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07.06.1991 - 

Britischer Hersteller erhält XOpen-Branding für VME-Betriebssystem

ICL trotz Gewinneinbruch und Umsatzstagnation optimistisch

LONDON (ciw) - Die ICL Ltd. mußte nicht nur leichte Umsatzeinbußen hinnehmen, sondern auch einen Gewinnrückgang von 26 Prozent auf rund 330 Millionen Mark vor Steuern. ICL-Chef Peter Bonfield, der in seinen Ausführungen die Unabhängigkeit vom japanischen Mehrheitseigner Fujitsu betonte, führte das Ergebnis vor allem auf die Rezession in Großbritannien und das ökonomische Klima in Europa zurück.

Der Gesamtumsatz lag 1990 mit 1,61 Milliarden knapp unter den 1,63 Milliarden Pfund Sterling (etwa 4,89 Milliarden Mark) von 1989. Der Nettogewinn ging ebenfalls um 26 Millionen auf 65 Millionen Pfund zurück. Die FuE-Kosten stiegen im Berichtszeitraum um 16 Millionen auf 215 Millionen Pfund. Allein 1,8 Millionen Pfund mußte das Unternehmen im vergangenen Jahr für Zinszahlungen aufwenden; 1989 machten die Zinseinnahmen dagegen noch 9,6 Millionen Pfund aus. Bonfield wies allerdings darauf hin, daß das ICL-Ergebnis sehr viel besser sei als das vieler internationaler Konkurrenten. ICL habe im vergangenen Jahr in einem schlechten ökonomischen Klima eine gute Leistung erbracht. Besonders die Erfolge im Heimmarkt seien beachtenswert: Hier habe das Unternehmen mit Einnahmen von über einer Milliarde Pfund in einem rezessionsgebeutelten Markt Wachstum verzeichnen können.

Ebenfalls gestiegen ist der Software- und Service-Anteil am Gesamtumsatz: Waren 1989 noch Hardwareprodukte für 54 Prozent der Einnahmen gut, sank ihr Anteil 1990 auf 50 Prozent. Dabei machen Unix-basierte Produkte inzwischen 14 Prozent der Hardware-Einnahmen aus, deren Hauptanteil mit 45 Prozent allerdings immer noch mit den Mainframes erzielt wird.

Zum Einstieg von Fujitsu sagte der ICL-Chef in London: "Es ist Tatsache, daß ICL als ein europäisches und autonomes Unternehmen innerhalb der Fujitsu-Gruppe agiert. Die Geschäfts- und Produktstrategien bleiben unter dem gleichen Manager-Team weiter gültig." Bonfield zufolge plane Fujitsu nicht, "ICL in einen Fujitsu-Clone" zu verwandeln. Vielmehr habe der englische Hersteller durch den mehrheitlichen Einstieg der Japaner enorm an Glaubwürdigkeit beim Kunden gewonnen: "Früher wurde immer gesagt, daß ein IS-Manager niemals für den Kauf einer IBM-Maschine gefeuert werde. Ich glaube, dasselbe kann man heute über ICL sagen."

ICL will wichtige Rolle bei Esprit und Race spielen

Das Unternehmen wolle auch weiterhin eine wichtige Rolle in den EG-Forschungsprogrammen Esprit und Race spielen, erklärte Bonfield. Obwohl man vom runden Tisch der europäischen IT-Industrie ausgeschlossen worden sei, werde man weiter Einfluß auf die europäische IT-Politik nehmen können: "Als der einzigen gleichbleibend profitablen Computer-Company Europas hat die Kommission uns immer zugehört. Unsere Vorstellungen spiegeln sich in dem bereits im März veröffentlichten Papier der EG-Kommission zur IT- und Elektronikindustrie wider." ICL habe immer wieder betont, daß europäische Unternehmen nicht profitabel arbeiten könnten, solange sie nicht schnell und effektiv auf die Bedürfnisse des Marktes reagierten. Staatliche Subventionen an leistungsschwache Companies seien weder eine starke konkurrenzfähige europäische Antwort auf Japaner und Amerikaner, noch würden sie zu dem europäischen Commitment passen, einen wirklich offenen Binnenmarkt aufzubauen.

Der Entschluß, den britischen Hersteller von drei der insgesamt fünf unter ICL-Beteiligung laufenden Jessi-Projekte auszuschließen, habe das Unternehmen überrascht. "Diese Entscheidung scheint aus Gründen politischen Eigennutzes voreilig getroffen worden zu sein", sagte Bonfield, der weitere Neuigkeiten zu diesem Thema in Aussicht stellte.

Sein "total Commitment" für offene Systeme unterstrich ICL mit Ankündigungen zur Openframework-Architektur, dem Erhalt des X/Open-Gütesiegels für das Betriebssystem VME und der Vorstellung eines Management-Systems für Multivendor-Netze.

Die Urkunde über das X/Open-Base XPG3-Branding für VME System SV292 wurde von Geoff Morris, Chief Executive Officer der X/Open, überreicht. Morris betonte, daß VME das erste Mainframe-Betriebssystem sei, daß dieses Zertifikat erhält. Mit der "Öffnung" zielt ICL vor allem auf existierende VME-Anwender ab, denen man eine "Brücke" zu offenen Systemen bauen will. Damit, erklärte Andrew Roberts, Direktor der Midrange Systems Division von ICL, würde "Open VME" zum integralen Bestandteil von "Open-Framework" - ICLs Vision eines voll integrierten Informationssystems. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um die erste Architektur, die einen Rahmen funktionaler Komponenten auf Basis von Standards, Konventionen, Regeln und Prozessen bereitstellt, der wiederum die Integration einer Reihe von IT-Produkten und -Services unterstützt und ihren effektiven Einsatz in einem Unternehmen sicherstellt. Dabei beinhalte Open-Framework ISO-, CCITT-, und X/Open-Standards.

Als erstes Open-Framework-Produkt kündigte Roberts das Open Systems Management Center (OSC) an. Es besteht aus Hardware, Software, User-Interfaces und einer Netzwerk-Infrastruktur, die auf die Belange von Unternehmen mit mehreren tausend Arbeitsplatz-Installationen ausgelegt seien. Nach ICL-Angaben soll OSMC für eine erhebliche Kostensenkung bei der Verwaltung von verteilten Daten sorgen. Erreicht werde dies durch wirkungsvolleres Netz-Management und durch die Verlagerung von mehr "Intelligenz" an die wichtigen Knotenpunkte im Netz. Mittels OSMC sollen die Systemverwalter großer Multivendor-Installationen jederzeit sämtliche Daten über den Systemstatus abrufen und grafisch anzeigen können. Von den Kontrollpunkten aus heißt es, ließen sich Fehlerdiagnosen durchführen, Programme auf verschiedene Server laden und Dateien innerhalb des Netzes verschieben. Das Produkt unterstütze im Netz Rechner von ICL, IBM, DEC und Bull. Die dazugehörigen Softwaremodule liefen auf den ICL-Mainframes der Serie 39 oder auf den Midrange-Systemen DRS 6000. In Zukunft will ICL die OSMC-Module auch für Rechnerplattformen anderer Hersteller anbieten.