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12.12.1986 - 

Unabhängige Beraterfirma untersucht PTT-Großprojekt Terco:

ICS erhebt schwere Vorwürfe gegen IBM

BERN (CW) - Das PTT-Projekt "Telefonrationalisierung durch Computer", kurz Terco genannt, ist von der Baseler Beraterfirma ICS im Auftrag von PTT-Generaldirektor Rudolf Trachsel eingehend unter die Lupe genommen worden. Der Bericht der Beraterfirma birgt Dynamit: Gegen den Konzern IBM und seine bei Terso engagierten externen Berater werden schwere Vorwürfe erhoben.

Im vergangenen August lehnte PTT-Generaldirektor Rudolf Trachsel in letzter Minute eine IBM-Offerte von 72 Millionen Franken im Rahmen von Terco ab, weil Budgetüberschreitungen befürchtet wurden. Trachsel verfügte "einen Halt, damit alles überprüft wird" . Jetzt liegt das Resultat dieser Überprüfung vor. Der Bericht liest sich, als ob die ICS-Berater ein Projekt in einem Entwicklungsland analysiert hätten.

So steht zum Beispiel in dem ICS-Kapitel "Ausgangslage" : "Aufgrund der gestellten Aufgabe - Review-Zentrum Bulle - haben wir primär erwartet, in Bulle mangelnde Erfahrung und wenig System- und Methodik-Kenntnisse vorzufinden." Und: "In zweiter Linie haben wir erwartet, eine schwache Organisation mit einer großen Zahl von weniger qualifizierten Leuten anzutreffen, in isolierten unabhängigen Untergruppen". Solche Vorahnungen wurden offenbar vor Ort zunächst bestätigt, denn im Bericht heißt es: "Viele der zu vermittelnden Informationen und Kenntnisse sind schwer dokumentierbar, liegen oft nur in verbaler Form vor, als Resultate von Gesprächen und Sitzungen zwischen den verschiedenen Abteilungen".

Doch dann rieben sich die Berater die Augen: "Ausgehend von diesen Prämissen waren wir deshalb doch überrascht zu entdecken, daß viele unserer Erwartungen oder Annahmen für Terco gar nicht charakteristisch sind. Terco hat mehrere überaus kompetente und gut motivierte Leute, die zu einem großen Teil eine alte Frustration nähren, entstanden aus einem Mangel an Interaktion und Kommunikation der Gesamtorganisation. Dies um so mehr, als die eigene Organisation sich dem von IBM - inmitten von Terco - geschaffenen und effizient funktionierenden eigenen Kommunikationsnetz gegenübersieht . . . " Zwar wird der Einsatz externer IBM-Mitarbeiter von den ICS-Beratern als nötig bezeichnet. Aber es sei ein "großer Fehler, die meisten wichtigen Positionen in Terco mit IBM-Leuten zu besetzen".

Und dann folgt Vorwurf auf Vorwurf zum Kapitel "externe IBMer":

- Wir empfinden es als unannehmbar und als Verletzung der Geschäftsethik, wenn IBM-Mitarbeiter ihre Geschäftsleitung über den Inhalt vertraulicher Dokumente orientieren.

- IBM hat eine Kommunikations-Strategie und ein Informationsnetz (wöchentliche Meetings, Kommunikation in Wort und Schrift zwischen Mitarbeitern und Management, zusammenhängende Strategie, kritische PTT-Fragen anzugehen) aufgebaut, die die schwache und zersplitterte PTT-Organisation völlig in den Schatten stellen."

- Wir glauben, daß das gesamte IBM-Personal, ohne Ausnahme, in bezug auf Skills-Transfer eine subtile, jedoch eindeutig passive Rolle angenommen hat. Der Ausbildungsstand und die Fähigkeiten der PTT-Leute sind von den IBMern nicht planmäßig gefördert worden. Sie geben politische Alibi-Meinungen und -Anregungen ab, ohne jedoch den PTT-Leuten zu helfen, die Verantwortung für die Führung und Steuerung dieses Projekts selbst zu übernehmen. Diese Passivität hat wiederum IBM ermöglicht, ihre Stellung als für das Projekt absolut unverzichtbar auszubauen - und dies in einem Maß, das wir als Verletzung ihrer eigenen Beratungs- und Lieferantenverantwortung sehen."