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31.05.1985

IBMs38 oder das verflixte siebente Jahr

Seit ihrer Ankündigung im Herbst 1978 war die IBM-Datenbankmaschine System /38 des öfteren Diskussionsgegenstand in der COMPUTERWOCHE, zuletzt vor zwei Wochen, als wir schrieben, die Ablösung einer 43XX durch eine /38 sei uns nicht bekannt. Wir wurden eines Besseren belehrt (siehe nebenstehenden Leserbrief). Ist die CW schlecht informiert?

Ja und nein. Wir haben Kontakt mit einem "Umsteiger", doch unser Mann will sein Inkognito unbedingt gewahrt wissen. Wir kommen noch darauf zurück. Das heißt doch, daß eine Fachzeitung, die Öffentlichkeit herstellt, gehandikapt ist, was gewisse Insider-Informationen betrifft. Bleiben wir bei zugänglichen Fakten: In der Bundesrepublik waren laut Diebold nach dem Stand vom 1. 1. 1985 an die 1400 Systeme /38 installiert, gegenüber rund 3000 Systemen 4331/4341. Kein so schlechtes Ergebnis für die Schrägstrichmaschine, die ja bei den IBM-Marketiers bekanntlich nicht sonderlich beliebt ist. Auch darauf kommen wir noch zurück. Bemerkenswert die Tendenz: rückläufig bei den kleinen 43XX-Modellen, mit positivem Vorzeichen bei der /38 - und das im siebenten Jahr.

Blättern wir im CW-Archiv: "Die herkömmlichen DV-Systeme . . . sind komplex und schwer kontrollierbar. Hauptschwäche: die mangelnde Transparenz der DV-Organisation." Das schrieben wir in der CW vom 15. Dezember 1978 unter dem Titel "Zu neuen Ufern" . Und weiter hieß es da: "Im Gegensatz zu früher sind die eigentlichen DV-Nutzer nicht mehr bereit, sich dem Know-how-Diktat der RZ-Spezialisten zu unterwerfen. Sie fordern benutzerfreundliche DV-Systeme, Systeme, die sich einfach einsetzen lassen. Deshalb kommt der Verbesserung der Datenzugriffsmöglichkeiten eine zentrale Bedeutung zu." Damaliges Fazit: "Beim IBMSystem /38 ist dieser Weg vorgezeichnet - das macht das Konzept so zukunftsträchtig."

-Das war nicht aus der Sicht des DV-Fachmannes notiert, sondern aus dem Blickwinkel derjenigen, die Datenverarbeitung im Unternehmen nutzen und bezahlen: der Topmanager und Fachbereichsleiter. Eine schiefe Optik? Das Ergebnis schien uns zu widerlegen. Denn die 43XX-Welt ist immer komplizierter geworden. Genauer: Die DV-Spezialisten haben sie komplizierter gemacht. Eine der Besonderheiten liegt darin, daß diejenigen, die eine konventionell strukturierte DV-Abteilung betreiben, sich selbst als "Bewahrer" bezeichnen und ihr Programm "Evolution", übrigens in völliger Übereinstimmung mit IBM.

Es bringt nichts, sich darüber aufzuregen. Merke: Idealismus ohne Einfühlungsvermögen ist gefährlich. Einfühlungsvermögen? Nun, man muß akzeptieren, daß sich die DV-Spezialisten nicht selbst wegorganisieren können. Bei einer /38-Installation kommt man sicher mit weniger DV-Personall aus. Doch freiwillig wild keiner zurücktreten, den die IBM stütz. Die Rechnung des Marktführers ist bisher aufgegangen: Der (Aus-)Nutzungsgrad der Melkkuh Anwender wächst mit zunehmendem DV-Parkinson. Die DV-Experten dürfen aufatmen.

Doch wir schreiben das verflixte siebente Jahr der /38-Geschichte. Aus einer Stellenanzeige (siehe Meinungen): "Wir wissen, daß die Effektivität der DV-Abteilung unsere Wettbewerbsstärke maßgeblich beeinflußt. Darum werden wir unser System IBM 4331 durch einen Datenbankcomputer ablösen." Heutiges Fazit: Die DV-Spezialisten müssen aufpassen. Die Wirtschaftlichkeit traditioneller Datenverarbeitung ist in Frage gestellt - aus der Sicht derer, die das alles bezahlen müssen.