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29.04.1988 - 

Während Nixdorf sich im Inland um 16 Prozent verbesserte:

IBMs Roßkur hat noch nicht angeschlagen

HERRENBERG/MÜNCHEN (ujf) - Das deutsche IBM-Management bleibt unter Druck. Denn was In der Konzernbilanz der US-Mutter wie eine leichte Steigerung des Geschäftsvolumens wirkt, entpuppt sich ohne Dollar-bedingte Kosmetik als fortgesetzter Umsatzrückgang; auch das Betriebsergebnis sank. Bei der Nixdorf AG hingegen stiegen die wichtigsten Kennzahlen zweistellig.

Auf ein "Jahr der Abschwächung und Enttäuschung" folgte ein "Jahr des Umbruchs und der intensiven Vorbereitung auf neues Wachstum". Mit letzterer Formulierung versuchte die Geschäftsleitung der IBM Deutschland GmbH bei der Bilanzpressekonferenz in der konzerneigenen DV-Schule Herrenberg einen für sie wenig erfreulichen Umstand zu umschreiben: daß sie zum zweitenmal hintereinander das Klassenziel nicht erreicht hat. Denn mit dem Umsatz und dem Betriebsergebnis ging es 1987 weiter bergab.

Die US-Mutter hatte zwar das "Jahr des Kunden" ausgerufen, doch trotz der Entsendung aller abkömmlichen Innendienst-Mitarbeiter an die Verkaufsfront vermochten die Stuttgarter den Preisverfall nicht über größere Stückzahlen auszugleichen. Währungsbedingte Preisnachlässe seien mit "mehreren hundert Millionen Mark" zu Buche geschlagen, entschuldigte Hans-Olaf Henkel, Vorsitzender der Geschäftsleitung, den von 12,02 auf 11,55 Milliarden Mark geschrumpften Konzernumsatz.

Außerdem kämen im Geschäft mit den Systemhäusern immer mehr japanische Anbieter seiner Verkaufstruppe in die Quere, klagte der Chef der deutschen IBM. Andere große Wettbewerber hätten solche Probleme nicht, da es zu ihren Produkten keine kompatiblen Alternativen gebe. Das Eingeständnis, daß die PCM-Firmen dem Marktführer durchaus zu schaffen machen, verband Henkel mit dem Hinweis, Kunden solcher Anbieter könnten nicht die Performance-Vorteile der neuen Betriebssystemversion MVS/ESA nutzen. Auf Comparex angesprochen, setzte Vertriebschef Bernhard Dorn noch eins drauf und mutmaßte, mancher Anwender softwarekompatibler Rechner werde nun von seinen Lieferanten "Ausgleichszahlungen" einfordern.

Die IBM-Geschäftsführung sieht noch einen weiteren wesentlichen Faktor, der zu Mindereinnahmen geführt habe, allerdings einen bewußt einkalkulierten: das in der letzten Zeit forcierte Leasing. So wurden Geräte im Einstandswert von 332 Millionen Mark als Anlagevermögen in die Bilanz aufgenommen; diese Investitionen amortisieren sich freilich erst im Verlauf der mehrjährigen Leasingverträge mit den Anwendern. Allerdings hat Leasing für IBM zwei gewichtige Vorteile: Erstens ergibt sich - wie einst beim Mietgeschäft - mehr Kontinuität auf der Einnahmeseite, und zweitens streicht der Konzern die Prozente selbst ein, von denen sonst die fremde Leasinggesellschaft lebt.

Im Inlandsgeschäft sanken die Einnahmen der mittlerweile nur noch zweitgrößten Big-Blue-Tochter um 3,4 Prozent auf knapp 7 Milliarden Mark und damit auf das Niveau von 1984. Die Lieferungen an die europäischen Schwestergesellschaften entwickelten sich noch schlechter: Rund 4,6 Milliarden Mark Exportumsatz bedeuten gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 4,7 Prozent. Den gravierendsten Einbruch verzeichnete IBM indes im Inlands-Verkaufsumsatz, der ungefähr mit dem

Hardwareumsatz identisch ist. Trotz einer um neun Prozent erhöhten Zahl an. "Produktinstallationen" erlöste Big Blue um 11,3 Prozent weniger mit dem "Blech", nämlich 3,73 Milliarden Mark.

Einen Teil der Mindereinnahmen konnten die Stuttgarter mit "Dienstleistungen" ausgleichen, der einzigen Sparte, die 1987 nicht unter Schrumpfungserscheinungen zu leiden hatte. Hier stieg der Umsatz um 10,3 (im Vorjahr noch 12,5) Prozent auf 2,7 Milliarden Mark. Wie sich diese Summe auf die Bereiche Software und Wartung verteilt, bleibt das Geheimnis von Hans-Olaf Henkel und seinen Mitstreitern: Anders als die amerikanische Konzernmutter, die detaillierte Angaben im Geschäftsbericht macht, mauert die deutsche IBM bei diesem Thema. Auch die Anteile der Mainframes und der kleineren Rechner am Hardwareumsatz behandelt die GmbH als Verschlußsache.

Weil neben der schwierigen Marktsituation auch die Umstrukturierung des Unternehmens in Richtung Vertrieb auf den Ertrag schlug, verschlechterte sich das Betriebsergebnis der deutschen IBM um 7,5 Prozent auf 916 Millionen Mark. Daß dennoch der Jahresüberschuß höher ist als im Vorjahr (545,4 nach 517,7 Millionen Mark), hat mit dem Computerverkauf nichts zu tun. So stiegen die Zinseinnahmen um 44,3 auf 148,4 Millionen Mark, während die Steuerbelastung auf 509,6 (minus 57,6) Millionen Mark sank. Der Muttergesellschaft in Armonk wurden als Dividende 400 (Vorjahr: 712) Millionen Mark überwiesen.

Sichtlich besser als der deutschen IBM erging es dem Paderborner Systemanbieter Nixdorf: Er expandierte auch 1987. Während die Dependance des amerikanischen DV-Riesen sich bemühte, durch Frühpensionierung und Umschulungen personelle Überhänge abzubauen, heuerten die Westfalen kräftig neue Mitarbeiter an. In der Bundesrepublik arbeiteten Ende 1987 mit 19424 Beschäftigten rund 13 Prozent mehr Menschen für Nixdorf als ein Jahr zuvor (siehe Tabelle). Im Ausland erhöhte die Aktiengesellschaft ihren Personalstand um 19 Prozent.

Im Geschäftsbericht für 1987, der vorige Woche in Frankfurt präsentiert wurde, weist die Nixdorf Computer AG einen um 13 Prozent auf 5,07 Milliarden Mark angewachsenen Konzernumsatz aus. Auf das Inlandsgeschäft - zu vergleichen mit 6,96 Milliarden Mark bei IBM - entfielen 2,74 Milliarden Mark, was einer Steigerung um 16 Prozent gegenüber 1986 entspricht. Im Exportgeschäft entwickelte Nixdorf allerdings weitaus weniger Dynamik, denn die Deutsche Mark ist derzeit teuer. Mit 2,33 Milliarden Mark kamen aus dem Ausland um neun Prozent mehr Einnahmen als im Vorjahr.

Der Jahresüberschuß im Konzern stieg um 19 Prozent auf 264,2 (222,4) Millionen Mark, so daß sich eine Rendite von 5,2 (4,9) Prozent errechnet. Diese Zahlen sind allerdings ebensowenig mit denen der IBM Deutschland GmbH vergleichbar wie die der Nixdorf-US-Tochter mit denen der IBM Corp.: Letztendlich konsolidiert Nixdorf in der Bundesrepublik, Big Blue in den USA.