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07.06.1991 - 

Midrange Computing: AIX und SAA im Vergleich

IBMs RISC-Crew überholt die AS/400 - Proprietären

Die Tatsache, daß mit dem RISC-basierten und damit offenen System RS/6000 und der proprietär angelegten, nicht offenen Maschine AS/400 nahezu gleichermaßen wettbewerbsfähige Systeme existieren, würde sich günstig auf die Wettbewerbssituation auswirken, wenn auch Dritte die richtigen Schritte unternähmen. Um zu ermöglichen, die Hardwaremängel der RS/6000 auszumerzen (was leichter sein wird als bei der AS/400), wende ich mich den Ähnlichkeiten der SAA-Welt und der AIX-Welt zu.

Hierzu fällt mir der alte, leicht abgewandelte Witz aus der Schulzeit bezüglich Aufsatzprüfungsthemen ein: "Definieren Sie die Softwarewelt und geben Sie zwei Beispiele dafür an." Um einmal schnell zu rekapitulieren: SAA (Systems Application Architecture) ist IBMs umfassendes Schema, um die kunterbunte Ansammlung von Software-Tools und Techniken mehr oder weniger zu vereinheitlichen, die derzeit in den verschiedenen Betriebssystemen der Großrechner (MVS und VM), Mittelklasse-Rechner (OS/400) und PCs (OS/2) verwendet werden. AIX (Advanced Interactive Executive) dagegen ist eigentlich Unix mit IBM-Etikett. Es bietet eine alternative Standardbasis für Softwaretechnologie, die die Entwicklung von Anwenderprogrammen fördert, die auf verschiedenen Betriebssystemen laufen. Versionen von AIX gibt es für IBM-Großanlagen und auch für PCs. Der Powerserver der RS/6000 nimmt, auf AIX bezogen, den Platz ein, den die AS/400 in der SAA-Welt für sich beansprucht.

Nur zwei Dutzend Personen verstehen OS/400 wirklich

Um Ihnen einen klaren Überblick über diese beiden Computerwelten zu geben, werde ich mich zunächst analogen Zusammenhängen zuwenden. Zum Beispiel sind die Wirtschaftssysteme der UdSSR und der USA ähnlich verschieden wie AIX und SAA, wobei SAA mehr die Hammer-und-Sichel-Seite vertritt und AIX eher für die USA steht.

Zugegeben, dieser Vergleich ist nicht darauf ausgelegt, mir beim nächsten Treffen mit Anwendern der Mittleren Datentechnik kostenlose Drinks einzubringen. So ist das Leben. Bewerten Sie zuerst alle Aspekte, und entscheiden Sie sich dann.

Auf die UdSSR und SAA bezogen, hat man es mit geschlossenen Systemen zu tun, im Falle USA und Unix/AIX geht es um offene Systeme. Die Entwicklung von SAA und dem zugehörigen Betriebssystem wird von

verschiedenen IBM-Hauptquartieren aus diktiert, was einer Zentralplanung gleichkommt. Für Systeme der Mittleren Datentechnik gilt Rochesters- = "Gosplan". Wie nach reinster leninistischer Lehre hat hier nur die "Spitze des Programmierertariats" Einfluß. Es gibt nämlich nicht mehr als zwei Dutzend Menschen auf der ganzen Welt, die OS/400 wirklich verstehen. Mindestens 20 von diesen arbeiten für IBM. Auf der anderen Seite gibt es vermutlich über 10 000, die umfassendes Wissen über Unix-Interna besitzen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für SAA ist die Art und Weise, wie drei Jahre nach der Ankündigung bezüglich nicht eingelöster Versprechungen verfahren wird, was sehr an die sowjetischen Fünfjahrespläne erinnert. Dort wird man auch immer wieder mit Versprechungen aus der Zentrale vertröstet.

Die volle SAA- und ANSI-SQL-Fähigkeit für die Datenbankverwaltungs-Systeme der AS/400 ist ein besonders gutes Beispiel hierfür. Vieles, was SAA verspricht, können Sie in äquivalenter Form für Unix/ AIX-Umgebungen aus dem Regal kaufen. Einmal anders ausgedrückt: Eine Marktwirtschaft lebt von Resultaten, nicht von Versprechungen.

Von dieser Tatsache sind natürlich einige gar nicht begeistert. Nachdem im Falle SAA so wenig Entscheidungsbefugte Einfluß nehmen, sollte man meinen, daß auf der SAA-Seite der Gleichung alles schneller ginge. Das ist jedoch, wie alle von uns wissen, die noch auf ausstehende SAA-Lieferungen warten, in der Praxis nicht der Fall.

Den Grund hierfür bezeichne ich mit Gehirn-Bandbreiten-Begrenzung. Wenn nur einige wenige über alle Belange einer großen Zahl von Anwendern entscheiden, dann kann ihre Entscheidung einfach nicht alle Details der Problematik umfassen, mit der die Anwender konfrontiert werden. Wenn jedoch die Obergrenze derer, die am Markt teilhaben, nicht begrenzt ist, dann kann jedes noch so differenzierte Problem in einer vorgegebenen Computerumgebung behandelt werden.

Viele Hände erleichtern die Arbeit an AIX/Unix

Diese Darstellung kommt den Vorgängen im Unix/AIX-Markt ziemlich nahe. Hier haben viele "legs", "arms", Tools, Dienstprogramme und andere Zusätze geschrieben. Vieles davon ist so häufig verwendet worden, daß es in das, was der Großteil das Standard-Unix-Paket nennt, mit aufgenommen wurde. Wenn Sie irgendeine Version des Unix-Betriebssystems kaufen, bekommen Sie nicht nur ein Betriebssystem, sondern zusätzlich auch mehrere "Bonbons" für Programmierer.

Ein weiteres Problem, das mit dem Vorstoß von "Gosplan" bezüglich Management von Computerumgebungen und ganzen Wirtschaftssystemen zusammenhängt, ist die Isolation in Zentren wie Moskau, Rochester und Minnesota, wo die Menschen, die dort ihren Beruf ausüben, geradezu zwangsläufig etwas engstirnig werden. Wenn sich eigentlich alle wichtigen Mitglieder des Entwicklungsteams an einem Ort befinden, ist schon eine gewisse Tendenz festzustellen, nur untereinander zu kommunizieren. Die Mitarbeiter von Unix haben viel mehr Gelegenheit, mit Anwendern Kontakt aufzunehmen, als das für Mitglieder des IBM-Entwicklungsteams möglich ist, und sie machen davon auch quer durch alle Ebenen der EDV-Welt Gebrauch. Unix hatte von jeher eine sehr dezentralisierte Entwicklungsorganisation, in der keine einzelne Gruppe über eine Monopolstellung verfügte, wie sie für IBM-Software-Büros typisch ist. AT&T vermarktete Unix sehr gut, indem es daraus ein für Institutionen, wie Schulen und Universitäten, sehr attraktives System machte. Jetzt, wo AT&T versucht, die Vorherrschaft von Unix durch Verbindungen mit Sun Microsystems und einer größeren Anzahl anderer Unternehmen wiederherzustellen, schließt sich der Rest der Unix-Welt (IBM eingeschlossen) zur Open Software Foundation (OSF) zusammen. Wenn überhaupt, wird es einige Zeit dauern, bis ein "Unix-Ministerium" entsteht, das mit dem "SAA-Ministerium" von IBM vergleichbar ist.

Nun gibt es auch das, was so mancher als Vorteile der Zentralplanung bezeichnen würde. Einer dieser "Vorteile" ist die Tatsache, daß es für jeden Vorgang immer nur eine Verfahrensweise gibt. Je nach persönlichem Standpunkt ist dies Fluch oder Segen. In der Sowjetunion gibt es für alle Normalbürger nur einen Autotyp. Bei SAA wird nur ein von IBM hergestelltes Datenbankverwaltungs-System für alle designierten strategischen Betriebssysteme verwendet.

Bezüglich der AS/400 ist die Frage der Auswahl gänzlich akademisch, da nur ein von IBM hergestelltes Datenbankverwaltungssystem existiert und es dazu keine Konkurrenzangebote Dritter gibt. Zur Programm-Editierung verwendet (fast) jeder SEU. Eine Kommandosprache? Ihre Auswahl besteht aus CL oder OCL. Sogar im Bereich Programmiersprachen, wo wirklich Auswahlmöglichkeiten existieren, ist RPG 9:1 Favorit.

Auf der Unix-Seite des Marktes gibt es gewöhnlich ein halbes Dutzend Möglichkeiten, bestimmte Vorgänge abzuwickeln. In puncto Datenbankverwaltung haben Sie zumindest drei gleichrangige und wahrscheinlich ein Dutzend untergeordnete Auswahlmöglichkeiten für Ihre Unix-Plattform. Auch werden Sie entscheiden müssen, ob Sie überhaupt ein Datenbankverwaltungs-System wollen, da Unix nur ein Dateisystem mitliefert.

Unix: Mindestens sechs Optionen

In anderen Bereichen sind ebenfalls noch Entscheidungen zu treffen, wenn auch auf einer anderen Grundlage. Die meisten Unix-Systeme werden zum Beispiel mit mindestens zwei Befehlsverarbeitungs-Systemen geliefert, und andere Firmen wären sehr erfreut, Sie für ganz andere Alternativen gewinnen zu können. Das gleiche gilt für Texteditoren und vieles andere, was eine Computerumgebung komfortabel macht.

Für einige mag das abschreckend sein. Wie wir heute in den seit kurzem freien Staaten Osteuropas beobachten können, kann Auswahl für diejenigen, die nicht daran gewöhnt sind, etwas abschreckend wirken. Genauso wie all die Seifen-, Shampoo-, Wasch- und Geschirrspülmittelmarken in einem westlichen Supermarkt einen Sowjetbürger verwirren, bringt die Fülle auf Unix basierender Software denjenigen durcheinander, der in der homogenen Welt der Mittleren Datentechnik von IBM groß geworden ist.

Dadurch, daß ich betone, welche Entscheidungen ein Unix-Anwender bezüglich seiner Konfiguration zu treffen hat, möchte ich nicht zum Ausdruck bringen, daß Benutzer mit SAA-Umgebung nicht entscheidungsfähig wären, sondern daß sie dies einfach nur nicht gewohnt sind. Einige umnachtete Seelen sind sogar auf die Idee gekommen, daß es für alles im Bereich Management-Informationssysteme nur eine Lösung geben sollte.

Im großen und ganzen ist SAA normativ und zentral verwaltet und zielt auf eine Minimierung der Auswahlmöglichkeiten ab. Ein weiterer Mangel von SAA ist, daß es in einer Art Aufholjagd konzipiert wurde. SAA verspricht keinerlei grundlegend neue Möglichkeiten. Es verspricht nur, bereits existierende Möglichkeiten von SAA-Betriebssystem-Umgebungen auf Bereiche zu übertragen, in denen diese noch nicht genutzt werden. Großrechner und Mittlere Datentechnik-Rechner werden mit PCs im Bereich Endbenutzer-Schnittstellen gleichziehen. Die AS/400 wird mit Großrechnern und PCs auf dem Gebiet Datenbank-Management-Systemfähigkeit gleichziehen. Im Bereich Multitasking-Operationen werden die PCs Großrechner und Mittlere Datentechnik-Rechner einholen.

Unix-Umgebungen weisen keine solchen Lücken auf. Während SAA-Benutzer auf der Stelle treten, suchen Unix-Benutzer schon nach Möglichkeiten für die Zukunft.

Alles in allem sehen die Zukunftsaussichten von SAA nicht sehr rosig aus. Meiner Meinung nach hat diese traditionelle Architektur keine Zukunft. SAA erinnerte mich an einen Zombie aus einem schlechten Horrorfilm. Ist es deshalb schon tot? Eigentlich nicht. Alles, was von SAA versprochen wurde, läuft in der Unix-AIX-Welt bereits. Die Verkäufer dieses Alternativ-Universums der Datenverarbeitung werden dies auch betonen, sobald die RS/6000 in größeren Mengen geliefert wird.

Da SAA bereits abgeschrieben ist, stellt sich nun die Frage, ob die AS/400 ebenfalls in Schwierigkeiten ist. Das wäre möglich, muß aber nicht zwangsläufig der Fall sein. Das Schicksal von IBMs Großrechnern der Mittleren Datentechnik und der kleineren Systeme wird nicht vom Scheitern von SAA als Strategie betroffen. Es gibt mehr als nur einen Weg, Systeme zu integrieren. Die Unix/ AIX-Strategen haben eine beträchtliche Anzahl von Möglichkeiten angeboten. Einige davon sind auf das schon totgeborene SAA übertragbar, andere wieder nicht. Fast alles, was Unix-AIX anbietet, ist einfach wesentlich pfiffiger, als das, was IBM via SAA offeriert.

Dadurch, daß SAA absolut keine Zukunft hat, ist es absehbar, daß gewisse signifikante Unix-Fähigkeiten langsam, aber sicher in IBMs geschlossene Systeme übergehen werden.

IBM selbst wird hier nicht sonderlich eingreifen, aber die Verkäufer von anderen Unternehmen haben guten Grund, die Sache etwas anders zu sehen. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen nicht um auf Unix fixierte Unternehmen. Bei den oben erwähnten Unternehmen handelt es sich um Firmen, die darauf abzielen, die neue RS/6000-Plattform über den bereits vorhandenen IBM-Kundenstamm zu etablieren. Diejenigen, die das größte Interesse daran haben, die Lücke zwischen Unix und SAA zu schließen, sind die Verkäufer von Drittfirmen. Sie beherrschen die AS/400, und sie haben seit die RS/6000 in den Marktbereich Mittlere Datentechnik eingedrungen ist - größtes Interesse daran, daß die Zukunft der AS/400 gesichert ist.

Mehr Leistung für die AS/400 wäre wichtig

Schon bald werden wir beobachten können, daß die geplanten SAA-Software- und Hardwareplattformen Leistungen erzielen, die vorher nur für Unix charakteristisch waren. Die Mitarbeiter von IBM in Rochester haben gerade damit begonnen, sich mit Dingen zu befassen, die die Unix-Programmierer längst ermöglicht haben. Etablierte Unternehmen im Bereich Mittlere Datentechnik, die sich mit einer neuen Wettbewerbssituation konfrontiert sehen, gehen dazu über, die gute alte Unix/ AIX-Technologie zu verwenden und sie auf die ihnen geläufigste Plattform zu installieren. Damit werden sie IBM in diesem Marktbereich schlagen. Die AS/400 wird weiterhin existieren. SAA wird sterben, und wir werden dann im großen und ganzen etwas glücklicher sein.

Dieses wünschenswerte Resultat kann nur unter der Bedingung prognostiziert werden, daß IBM alles Nötige veranlaßt, um die AS/400 im Rennen zu halten. Was Drittfirmen hierzu beitragen können, hängt ganz von der Entscheidungsfreudigkeit von IBM ab. Außerordentlich wichtig ist daher eine umfassende Leistungssteigerung der Hardware.

Die AS/400 wird von der RS/6000 hauptsächlich deswegen deklassiert, weil IBM Rochester immer noch der althergebrachten IBM-Ideologie nachhängt, immer nur das absolut Notwendigste zu tun, anstatt. die Möglichkeiten in der Produktentwicklung voll auszuschöpfen. Die leistungsschwache CPU und der sehr begrenzte Ein-Ausgabe-Bus der AS/400 sind keine Begrenzungen, die von der zu Grunde liegenden Technologie diktiert werden. Hier hat die IBM mit der Vorstellung der neuen D-Modelle Problembewußtsein bewiesen.

Die RS/6000 ist genau deswegen so revolutionär, weil sich das Entwicklungsteam in Austin vom traditionellen IBM-Konservatismus losgesagt hatte und so alle Hemmnisse bezüglich der Entwicklung aus dem Weg räumen konnte. Der Grund hierfür war, daß man wirklich keine andere Wahl hatte. Auch wenn man den mißlungenen RT-PC mit einbezieht, was die Industrie nicht tut, ist IBM im Marktbereich technische Arbeitsplatz-Gestaltung eher ein Nachzügler. Da IBM nun mit etablierten Konkurrenten wie Sun Microsystems (deren Ziel es ist, den Preis in einer Leistungsklasse jährlich um 50 Prozent zu reduzieren) konfrontiert wurde, war-IBM Austin praktisch gezwungen, einen Renner zu konzipieren, der im Preis und in der Leistungsfähigkeit revolutionär ist. IBM Austin mußte den Verkauf sogar schon vor Abschluß der Entwicklung ankurbeln. Die Konkurrenz konnte praktisch nur däumchendrehend zusehen, wie IBM den Markt aufrollte.

Sollte sich IBM Rochester ähnlich verhalten und seine traditionellen Gewohnheiten ablegen, wird auch die Technologie mitgeliefert werden, zu deren Entwicklung IBM Rochester durchaus in der Lage ist, und davon werden wir alle profitieren. Die große Frage dabei ist nur, ob der Markt eine längere Zeitspanne, in der Trägheit und Engstirnigkeit vorherrschten, verzeihen wird. In einem Jahr werden wir die Antwort darauf kennen, sei sie nun positiv oder negativ.

Ein Nebeneffekt der IBM-Philosophie "Gut genug, aber nicht das Beste" ist der, daß es gewisse Tabubereiche gibt, die nicht angetastet werden dürfen, wie es bezüglich Rochesters Mittlere Datentechnik-Plattformen der Fall war. Die Vorstellung, daß die zentral planenden Bürokraten besser wissen, was sie brauchen, führte zu geschlossenen Architekturen und zu schwachen Maschinen.

Unglücklicherweise entwickelt sich die Situation in Rochester in diesem Punkt eher negativ. Als die S/38 eingeführt wurde, war zwar ihr Mikrocode heilig, doch der Mi-Befehlssatz war zugänglich. Mit der AS/400 ging Rochester noch einen Schritt weiter und verhinderte - zumindest offiziell - jeglichen Zugang zu Mi-level-Tools. Die Antwort für besonders Hartnäckige war die Sicherheitsstufe 40, die viele nützliche (und nicht allzu gefährliche) Zugänge zu Mi-Funktionen verwehrt.

Gute Programmierer wie Terroristen behandelt

Anstatt kompetente Programmierer wie Terroristen zu behandeln, täte IBM gut daran, mehr Einsicht und Kompetenz zu beweisen. Als Konzept biete ich Folgendes an.

Im Marketing-Bereich hat IBM ein System geschaffen, das Business Partners genannt wird und zur Bewältigung besonders schwieriger Aufgaben dient. Dabei gibt es verschiedene Arten von Geschäftspartnern und verschiedene Stufen der Zusammenarbeit mit IBM im Marketing- und im Verkaufsbereich. Warum sollte man mit Entwicklern, die meist in denselben Firmen arbeiten, nicht eine ähnliche Geschäftsbeziehung aufbauen? Nennen wir sie doch Technology Partners.

Die unterste Ebene von Technology Partners könnte man mit Maximizern bezeichnen. Maximizer müßten zu allen Programmierebenen auf dem Mi-level Zugang haben und könnten den Anwendungsbereich der AS/400 maximieren.

Die nächsthöhere Ebene von Technology Partners könnte man Interfacer nennen. Interfacer könnten mit IBM bei der Entwicklung neuer geordneter Mi-level-Interfaces für Teile des AS/400-Funktionsspektrums zusammenarbeiten, die derzeit noch absolut unzugänglich sind.

Die höchste Ebene von Technology Partners könnte man Extender nennen. Extender müßten Zugang zu vertikalen Mikrocode-Tools und Spezifikationen des Ein-Ausgabe-Busses der AS/400-Architektur haben. Hardware-Extender könnten neue Maschinen integrieren, Software-Extender könnten neue Objekttypen für die AS/400 definieren und neue Applikationen aufsetzen.

Kein Vertrauen in IBMs Kommando-Wirtschaft

IBM könnte als Schiedsrichter für alle Extender-Organisationen fungieren, um sicherzustellen, daß deren Arbeit sich nicht mit der eigenen oder der anderer Extender überschneidet. Mit der oben beschriebenen Organisation von Technology Partners wäre es möglich, von guten Ideen Dritter zu profitieren und gleichzeitig eine standardisierte Umgebung für Endbenutzer beizubehalten.

Ich kann natürlich nicht beweisen, daß ein solches System mehr Erfolg als die dezentralisierte Unix/AIX-Welt verzeichnen würde. Ich bin aber überzeugt, daß man damit bessere Resultate erzielen könnte, als wenn man weiter Vertrauen in die Kommando-Wirtschaft Marke IBM Rochester setzt. Die Ergebnisse der althergebrachten Arbeitsweise sind dürftig genug.

IBM-Systemfamilien werden sich angleichen

Wenn IBM davon überzeugt werden kann, mit der Zeit zu gehen, dann sind die Zukunftsaussichten im Bereich Mittlere Datentechnik eigentlich durchaus zufriedenstellend. Sie können sich schon auf viele Neuerungen freuen, wenn Sie ihre Unix/AIX-Umgebung etwas erweitert haben. Auch wenn dies nicht der Fall ist, werden Sie ebenfalls Gefallen daran finden. Diese Neuerungen werden auf der gleichen Hardware laufen, die Sie gewöhnt sind, nur eben schneller. Sie werden neue Tools in der gleichen Betriebssystem-Umgebung verwenden können, die Sie bereits kennen. Auch werden sich alle IBM-Systemfamilien vom Design her

je nach Verwendungszweck mehr und mehr gleichen. IBM kann sich diesen Neuerungen gegenüber aufgeschlossen zeigen oder sich der weiteren Entwicklung verschließen, den Fortschritt wird man auf lange Sicht hin nicht aufhalten können.