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26.07.1991 - 

Von 1,41 Milliarden auf 114 Millionen Dollar

IBMs Quartalsgewinn sackte dramatisch ab

NEW YORK (CW) - In diesem Geschäftsjahr wird die IBM Corp. nach Meinung von Analysten zum ersten Mal seit 45 Jahren kein Umsatzwachstum verzeichnen können.

Ursache dafür ist das miserable Abschneiden im ersten Halbjahr dieses Jahres: Für diesen Zeitraum konnten die Armonker nur einen Netto-Betriebsgewinn von 646 Millionen Dollar melden, der sich im Vorjahr noch auf 2,45 Milliarden Dollar belaufen hatte - das entspricht einem Rückgang um 74 Prozent. Der Umsatz ging um knapp acht Prozent auf 28,8 Milliarden Dollar zurück.

Zieht man allerdings von diesem mageren Betriebsgewinn die Rückstellungen in Höhe von 2,26 Milliarden Dollar ab, die die Armonker im ersten Quartal für die medizinische Versorgung künftiger Pensionäre ausgewiesen haben, dann steht Big Blue im ersten Halbjahr mit 1,62 Milliarden Dollar in der Kreide.

Im zweiten Quartal rutschte der Profit gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sogar um mehr als 90 Prozent von 1,41 Milliarden auf 114 Millionen Dollar oder 20 Cent pro Aktie. Der Umsatz sank um knapp elf Prozent auf 14,73 (16,5) Milliarden Dollar.

Dabei traf es laut "Wall Street Journal" die Hardwareverkäufe besonders hart: Sie fielen insgesamt um besorgniserregende 22 Prozent. Der Absatz der High-end-Mainframes blieb sogar um 30 Prozent, die PC-Verkäufe um mehr als 20 Prozent unter den Vorjahresergebnissen. Einzig im Workstation- und im Midrange-Bereich konnten die blauen Verkäufer zulegen.

IBM baut auch in Deutschland Stellen ab

Schuld an der Misere ist IBM-Verantwortlichen zufolge vor allem die wirtschaftliche Lage auf den Auslandsmärkten in Asien und Europa, der scharfe Wettbewerb, dem viele ihrer Produkte ausgesetzt sind, sowie der interne Umstrukturierungsprozeß. Letzterer soll allerdings, so erklärte IBM-Chairman John F. Akers, beschleunigt werden. Zumindest die Zahl der noch in diesem Jahr abzubauenden Arbeitsplätze wurde von 14 000 auf 17 000 erhöht. Auch in Deutschland baut die IBM Stellen ab: Ein Sprecher erklärte auf Anfrage des Wirtschaftsinformationsdienstes vwd, daß auch die deutsche Tochter in diesem Jahr knapp 1000 festangestellte Mitarbeiter abbauen werde, allerdings "unter Wahrung der Vollbeschäftigungspraxis durch normalen Abgang und gleitenden Ruhestand". IBM Deutschland hat derzeit 31 000 Beschäftigte.

Die Anleger indes scheinen die Erklärungen der Corp. zu beruhigen, denn der im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung auf 96,75 Dollar pro Aktie abgesackte Kurs erholte sich wieder und wurde am Freitag vergangener Woche mit 100,50 Dollar notiert.

Trotzdem geht der blaue Riese offensichtlich schweren Zeiten entgegen. Für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres konnte er nur sehr bescheidene Ergebnisse vorlegen. Für den Gewinneinbruch machte IBM vor allem die bereits im ersten Quartal erfolgte einmalige Rückstellung von 2,26 Milliarden Dollar verantwortlich.

Jay Stevens, Analyst bei Dean Witter Reynolds Inc., erklärte gegenüber dem amerikanischen Wirtschaftsblatt, daß der starke Dollar die Einnahmen aus dem Auslandsgeschäft weiter drükken werde.

Die Kursentwicklung werde vor allem die Auswirkungen des verlangsamten Wachstums in Europa und Japan verstärken: "Das japanische Geschäft ist am Boden, und in Europa ist sicher die Talsohle noch nicht erreicht."

Insider rechnen im zweiten Halbjahr zwar mit einer Verbesserung der Ertragslage, gehen aber davon aus, daß die Armonker das Umsatzergebnis des vergangenen Jahres nicht erreichen dürften. Wendy Abramowitz, Analyst bei Argus Research, kommentiert: "Die Einnahmen des Gesamtjahres werden unter denen des Vorjahres liegen, aber im nächsten Quartal schneidet IBM besser ab als in diesem."

Auch Chairman Akers räumt ein, daß ein Umsatzwachstum in diesem Jahr nicht sehr wahrscheinlich ist. Damit würde Big Blue zum ersten Mal seit 1946 kein Wachstum zu verzeichnen haben.