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06.04.1990

"Ich wäre zum Werkzeug der Amerikaner geworden"

Mit Jürgen Tepper, dem kürzlich im Meinungsstreit ausgeschiedenen Deutschland-Chef und Europa-Präsidenten des amerikanischen PC-Herstellers Tandon Corp., sprach CW-Redakteurin Beate Kneuse.

CW: Herr Tepper, Ihr Ausstieg bei Tandon kam recht überraschend.

Tepper: Vielleicht für den Außenstehenden. Mein Entschluß war keineswegs spontan. Vielmehr bestanden zwischen der Tandon-Crew in USA und mir seit rund einem Jahr Meinungsverschiedenheiten, die zum Schluß immer größer wurden. Schließlich sah ich keine Möglichkeit mehr zur Zusammenarbeit und habe die Konsequenzen gezogen.

CW: Welcher Art waren denn diese Meinungsverschieheiten?

Tepper: Das Europa-Geschäft von Tandon macht mittlerweile 90 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Deshalb haben die Amerikaner nun beschlossen, ihr ganzes Augenmerk auf Europa zu legen und die Geschäfte selbst in die Hand zu nehmen.

CW: Als Europa-Chef sind Sie darüber verständlicherweise nicht begeistert.

Tepper: Das Gesamtkonzept sah immer vor, daß die Strategie für das europäische Geschäft auch aus Europa kommen sollte. Als wir vor viereinhalb Jahren mit dem Aufbau des europäischen Tandon-Geschäftes begannen, waren wir ganz auf uns allein gestellt. Dadurch konnten wir ein Konzept entwickeln, das uns für unser angestrebtes Wachstum richtig erschien. Der Erfolg stellte sich ja dann auch ein. Jetzt kann ich nicht akzeptieren, daß sich die Amerikaner, nachdem das Unternehmen in, den USA mehr oder weniger erfolglos war - der Umsatz sackte von 150 auf 30 Millionen Dollar ab -, nun das Europa-Geschäft einverleiben -wollen. Ich wäre damit zum Werkzeug der US-Mutter geworden.

CW: Vor einigen Wochen wiesen Sie darauf hin, daß der PC-Markt in der Bundesrepublik gesättigt sei, erwarteten für Tandon künftig nur noch einstellige Wachstumsraten. Wie sieht es mit dem Europa-Markt aus?

Tepper: Die Zeiten, da manche PC-Anbieter Steigerungsraten von 50 bis 200 Prozent erreichten, sind sicherlich vorbei. Glaubt man aber den Prognosen von Marktforschungs-Instituten wie IDC oder Dataquest, gibt es noch genügend Wachstumschancen. Wenn man pro Jahr um 15, 20 oder 25 Prozent zulegen kann, ist das immer noch eine gute Entwicklung.

CW: Gibt es Bereiche, in denen die PC-Nachfrage noch überdurchschnittlich sein könnte?

Tepper: Beste Chancen sehe ich beim Handel und beim Handwerk. Dort wurde bislang eigentlich nur die Spitze abgedeckt. Darüber hinaus sind diese Bereiche durch die zunehmende Bedienerfreundlichkeit für eine Expansion geradezu prädestiniert. Diese Anwender werden die Scheu vor dem Computer immer mehr ablegen.

CW: Was werden Sie in Zukunft beruflich tun? Bleiben Sie dem PC-Geschäft treu?

Tepper: Das ganz gewiß. In diesem Geschäft bin ich groß geworden. Also werde ich ihm auch verbunden bleiben. Eine konkrete Entscheidung habe ich bisher allerdings noch nicht getroffen.