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19.04.2002 - 

Maurizio Carli, IBMs Softwarechef in Europa, beobachtet ein großes Interesse an Unternehmensportalen

"Ich habe keine Angst vor SAPs Middleware"

Maurizio Carli, Vice President IBM Software Group für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (Emea), sieht sein Unternehmen im Datenbankgeschäft auf der Überholspur. Auch im Middleware-Markt sei Big Blue gut genug positioniert, um neuen Herausforderern wie SAP Paroli bieten zu können.

CW: Das Datenbankgeschäft bei Oracle läuft schlecht. Wie stellt sich der Datenbankmarkt aus Ihrer Sicht dar?

CARLI: Der Markt wächst nicht mehr so stark wie früher. Wir gehen von einem Anstieg in der Größenordnung von fünf bis sechs Prozent aus. Aber IBM ist in den letzten 19 Monaten immer stärker gewachsen als der Markt - und es ist unser Ziel, dass das auch so bleibt. Im Jahr 2000, aus dem die neuesten verfügbaren Daten für Europa, den Mittleren Osten und Afrika (Emea) stammen, kam DB2 auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Oracle hat 34 Prozent erzielt. Wenn man das Mainframe-Geschäft herausrechnet, hat Oracle natürlich die Nase vorn. Verschiedene Studien zeigen, dass der Wertbeitrag von DB2 und das Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber Oracle sehr konkurrenzfähig sind. Das liegt daran, dass viel Technologie in DB2 bereits enthalten ist, für die der Kunde nicht extra zahlen muss, zum Beispiel Middleware. Auf der anderen Seite haben wir selber keine Anwendungssoftware wie Oracle. Das macht DB2 für unabhängige Softwarehäuser (Independent Software Vendors = ISVs) sehr interessant.

CW: Was braucht man, um im Datenbankmarkt heutzutage erfolgreich zu sein?

CARLI: Funktional sind die Datenbank-Management-Systeme sehr reif. Hier kann man sich kaum noch differenzieren. Daher spielen andere Aspekte eine größere Rolle. Zunächst ist da die Investitionssicherheit, also die langfristige Strategie des Herstellers. Wir haben keine Ambitionen im Bereich Anwendungssoftware. Das ist für Anwender und Softwarehäuser ein wichtiger Aspekt. Natürlich sind unsere Kunden zunehmend auch sehr kostenbewusst. Das Preis-Leistungs-Verhältnis muss stimmen, um der Konkurrenz Kunden abwerben zu können.

CW: Haben Sie nach der Übernahme von Informix im vergangenen Jahr in größerem Umfang Informix-Kunden an Oracle verloren?

CARLI: Natürlich haben einige Kunden die Datenbankplattform gewechselt, aber das war meist schon geplant, bevor wir Informix gekauft haben. In einzelnen Fällen hat die Übernahme den Wechsel vielleicht beschleunigt. Aber einige Anwender sind zu Oracle gewechselt und andere zu DB2. Ich sehe das mehr als Teil des normalen Geschäfts und nicht als Folge der Übernahme.

CW: Im Bereich Middleware sehen Sie sich neuer Konkurrenz ausgesetzt, nämlich der von SAP. Macht Ihnen das Sorgen?

CARLI: Nein. Nehmen wir zum Beispiel Portale. Ein Anwendungssoftwareanbieter wie SAP nutzt sein Portal dazu, die eigene Anwendung zu erweitern. Ein Middleware-Anbieter wie IBM bindet dagegen neutral jede Anwendung in ein Portal ein. Für mich ist es normal, dass Firmen wie SAP oder Siebel ebenfalls Lösungen für diesen Bereich anbieten. Wie so oft in der IT haben wir mit diesen Unternehmen eine Art kooperative Konkurrenzsituation. In einigen Bereichen arbeiten wir zusammen, in anderen sind wir Konkurrenten. Microsoft ist einer unserer größten Konkurrenten bei Software für Web-Services, aber trotzdem arbeiten wir zusammen an einem gemeinsamen Standard in diesem Bereich. Auch SAP und Siebel sind strategische Partner der IBM, und auch bei Portalen wird es Situationen geben, wo wir miteinander konkurrieren, während wir in anderen Projekten zusammenarbeiten. Aber eins ist klar: Ein Kunde, der offen gegenüber allen Anwendungen bleiben will, wird sich immer einen Anbieter aussuchen, der Multi-Plattform, Multi-Middleware und Multi-Anwendungen unterstützt - also jemanden wie uns. Jemand, der dagegen zu 100 Prozent auf SAP setzt, wird eher deren Produkt verwenden.

CW: Also beschäftigt Sie der Einstieg von SAP in dieses Geschäft nicht?

CARLI: Zunächst unterstreicht das Announcement die Bedeutung dieses Marktes. Der ist aber groß genug, dass beide gut von dem Wachstum leben können und wir uns nicht gegenseitig Marktanteile abnehmen müssen. Aber natürlich nehmen wir SAP ernst. Ich unterschätze nicht die Relevanz ihres Einstiegs in diesen Markt. Diese Arroganz haben wir vor zehn Jahren abgelegt.

CW: Mit rund 20 000 Kunden weltweit hat SAP eine riesige installierte Basis.

CARLI: Wir haben 300 000 Kunden - unser Potenzial ist also größer. Ich habe keine Angst vor SAP, weil ich unsere Stärken kenne. Websphere ist unser Heimmarkt. Wenn IBM plötzlich ERP- oder CRM-Software anbieten würde, würden sich SAP und Siebel auch keine Sorgen machen.

CW: Wie groß ist Ihrer Einschätzung nach der Markt für Portale zurzeit?

CARLI: Noch vor sechs Monaten war das Interesse an Portalen eher gering. Nur gelegentlich hat ein Kunde daran ein konkretes Interesse gehabt. Heute hat jede Verkaufsgelegenheit auch mit Portalen zu tun. Es gibt ein enormes Interesse unserer Kunden, Portale aufzubauen - und es steigt exponentiell.