup fahren, ohne dafür zusätzlich zu bezahlen."

Eine etwas überraschende Begründung für IBMs Tool-Strategie lieferte David Wilson, verantwortlich für das S/390-Software-Pricing in der Region Emea (Europa, Mittlerer Osten, Afrika): "Wir wollten den Kunden dabei helfen, ihre Softwarekosten zu reduzieren." IBM biete Alternativen zu den am Markt befindlichen Produkten und stärke allein dadurch die Verhandlungsposition von IT-Verantwortlichen gegenüber den großen Lieferanten.

Was die Anwendervertreter stört, ist indes nicht nur die Tatsache, dass IBM die Tools nun extra berechnet, sondern auch die damit verbundenen Preismodelle. Diese waren auch nach dem mit Spannung erwarteten Vortrag von Wilson vor rund 300 IT-Verantwortlichen nur schwer nachvollziehbar. Der Manager wiederholte zwar das von IBM schon vor einem Jahr gegebene Versprechen, Softwarelizenzen nicht mehr anhand der gesamten Rechenleistung eines Mainframes zu berechnen, sondern nach der tatsächlichen Nutzung. Doch der Teufel und damit die hohen Kosten stecken im Detail.

Für das neu eingeführte Modell Workload Licensing Charge (WLC) verwendet IBM grundsätzlich zwei Berechnungsmethoden: In der LPAR-basierten Variante liefert die Rechenkapazität der logischen Partition (LPAR), in der eine Software läuft, die Bemessungsgrundlage. Für die Kunden ergeben sich Vorteile, wenn sie etwa DB2 oder Cics nur in einzelnen Partitionen installieren und entsprechend weniger bezahlen. Im zweiten Modell hingegen, dem Sub Capacity Pricing, dient die gesamte installierte z/OS-Kapazität als Basis, ohne Berücksichtigung einzelner Partitionen.

Hier liegt das Problem. Für die Tools lässt IBM lediglich das Sub Capacity Pricing zu. Im Einzelfall kann das bedeuten, dass ein Kunde für die gesamte z/OS-Kapazität bezahlen muss, selbst wenn die Tools nur in einer LPAR arbeiten. BMC etwa legt nach eigenen Angaben bei der Preisberechnung seiner DB2-Tools lediglich die Rechenkapazität zugrunde, welche die Datenbankinstallation in Anspruch nimmt. "Es wäre gerechter gewesen, die LPARs als Berechnungsgrundlage zu nehmen", räumt Jürgen Ley ein, Brand-Manager für Systemsoftware der z-Series-Mainframes. Die Tools werden damit tendenziell teurer. Wie teuer, lasse sich aber nur im Vergleich jedes einzelnen Systems mit dem jeweiligen Konkurrenzprodukt der ISV ermessen.

Von einer echten nutzungsabhängigen Preisgestaltung könne ohnehin nicht die Rede sein, moniert GSE-Präsident Wolfgang Auer. "Das WLC-Modell ist nur für das z/OS gültig und deshalb noch immer Gegenstand der Diskussion mit IBM, nicht nur mit den ISVs", erläutert Auer. Rund 90 Prozent der GSE-Mitglieder nutzen nach wie vor die älteren S/390-Maschinen, können also von den neuen Preismodellen nicht profitieren. "Das schmerzt natürlich."

Auch für Laube ist das Thema noch nicht vom Tisch. "Wir wollen nicht die komplette Kapazität bezahlen, sondern nur die Leistung, die wir auch tatsächlich in Anspruch nehmen", fordert der GSE-Mann.

Voraussetzung dafür ist eine exakte Messung der Arbeitslast, die eine Applikation verursacht. Ursprünglich sollte dazu das im z/OS integrierte Tool "License Manager" dienen. Mit dem Fehlen dieses Werkzeugs im OS/390-System begründete IBM, warum das Workload-basierte Modell nicht auf älteren Maschinen funktioniert.

In der Praxis haben sich Installation und Betrieb des License Manager aber als zu aufwändig erwiesen, berichtet Ley. Man werde deshalb vorerst auf SMF-Sätze (SMF = System Measurement Facility) zurückgreifen, um die zur Abrechnung benötigten Systemdaten an IBM zu übermitteln. Eben dieses Vorgehen hatte Laube schon vor einem Jahr gefordert, IBM lehnte ab. SMF-Sätze sind seit jeher Bestandteil des IBM-Betriebssystems und stehen deshalb auch unter älteren Generationen wie OS/390 zur Verfügung. Einer Ausdehnung des Workload-Pricings auf die S/390-Rechner stünde demnach nichts im Wege.