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Neues Management und neue Produktstrategie sollen Engländer retten:


08.01.1982 - 

ICL setzt auf Japan-Chips und fremde Mikros

LONDON - Einen Verlust in Höhe von 133 Millionen Pfund mußte der britische Computerhersteller ICL im vergangenen Geschäftsjahr hinnehmen. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von sechs Millionen erzielt worden. Das neue Management versucht, mit japanischer Hilfe und Fremdprodukten das lecke Schiff wieder flottzukriegen. Große Hoffnungen setzt ICL-Chef Robb Wilmot auf den von Rair entwickelten Personal Computer. der. so Wilmot, IBM einiges Kopfzerbrechen bereiten werde.

Der Umsatz des Konzerns sank 1980/81 von 715 auf 711 Millionen englische Pfund. 78,1 Millionen gab ICL allein für Rationalisierungsmaßnahmen aus. Im März vergangenen Jahres bewahrte den britischen Computerbauer eine staatliche Bürgschaft von 200 Millionen vor dem Zusammenbruch. ICL-Chairman Christopher Laidlaw gab auf einer Bilanz-Pressekonferenz in London bekannt, daß das Eigenkapital um mehr als 32,2 Millionen aufgestockt werden soll. Laidlaw: "Die Situation sieht heute anders aus als vor sechs Monaten. Wir hoffen, schon im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone zurückzukehren." ICL will auch zukünftig nicht nur Händler fremder Produkte sein, sondern legt großen Wert auf eigene Forschung und Entwicklung. Wilmot: "Unsere Entwicklungsingenieure sind froh, durch die Fujitsu-Technologie besseres Werkzeug zu besitzen. Wir hätten es uns nicht leisten können, diese Technologie selbst zu entwickeln." Wie das britisch-japanische Computergeschäft finanziert werden soll, verschwieg der ICL-Chef.

Die Briten verhandeln derzeit mit Fujitsu über den Verkauf ihrer Chip-Fabrik bei Manchester. Der japanische Partner plant, die Anlage zu seinem ersten europäischen Entwicklungszentrum auszubauen. ICL geht davon aus, daß der neue Besitzer sich mit der Entwicklung ihrer fünften Mainframe-Generation beschäftigen wird. Fujitsu durfte somit nach Ansicht von Branchenkennern endgültig den Fuß über die Schwelle des mitteleuropäischen Marktes gesetzt haben.

Ab März 1982 will ICL nach Angaben Wilmots in den Personal Computer-Markt einsteigen. Die Gesellschaft übernimmt den vor acht Monaten von dem britischen Unternehmen Rair entwickelten Personal Computer in eigener Produktion. Der Rechner zielt auf den Small Business-Bereich. Er arbeitet mit dem Betriebssystem CP/M und verfügt laut ICL über eine Hauptspeicherkapazität von 64 KB bis maximal 5 MB. Als Massenspeicher dienten eine bereits integrierte 5 1/4-Zoll-Winchester-Platte mit 6 MB Kapazität sowie eine 5-MB-Floppy-Disk. Die Tastatur ist frei beweglich, der Bildschirm zeigt in 25 Zeilen jeweils 80 Zeichen an. Der Kleinst-Computer soll zu ICLs kürzlich angekündigtem DRS 20-System kompatibel sein und mit Bildschirm und Drucker um 6000 Pfund (rund 26 000 Deutsche Mark) kosten.

Außerdem planen die Briten, zusammen mit der Sinclair Research ein "audio-visuelles" Terminal zu entwickeln. Das Terminal, das ICL-Angaben zufolge Sprache und Daten übertragen kann, ist zum Anschluß an die digitale Nebenstellenvermittlung (PABX) des kanadischen Kommunikationsunternehmens Mitel vorgesehen. ICL hat sich hierfür die europäischen Vertriebsrechte gesichert. Sinclair wird zu diesem Projekt seinen flachen Bildschirm beisteuern, der bei 12 Zoll Bildschirmdiagonale eine Tiefe von nur einem Zoll hat.

Auf dem deutschen Markt will ICL die japanischen Produkte nicht vertreiben. Auch sei nicht an eine Zusammenarbeit mit Siemens gedacht. Gerüchte, es könne auf dem Gebiet der Bankenterminals zu einem Abkommen mit Nixdorf kommen, dementierte der ICL-Boß energisch. Als Ausdruck der ICL-Stärke auf dem kontinentalen Markt - und insbesondere in Deutschland - will Wilmot dieses "Kopfschütteln" indessen nicht verstanden wissen: "Noch", räumt der ICL-Chef ein, "macht uns der deutsche Markt Kummer."