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14.04.1978

ICL und Ostblockrechner stoßen in eine Lücke:IBMs provozierter Rückzug bringt Indien nichts als Ungemach

NEW DELHI/KÖLN (ee) - Weitaus teurer als bisher ist für indische Anwender die EDV geworden, seitdem die staatliche Computer Maintenance Corp. (CMC) als Monopolist auf dem von IBM aufgegebenen indischen Markt herrscht. IBM hätte sich, wie die CW mehrfach berichtete, entsprechend dem "Foreign Exchange Regulations Act" (FERA) nur noch mit 40 Prozent an seiner indischen Tochter beteiligen dürfen, was gegen die weltweite Politik des Konzerns verstoßen hätte. Der Rechenriese aus Armonk zog denn auch die Konsequenzen und stellt bis Ende 1978 in Indien sämtliche Aktivitäten ein. Mit den Folgen dieses Schritts setzen sich die Nachrichten für Außenhandel auseinander.

Die Konfrontation ist nach Ansicht aus Fachkreisen von der indischen Electronics Commission (EC) möglicherweise bewußt herbeigeführt worden. Die EC fungiert als Aufsichtsbehörde für die gesamte elektronische Industrie und hält den Sektor "am kurzen Zügel". Der IBM wird vorgeworfen, überhöhte Gewinne durch den Einsatz veralteter Anlagen erzielt und die lokale Entwicklung neuer Systeme weitgehend verhindert zu haben. Dem hält das Unternehmen entgegen, daß es bereits 1970 einen Plan vorgelegt habe, wonach die 1400er-Serie durch 360er-Computer abgelöst werden sollte. 1972 habe man nochmals Vorschläge gemacht, diesmal bezüglich der 370er-Serie. Die indische Regierung sei auf diese Pläne jedoch überhaupt nicht eingegangen. Die Firma gibt ferner zu bedenken, daß fast alle neuen Computer-Anwendungsbereiche von ihr in Indien eingeführt worden seien,

d. h. sie macht auf das akute Managementproblem aufmerksam, das im Software-Bereich besteht.

Die Umstellung des Marktes von einem Monopol auf ein neues (die neue staatliche Computer Maintenance Corp. [CMC] ist Beobachtern zufolge nichts anderes) scheint sich nur mit erheblichen Schwierigkeiten zu vollziehen. Obwohl die Probleme von offizieller Seite heruntergespielt werden, hat die Wirtschaftspresse das Thema in letzter Zeit ausführlich behandelt. Die CMC nutze, so heißt es, ihre neue Marktmacht aus, um überhöhte Gebühren, die noch über denen der IBM lägen, für ihre Leistungen zu berechnen.

Abgesehen von der Wartung der Datenverarbeitungsanlagen stellt sich das Problem der Fertigung, denn die IBM war auch der wichtigste Produzent im Lande. Nunmehr hat die Regierung einen Plan vorgelegt, wonach die Electronics Corp. of India (ECIL), ein im Rahmen des Verteidigungsministeriums gegründeter Staatsbetrieb, und die International Computers Ltd. (ICL), die sich "FERA-gerecht" verhält, die durch den Weggang von IBM entstandene Lücke füllen sollen. Beide Firmen sollen in den kommenden fünf Jahren jeweils 100 Computer mittlerer Größe herstellen.

Da aber die offizielle Prognose bis 1981/82 eine Nachfrage von rd. 300 Anlagen ausweist, müßten in dieser Zeit mehr als 100 Computer eingeführt werden. Auch scheint nicht völlig klar zu sein, wie sich der Ersatz der 150 IBM-1400 vollziehen wird. Es ist beabsichtigt, die Importe weltweit auszuschreiben; die IBM soll ebenfalls Marktzutritt haben. Etwa ein Dutzend Anlagen der dritten Generation sind bereits im Einsatz; sie wurden vollständig eingeführt. Insgesamt wird der Importwert der beiden letzten Jahre auf 225 Millionen indische Rupien veranschlagt.

Über die Zukunft dieses indischen Markts sind die Meinungen auch auf anderen Gebieten geteilt. In den letzten Jahren wurden mehrere offizielle Prognosen vorgelegt, die insbesondere hinsichtlich der Zahl der benötigten Großanlagen differieren. Die EG hat diese Ansätze aus ihrer jüngste Schätzung völlig ausgeschlossen und den Minicomputern eine bedeutende Rolle zugewiesen. Letztere werden bereits in beträchtlicher Stückzahl produziert. Erst kürzlich schloß der US-Hersteller von Minicomputern, Computer Automation Inc., einen Vertrag über die Fertigung seiner Erzeugnisse in der Exportproduktionszone Santa Cruz bei Bombay ab.

Die Nachfrage nach Großrechnern soll nach Aussage aus Branchenkreisen bereits in den letzten Jahren gedrosselt worden sein. Die Eisenbahn, die Indian Airlines, die Stahlwerke u. ä. Organisationen könnten aber, wie verlautet, ihren Betriebsablauf mit Hilfe von Großcomputern wesentlich verbessern. Neuer Einfuhrbedarf dürfte auch bei Peripherieanlagen anfallen, weil die Produktion bisher trotz aller Bemühungen nicht angelaufen ist.

Die gesamten Ausgaben für Datenverarbeitungsanlagen wurden ursprünglich im 5. Plan (1974/75 bis 1978/79) auf 1,45 Milliarden indische Rupien angesetzt. Im 6. Plan sollten es 3,75 Milliarden indische Rupien sein; für neue Einzelheiten muß jedoch der sog. "Rollende Plan" der Janata-Regierung abgewartet werden.

Software wird bereits exportiert. Firmen wie Tata Consultancy Services, Bombay, und Operations Research Group, Baroda, sind sogar in Märkte in den USA und in Westeuropa eingedrungen. 1977 dürfte diese Ausfuhr rd. 10 Millionen indische Rupien erreicht haben.