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19.05.1995

"Ich sehe nicht die Gefahr in der Technik selbst . . ."

Eines der wenigen deutschen VR-Pionier-Unternehmen ist die Virtual Reality Technologies GmbH in Gross-Umstadt. Sie vertreibt VR- Produkte von amerikanischen und englischen Herstellern. Hilde- Josephine Post unterhielt sich fuer die CW mit dem Produkt-Manager Bjoern Schneberger ueber die Gefahren bei HMDs aus Herstellersicht.

CW: Koennen Sie sich vorstellen, einen ganzen Tag lang einen Datenhelm bei der Arbeit zu tragen?

Schneberger: Noch nicht, spaeter ja, wenn die Bilder so gut sind, dass es mich nicht mehr stoert.

CW: Wie lange darf ich ein HMD aufbehalten?

Schneberger: Das ist voellig unterschiedlich. Wir hatten Leute auf der Messe, die sagten bereits nach zehn Sekunden, ich komme damit nicht klar. Andere hatten keine Probleme. Sie wurden nach zehn Minuten erst richtig warm.

CW: Auf der Messe traegt man den Helm nur fuer kurze Zeit. Kommt es nicht darauf an, wie lange die Person das HMD aufbehaelt?

Schneberger: Wenn die Person das Geraet nicht mag, setzt sie es nach fuenf Minuten wieder ab. Wir haben noch keine Tests gemacht und 24 Stunden lang den Helm aufgesetzt. Bei unseren Software- Entwicklern gibt es keine Probleme. Die Leute tragen das HMD auch mal fuer eine Stunde, aber nicht am Stueck.

CW: Aber wie koennen Sie etwas verkaufen, was Sie nicht getestet haben?

Schneberger: Es sind keine Langzeitapplikationen.

CW: Was verstehen Sie unter Langzeitapplikationen?

Schneberger: Es kamen Kunden auf uns zu, die dachten an ein HMD fuer einen Kranfahrer, der den Kran vom Buero aus ueber

Kameras in einem verseuchten Gebiet steuern sollte. Wir erklaerten den Kunden aber, dafuer sind die HMDs noch nicht hochaufloesend genug, oder sie muessten viel Geld investieren, denn es gibt auch stereoskopische HMDs mit einer Aufloesung von 1024 x 768 Pixel.

CW: Ich habe mir sagen lassen, dass die Aufloesung gar nicht das Problem sei, sondern vielmehr, dass natuerliche Reflexe zwischen Augen- und Kopfbewegung unterdrueckt werden, zum Beispiel die Kruemmung der Augenlinse konstant gehalten werden muss. Das ist sicher bei Ihren Helmen auch so?

Schneberger: Das ist generell bei den Helmen so, ja.

CW: Aber das Gehirn gewoehnt sich an die Starre. Treten denn keine Schwindelgefuehle auf, wenn der Helm wieder abgesetzt wird?

Schneberger: Nicht generell! Das ist eine falsche Information. Es gibt auch Bemuehungen, diese Pupillenprobleme in den Griff zu bekommen.

CW: Wie ist bei Ihnen die Fokussierung realisiert?

Schneberger: Bisher ist sie starr auf acht Zentimeter eingestellt. Auch hier wird daran gearbeitet, das Bild entsprechend scharf und individuell von der Softwareseite zoomen zu koennen.

CW: Haben Sie hinsichtlich Strahlungen irgendwelche Versuche durchgefuehrt?

Schneberger: Das ist ein genereller Punkt, naemlich die Aengste, die man vor einem neuen Medium hat. Das war beim Kino und beim Fernsehen auch so. Es gibt sicher viele Aerzte, die eine Gefahr sehen, aber es fehlen die Studien. Momentan sind Entwicklungen im Gange, bei denen man versucht andere Techniken zu finden, um mit HMDs arbeiten zu koennen. Ich sehe es nicht als generelles Problem, sondern als temporaeres.

CW: Jetzt sitzen die Monitore doch ganz nah vor dem Auge. Ist das nicht gefaehrlicher als beim Fernseher?

Schneberger: Ja, bei HMDs mit Fernsehroehren ist das sicher ein Problem. Aber wahrscheinlich ist die Gefahr beim Minifernsehen auch groesser. Auch dazu fehlt es noch an gesicherten Ergebnissen. Deshalb wird diese Entwicklung auch weitergehen. Kritik zu einer Technik wird es immer geben. Ich sehe die Probleme weniger in der Technik selbst, sondern auf der psychologischen Seite. VR ist ein Markt, der Massen erreichen kann. Das birgt natuerlich seine Gefahren: Vereinsamung! Wenn man sich nicht rechtzeitig Gedanken darueber macht, kann es zum Problem werden. Eigentlich sind es nicht wir, die die Massen bewegen, sondern Giganten wie Sega. Sie bringen HMDs heraus, die moechte ich keine fuenf Minuten tragen.

CW: Wird sich das HMD ueberhaupt durchsetzen und vom Anwender akzeptiert werden?

Schneberger: Ich bin mir sicher, dass es der Anwender akzeptiert. Mit zunehmender Leistungsfaehigkeit der HMDs und geringeren Kosten werden sie auf den breiten Markt gebracht werden, als erstes im Entertainment-Bereich, denn der hat schon immer etwas bewegt. Man darf nicht vergessen, die Helme basieren heute auf Kathodenstrahlroehren oder LCDs. Das ist alles noch nicht das Wahre. Es gibt Ideen, Laserstrahlen direkt ins Auge zu projizieren, dadurch erhalte ich eine bessere Qualitaet.

CW: Sie stellen die psychologische ueber die physiologische Gefahr?

Schneberger: Ja, weil ich denke, dass keine grossen Gefahren von der Technik ausgehen. Wenn ich nicht von der Technik selbst ueberzeugt waere, wuerde ich sie nicht machen. Wir bieten den Firmen mit VR einen Vorteil. Hier wuensche ich mir noch eine Menge Aufklaerungsarbeit, damit man sieht, was VR an ernsten und sinnvollen Anwendungen bringen kann. Aber von den Medien wird VR meistens in die Ecke der Spielerei gedraengt. Dadurch bekommen die Leute Angst. Das sind dann auch letztendlich diejenigen, die in den Firmen sitzen.