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24.11.2000 - 

Nur zwei zusätzliche Domains für Firmen

Icann lässt sieben neue Top-Level-Domains zu

MÜNCHEN (CW) - Zum ersten Mal in der Geschichte des Internet wird das Domain-Name-System (DNS) um neue Top-Level-Domains (TLDs) erweitert. Sieben zusätzliche TLDs können ab dem kommenden Jahr registriert werden: .biz allgemein für Firmen, .aero für die Reisebranche, .name für private Homepages sowie die speziellen Domains .museum, .coop, .info und .pro.

Obwohl die Internet-Verwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) ihre Favoriten in einem vorab veröffentlichten Bericht bereits angedeutet hatte, war die endgültige Entscheidung mit Spannung erwartet worden. Ein paar Überraschungen waren dann auch dabei. So akzeptierten die Icann-Vertreter in der mit 28 Bewerbungen größten Kategorie "allgemeine Domains" zwar wie erwartet die TLD auf die Endung .biz - die Endung .web fiel dagegen heraus. Auch die Wahl des Kürzels .pro für bestimmte Berufsgruppen - etwa Ärzte und Anwälte - dürfte für Erstaunen gesorgt haben.

Um .web hatte sich unter anderem das Afilias-Konsortium beworben, dem neben dem Provider 1&1 Internet, Montabaur, auch die Düsseldorfer Firma Epag, das Council of Registrars (Core), der ehemalige Monopolist für die Vergabe von TLDs, Network Solutions Inc. (NSI), sowie 15 weitere Registrare angehören. Dafür erhielt das Gremium den Zuschlag für das ebenfalls favorisierte .info (Informationsanbieter).

Gleich zwei "Gewinner" gab es in der Domain-Kategorie "Special-Purpose TLDs": Die Endungen .coop (für Genossenschaften) und .museum konnten sich hier gegenüber .union (Gewerkschaften), .air (Fluglinien) und .health (Gesundheitswesen) behaupten. Die Domains der Kategorie "New Services" für Anbieter neuer Serviceleistungen - etwa Voice-over-IP - blieben wie vermutet außen vor. Die Anträge für die Endungen .tel und .one waren bei der International Communication Union (ITU) auf Widerstand gestoßen. Und bei Nokias Kürzel "mobile" konnte die Icann kein klares Konzept erkennen. Aber auch die Domain-Endung .geo für geografische Websites, der Insider sehr gute Chanchen ausgerechnet hatten, überlebte die Endrunde nicht.

Die Entscheidung, nur zwei Domains für kommerzielle Websites - .biz und .aero - für die Registrierung zuzulassen, löste unter Wirtschaftsvertretern Unverständnis aus. So hält Harald Summa vom Electronic Commerce Forum (Eco) eine zusätzliche allgemeine Domain für nicht ausreichend. Seiner Ansicht nach wird sich durch .biz nicht sonderlich viel ändern. Ihm leuchte auch nicht ein, warum lediglich die Tourismusbranche eine eigene Domain erhalte, während sich andere Marktsegmente die allgemeinen .com- und .biz-Adressen teilen müssten. Die Wahl der .name-Domain in der Unterkategorie "persönliche TLDs" für private Homepages begrüßte Summa dagegen.

Den Vorschlägen in der Kategorie "eingeschränkte TLDs" hatten die Icann-Vertreter schon vor ihrer dreitägigen Konferenz im kalifornischen Marina del Rey eine Absage erteilt. Die Reservierung einer Website rein für Kinder mit der Endung .kids gilt zwar gemeinhin als lobenswert. Jedoch sei die Umsetzung solcher Angebote schwierig, da private Firmen nicht beurteilen könnten, welcher Content für welche Altersgruppen angemessen sei. Die Endung .xxx für Homepages mit Inhalten "nur für Erwachsene" stieß ebenfalls auf Ablehnung.

Die Auswahl der neuen TLDs erfolgte laut Icann in erster Linie nach finanziellen und technischen Gesichtspunkten - etwa einem realistischen Geschäftsplan und der technischen Erfahrung des Bewerbers. Nach den Worten der scheidenden Icann-Vorsitzenden Esther Dyson bedeutet die jetzige Entscheidung aber nicht, dass die unberücksichtigten Vorschläge für immer verspielt hätten. Die aktuelle Erweiterung des DNS sei erst der Anfang - ob und wann eine neue Runde eingeläutet werden soll, teilte sie jedoch nicht mit. Der zu ihrem Nachfolger gewählte Vint Cerf wies zudem darauf hin, dass die Verträge mit den ausgesuchten Bewerbern noch nicht ausgehandelt seien. Es könne sich immer noch etwas ändern.

Um das knappe Angebot an allgemeinen Internet-Adressen mit den Endungen .com, .net und .org zu vergrößern, konnten sich Unternehmen und Organisationen bis zum 2. Oktober um die Einrichtung einer neuen TLD bewerben. 44 Anträge waren bis zum Ablauf der Frist bei der Icann eingegangen. Für Zündstoff sorgte die Bewerbungsgebühr von 50000 Dollar, die jeder Antragsteller an die Icann zu entrichten hatte. Kritiker sahen darin vor allem die Gefahr, dass karitative Organisationen von vorneherein ausgeschlossen würden. Die Icann rechtfertigt die Höhe der Gebühr mit den enormen Kosten, die ihr durch die im Vorfeld in Anspruch genommene Rechtsberatung entstanden seien. Diese sei notwendig gewesen, um sich gegen die nach der Entscheidung der neuen TLDs zu erwartenden Prozesse abzusichern.

Auch das Prüfverfahren in Marina del Rey ist unter Beschuss geraten. Das abgelehnte Dot.nom-Konsortium etwa wirft der Icann vor, den Bewerbern keinerlei Möglichkeit zur Richtigstellung gegeben zu haben. Außerdem sei es eine Zumutung, einen 100-seitigen Bericht, der eine Menge Zeit und Geld gekostet habe, in drei Minuten vorstellen zu müssen. Ebenfalls umstritten ist, wie die neuen Kürzel kontrolliert und wessen Interessen dabei repräsentiert werden sollen. So sieht Andy Müller-Maguhn, der neue Vertreter der europäischen Online-Gemeinde, die Tendenz, dass die Icann "nur kommerzielle Interessen bei der Erweiterung des Internet-Namensraumes berücksichtigt und die Nutzer vergisst". Für Unmut sorgte zudem, dass die im Rahmen der globalen Internet-Wahl ernannten Icann-Direktoren erst nach der Wahl der neuen TLDs ihr Amt antreten und damit nicht an der Entscheidung mitwirken konnten.

Domains für AsienAbgesehen von den neuen TLDs soll es künftig auch möglich sein, Domains mit chinesischen, koreanischen und japanischen Schriftzeichen zu registrieren. Bisher waren nur lateinische Buchstaben und arabische Ziffern zugelassen. Im Rahmen einer Vorregistrierung Ende Oktober waren allein in China innerhalb von drei Tagen rund 50000 Anträge eingegangen. Kritiker halten die Ausgabe der entsprechenden Adressen allerdings für verfrüht, da es noch keine technischen Standards für die neuen Zeichen gebe. Die Firma Verisign, die mit der Vergabe der asiatischen Adressen beauftragt ist, hält dagegen, es handle sich momentan lediglich um eine Testregistrierung - die Domains seien nur vorläufiger Natur.