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06.08.1999 - 

Konkurrenten sehen es gelassen

IBMs Shark-Speicher sollen EMC das Fürchten lehren

MÜNCHEN (CW) - Mit neuen, selbstentwickelten Enterprise Storage Servern (ESS) versucht IBM erneut, im Massenspeichermarkt Fuß zu fassen. Insbesondere EMC sollen Marktanteile abgenommen werden. Doch die unter dem Codenamen "Shark" angekündigten ESS-Maschinen versprechen mehr, als sie dem Anwender bieten können.

Die Shark-Speicher sollen die "Ramac"-Massenspeicher-systeme ablösen. Big Blue hatte unter dem Namen "Ramac Virtual Array" die Produkte von Storage Technology als OEM vertrieben. Die dreijährige Vertriebspartnerschaft zwischen IBM und Storagetek läuft nun Ende 2000 aus. Möglicherweise wegen verschiedentlich aufgetretener technologischer Probleme bei der Fertigung, die zu Auslieferschwierigkeiten führten, hat sich IBM entschieden, wieder selbst mit eigenen Produkten im Speichersystemmarkt mitzumischen.

Dessen weltweites Gesamtvolumen schätzen Experten wie die Analystin Laura Conigliaro von Goldman Sachs & Co. auf 13 bis 15 Milliarden Dollar. IBM allein könnte mit seinen Speichersystemen im kommenden Jahr rund 600 bis 700 Millionen Dollar Umsatz erwirtschaften. Spitzenreiter im Hochleistungs-Speichermarkt ist EMC mit einem Marktanteil von rund 35 Prozent gegenüber 22 von IBM.

Die Marktforscher von Forrester Research glauben zudem, daß der Bedarf an Speicherkapazität in naher Zukunft erheblich steigen wird. Insbesondere bei Firmen, die ihre Geschäfte vermehrt über das World Wide Web abwickeln, werde sich die Nachfrage nach Massenspeichersystemen in den kommenden zwei Jahren mindestens verzehnfachen.

Das Ende der Storagetek-IBM-Allianz dürfte für den kleinen Partner ein herber Schlag sein. Immerhin erwirtschaftet Big Blue durch seine OEM-Verkäufe für den Hersteller aus Louisville, Colorado, 15 Prozent von dessen Gesamtumsatz.

Da das Ende der Vertriebskooperation abzusehen war, reagierte Storagetek prompt. Das Unternehmen bietet seit April 1999 unter eigenem Namen und unabhängig vom mit IBM geschlossenen Abkommen die Speichersysteme "9393 Shared Virtual Array" an. Die mit den Maschinen ausgelieferte Speicheradministrations-Software und die von Storagetek entwickelte Storage-Area-Network-(SAN-)Verbindungstechnologie stellt der Hersteller Big Blue schon nicht mehr zur Verfügung.

Auf die Shark-Produktankündigung reagierte Storagetek nicht ganz überraschend mit Kritik. IBM zwinge die Kundenbasis, auf eine veraltete Speichertechnologie zurückzuwechseln, sagte Roger Archibald, General Manager bei Storagetek.

Hintergrund der Schmähung ist ein konkretes Ärgernis: Auf Shark-Speichern wird die sogenannte Virtual-Disk-Option laut IBM erst im ersten Quartal des kommenden Jahres angeboten.

Für Ramac-Systeme gehört sie schon längst zum normalen Lieferumfang. Mit der Virtual-Storage-Technologie ist es Anwendern möglich, die Daten im Fall eines Systemabsturzes wieder zu rekonstruieren, ohne diese erst sämtlich zu spiegeln. Diese Technologie wird von Anwendern sehr geschätzt. So sehr, daß das Marktforschungsinstitut IDC sagt, Systeme mit dieser Funktion könnten allein rund 27 Prozent aller Umsätze im Massenspeichermarkt abschöpfen.

Die noch fehlende Unterstützung der Virtual-Storage-Technologie ist nicht das einzige Handicap der Enterprise Storage Server. So bindet IBM die Shark-Speicher zwar über Fibre Channel (FC) an Server an - FC hat sich in der Industrie als die Verbindungstechnologie der Wahl durchgesetzt; während aber Konkurrent EMC seine "Symmetrix"-Speicher direkt an Host-Rechner koppelt, benötigen Anwender mit IBMs ESS-Systemen eine gesonderte FC-Box. Damit sind höhere Kosten und eine gewisse Leistungseinbuße verbunden.

Außerdem ruht im Gegensatz zu EMCs Symmetrix-Maschinen die Administrationssoftware der Shark-Speicher nicht auf den Datensilos selbst, sondern auf den Host-Rechnern, was zu einem unnötigen Abhängigkeitsverhältnis zwischen Servern und Speichersystemen führt.

Zudem seien EMCs Software-Tools bezüglich ihrer Funktionalität denen von IBM um Längen voraus, sagen Experten. Diese Tatsache überrascht insofern nicht, als EMC schon seit Jahren die Entwicklung von Softwareprodukten rund um Massenspeichersysteme als lohnendes Zusatzgeschäft abseits der reinen Hardware erkannt hat. 1999 wird das Unternehmen rund 700 Millionen Dollar mit diesem Produktspektrum erwirtschaften - also genausoviel, wie IBM nach Goldman-Sachs-Berechnungen insgesamt mit seiner ESS-Familie an Umsatz erzielen könnte.

EMC-Sprecher Mark Fredrickson meinte denn auch anläßlich der Shark-Ankündigung gelassen: "IBMs Produkt scheint bezüglich der Hardware unserem System unterlegen zu sein. In puncto Software kommt Shark nicht einmal annähernd an uns heran."

Die Shark-Systeme basieren auf IBMs Versatile Storage Server (VSS), der 1998 unter dem Codenamen "Tarpon" vorgestellt wurde und auf Big Blues "Seascape"-Architektur fußt. Die Tarpon-Systeme unterstützten noch keine Anbindung an IBMs S/390-Mainframe-Welt. Diesem Mangel hat Big Blue nun mit den neuen ESS-Systemen abgeholfen.

Shark-Speicher können zwischen 420 Gigabyte (GB) und 11 Terabyte (TB) an Daten aufnehmen. Auch diese Angabe sollten Anwender kritisch sehen. Die maximale Ausstattung mit 11 TB übertrifft zwar das Speichervermögen von EMCs Symmetrix-Datensilos. Um die Shark-Speicher aber auf die höchstmögliche Kapazität auszubauen, bedarf es zusätzlicher Schränke, die entsprechend Platz benötigen. Unter gleichen Voraussetzungen ließen sich die EMC-Speicher auf 19 TB erweitern.

IBM sagt, mit Shark sei eine Homogenisierung der Unternehmensdatenhaltung realisierbar, weil die Massenspeicher neben der MVS-Mainframe- auch die Unix- und NT-Welt einbinden können. An Shark ließen sich Server unterschiedlicher Hersteller mit verschiedenen Betriebssystemen wie von Hewlett-Packard (HP-UX), Sun Microsystems (Solaris) und natürlich IBMs eigene RS/6000-Welt unter AIX sowie von diversen Anbietern Intel-basierter Maschinen unter Windows NT anschließen.

Das System, das der "Seascape"-Speicherarchitektur entspringt, basiert auf der AIX-RS/6000-Plattform. Das modular erweiterbare Shark-System kann mit maximal zwei Vier-Prozessor-Modulen bestückt werden. Innerhalb des Systems nutzt IBM seine Serial Storage Architecture (SSA) anstelle von Fibre Channel (FC). Letztere allerdings ist die Technologie der Wahl bei der Anbindung von Shark an DV-Komponenten wie Server. Big Blue nutzt als Verbindung Escon, Ficon und SCSI. Das Unternehmen behauptet, momentan sei der Datendurchsatz mit Shark rund 25 Prozent schneller als bei vergleichbaren Konkurrenzmodellen.

Große Hoffnungen setzt Big Blue auch in seine mit Shark ge- lieferte "Flash-Copy"-Software. Sie ermöglicht es Anwendern, Datensätze im Fall eines Systemabsturzes innerhalb von zwei Sekunden zu duplizieren. Allerdings wird diese Funktion erst Ende 1999 zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu EMCs "Timefinder"-Software benötige das Flash-Copy-Tool keinen physikalisch vorhandenen und vorher definierten Speicherplatz auf dem Datenträger.

Bei Flash-Copy werden die Daten im Cache-Speicher vorgehalten. Damit die Flash-Copy-Funktion sinnvoll benutzt werden kann, muß der Cache ausreichend groß sein. Das steigert wiederum die Kosten für die Speichersysteme. Außerdem erhöht die Zwischenlagerung der Daten im Cache auch den Verwaltungsaufwand (Overhead).

Weiterer Wermutstropfen der Shark-Systeme: Flash-Copy sowie die ebenfalls mit den Shark-Systemen angebotene "Peer-to-peer-Remote-Copy"-Funktion gibt es für AS/400-Anwender nicht.

Software treibt Kosten in die Höhe

Ein Diskussionspunkt ist auch der Preis für Shark: Für Deutschland steht er noch nicht fest. Der Listenpreis für ein System mit Plattenkapazitäten von einem halben Terabyte soll aber bei ungefähr 231 000 Dollar oder 0,55 Dollar pro Megabyte liegen. Mit der Speicherkapazität, das heißt indirekt auch mit der Größe der benutzten Festplatten (bis zu 18,2 GB pro Festplatte), sinken die Kosten zwar. Will der Anwender aber Charakteristika wie Hochverfügbarkeit, Remote Copy, Partitionierung oder die Flash-Copy-Datenduplikation nutzen, muß er tief in die Tasche greifen. Experten schätzen, daß dann 1 MB bis zu einem Dollar kostet.

Ganz verschämt hat IBM neben Shark auch eine Ramac-Aufrüstung vorgestellt. Das neue System "Model X83" besitzt doppelt soviel Speicherplatz wie das bisherige "Model X82". Allerdings können X82-Benutzer ihre Speichersysteme nicht auf das neue Modell hochrüsten, weil IBM intern jetzt wie bei den Shark-Speichern SSA-Konnektoren benutzt.

Abb: Das Shark-Array läßt sich über Fibre-Channel-, SCSI- oder Escon-Schnittstellen an unterschiedliche Server anbinden. Quelle: IBM