Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

13.02.1981 - 

Verlust von mehreren Millionen Pfund wahrscheinlich kein Einzelschicksal:

ICL hofft auf trotzdem ausgeglichenes Jahr

MÜNCHEN (gr) - Trotz eines Verlustes In Höhe von 20 Millionen Pfund Sterling (rund 47 Millionen Dollar) im ersten Quartal 80/81 hofft die ICL Ltd., London, das Jahr zum 30. September 1981 zumindest ausgeglichen abzuschließen. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, erklärte Chairman Philip Chappell den Aktionären auf der Hauptversammlung in London wider Erwarten nicht befriedigend. Auch die Banken des britischen Rechner-Herstellers sollen über die fehlende Genauigkeit nicht erfreut gewesen sein.

Der Verlust der ICL kam für keinen in der Branche überraschend. Der Gewinn nach Steuern fiel während der zwölf Monate zum 30. September 1980 auf 17,7 Millionen Pfund. Am Stichtag des Vorjahres waren nach Angaben des Unternehmens noch 35,3 Millionen erwirtschaftet worden. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum allerdings um 15 Prozent.

Der einzige europäische Mainframer, wie ICL sich selbst apostrophiert, nahm im Geschäftsjahr 1980 rund 715,8 Millionen Pfund ein, verglichen mit 624 Millionen Pfund im Vorjahr. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, daß der inflationäre Druck, der die Ertragslage beeinträchtigt, auch den Umsatz aufblähte. In seinem Statement zum Geschäftsbericht allerdings weist Chairman Chappell darauf hin, daß der Preissteigerung hier keine große Bedeutung zukomme. Die Inflation habe aber die Betriebskosten in die Höhe getrieben. Verhunden mit rückläufigen Wachstumsraten und einem technologiebedingten Fallen der Verkaufspreise pro Recheneinheit konnten die Verkaufserlöse die anfallenden Kosten nicht mehr denken.

Der starke Kurs des Pfund Sterling und die Rezession, die nicht nur in Großbritannien, dem größten Markt der ICL, dle Nachfrage nach Rechenkepazität abbremst, wie das hohe

Zinsniveau ließen im ersten Quartal einen Verlust auflaufen, der betragsmäßig größer ist als der im Vorjahr erwirtschaftete Gewinn. Doch dürfte ICL nur Vorreiter eines Schicksals sein, das viele Unternehmen treffen wird.

Vor der Hauptversammlung gab Chappell der Hoffnung Ausdruck, in den kommenden drei Abrechnungsmonaten einen Verlust von weniger als 20 Millionen schreiben zu können. Im dritten und vierten Quartal 1980/ 81 solle es dann so bergauf gehen, daß ICL zumindest "ohne Miese" aus dem Geschäftsjahr kommt. Den Weg zu dieser Erholung beschrieb Chappell allerdings so ungenau, daß die kreditgebenden Banken nicht zufrieden sein konnten. Am Folgetag fiel auch der Börsenkurs beträchtlich. Über eine strengere Kontrolle der Ausgaben, ein Lohnstopp für gewerbliche Arbeitnehmer - die Angestelltengehälter wurden nicht erwähnt-, ein strafferes Management und den Verkauf von Gebäuden versuche er, das Unternehmen selbst aus dem Sumpf zu ziehen. Gespräche mit finanzkräftigen Partnern wie zwei Erdöl-Gesellschaften dementierte Chappell.

Unbenommen bleibt es aber dem britischen Industrieministerium, das den Fall ICL mit Aufmerksamkeit und Sorge beobachtet, nach einem Geldgeber für seinen Mainframer zu suchen. Seit die Regierung zu Beginn dieses Jahres ihre Rechner-Beschaffungspolitik liberalisiert hat, ist ICL dem internationalen Wettbewerb noch stärker ausgesetzt.

Die Schuld für den Niedergang der ICL will der Europa-Report, herausgegeben von der IDC Europa Ltd., London, keiner konkreten Person anlasten. Trotz Fehlentscheidungen bei dem britischen Computer-Hersteller selbst liege das echte Problem in der britischen Volkswirtschaft und der weltweiten Rezession begründete. Zum Ende der Krise, auf das ICL (...) folgert die britische Finanzzeitung Financial Times, werden sich die potentiellen Anwender erst mal um ihre Liquidität kümmern. Erst dann dürften sie Geld für die Anschaffung eines neuen Computers ausgeben.