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03.04.1981

"Ich habe Sorge, daß uns die Entwicklung davonläuft"

In der Bundesrepublik Deutschland sind derzeit mehr als 200 000 Computer installiert, deren Installationswert bei etwa 40 Milliarden Mark liegt. Die Bundesrepublik Deutschland ist - gemessen am Installationswert bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen - nach den USA heute das Land mit der größten Computerdichte. Der deutsche Inlandsmarkt wuchs in den Jahren 1975 bis 1979 jährlich um etwa 20 Prozent. Der Marktanteil von Herstellern mit Basis in der Bundesrepublik Deutschland betragt derzeit ein Drittel des Inlandsmarktes. Im Jahre 1969, bevor die Datenverarbeitungsförderung wirksam wurde, lag der Anteil der deutschen Hersteller am Inlandsmarkt erst bei t4 Prozent. Teile der Datenverarbeitungsindustrie der Bundesrepublik Deutschland sind stark exportorientiert. Zum Beispiel wird von manchen Kleinrechnerherstellern mehr als die Hälfte des Geschäfts im Ausland gemacht. Diese Entwicklung ist ermutigend. Sie hat die Bundesregierung bewogen, die Datenverarbeitungsprogramme 1979 auslaufen zu lassen. Die Bundesregierung ist sich dabei bewußt daß die Zukunft nicht ohne Risiken ist. Die Industrie muß nach wie vor, gemessen an ihren Umsätzen, im Verhältnis etwa zu ihren Konkurrenten aus den Vereinigten Staaten, weit mehr für die Entwicklung von Computersystemen aufwenden, um den erreichten technischen Stand zu halten und auszubauen. Diese Aufwendungen sind auf Dauer nur tragbar, wenn sie mit einem entsprechend überdurchschnittlichen Wachstum im Markt einhergehen. Die Bundesregierung sieht staatliche Förderung jedoch grundsätzlich als Starthilfe an. In der gegenwärtigen Situation erschien es daher notwendig, die weitere Entwicklung von Computersystemen jetzt wieder allein der Industrie zu überlassen . Nicht nur die Bundesregierung hat in der Vergangenheit beträchtliche Mittel für die Entwicklung der Informationstechnik bereitgestellt. Die Vereinigten Staaten haben über lange Jahre erhebliche Mittel in Form von Entwicklungsaufträgen an die Elektronik- und Computerindustrie gegeben. Erst in diesem Jahr ist ein 210-Millionen-Dollar-Programm des US-Verteidigungsministeriums zur Größtintegration der Elektronik begonnen worden. Aus jüngerer Zeit zu nennen ist auch die vom US-Verteidigungsministerium in Auftrag gegebene Programmiersprache ADA, an deren Entwicklung bekanntlich französische Informatiker nicht unerheblichen Anteil hatten.

Die japanische Regierung führt seit Beginn der siebziger Jahre eine lange Reihe von staatlichen Förderprogrammen durch. Besondere Schwerpunkte sind dort derzeit ein Programm zur Höchstintegration der Elektronik und Programme für Software und die Mustererkennung. Auch unsere Nachbarn in Frankreich und Großbritannien führten und führen entsprechende Programme durch.

Bei den Anwendungen der Mikroelektronik steht Japan inzwischen an der Spitze. Bei einem Anteil von nur zwölf Prozent am Bruttosozialprodukt der westlichen Welt beläuft sich der japanische Inlandsmarkt auf 24 Prozent des Mikroelektronikmarktes der westlichen Welt. Für die Bundesrepublik Deutschland entspricht der Anteil am Bruttosozialprodukt der westlichen Welt mit neun Prozent der relativen Größe des Mikroelektronikmarktes. Für die übrigen europäischen Länder sieht es nicht besser aus. Ich habe Sorge, daß uns die Entwicklung davonläuft, wenn bei der Mikroelektronik Wirtschaft und Staat nicht ganz erhebliche Anstrengungen unternehmen. Ein Engpaß ist auch die Software für Computer.

Defizit in Grundlagenbereichen

Ein erhebliches Defizit ist bei uns weiterhin in einigen wichtigen Grundlagenbereichen der Informationsverarbeitung vorhanden. Ein Grundlagengebiet vielseitigster Art, das in Zukunft erheblichen Einfluß auf die verschiedensten Anwendungen der Informationstechnik gewinnen kann, ist die Erkennung und Verarbeitung von Mustern. Interpretative Bildverarbeitung und die Erkennung natürlicher Sprache sind neben der schon relativ fortgeschrittenen Zeichenerkennung Forschungsgebiete mit vielversprechendem Innovationspotential. Auch bei den Grundlagen der Systemtechnik, der Erforschung neuer Architekturen von Computern, etwa zur Erhöhung der Systemzuverlässigkeit oder für den Einsatz in der Mustererkennung, ist in unserem Land die Forschungs- und Entwicklungskapazität noch nicht ausreichend. Ich habe gerade bei diesen Grundlagenbereichen Sorge, daß bei uns im Lande in erster Linie die nähere Zukunft gesehen wird und darüber vergessen wird, daß Forschung, die Ende der achtziger Jahre und in den neunziger Jahren wirksam werden soll, heute beginnen muß.

Das Bundesforschungsministerium bereitet sich daher gegenwärtig auf die weitere Förderung von Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Informationstechnik vor. Die wesentlichen Stoßrichtungen sollen sein:

- die Größtintegration der Elektronik;

- die Weiterführung des Programms "Technische Kommunikation";

- neue Technologien der Informationsverarbeitung, zum Beispiel Softwaretechnologie, Mustererkennung und Grundlagen der Systemtechnik von Computern;

- die Untersuchung der wirtschaftlichen und sozialen Aus???kungen der Informationstechnik.

Nach meiner bisherigen Kenntnis dessen, was die Regierungen anderer Industriestaaten Europas in diesem Sektor tun und planen, habe ich den Eindruck, daß die Probleme ähnlich gesehen werden. Nach den jeweiligen nationalen Randbedingungen ergeben sich jedoch Unterschiede bei den Schwerpunkten, dem Grad der staatlichen Einflußnahme und bei den Instrumenten staatlicher Förderpolitik.

Dieser Gastkommentar ist dem GMD-Spiegel 4/80, Seite 11 bis 22 entnommen. Die Ausführungen des Autors wurden gekürzt.