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15.10.1999 - 

Aus dem "Urschleim" wächst die Internet-Ökonomie

IDC-Analyst: Internet-Stars von heute sind nicht die Gewinner von morgen

MÜNCHEN (CW) - Von der "zweiten industriellen Revolution" oder vom "digitalen Zeitalter" ist häufig die Rede, wenn es darum geht, den Einfluß des Internet zu beschreiben. IDC-Manager Frank Gens hat die Palette der Attribute bereichert: Er bezeichnet den gegenwärtigen Entwicklungsstand als "Urschleim", aus dem heraus sich eine vollwertige Internet-Ökonomie bilden werde.

Im Zuge dieser Entwicklung werde es nicht nur Gewinner, sondern auch viele Verlierer geben, trug Gens auf einer Konferenz des Marktforschungsinstituts International Data Corp. (IDC) vor. Der Senior Vice-President Internet Research erklärte weiter, das rasante Wachstum werde viele bestehende Konventionen einfach wegwischen.

Grundlage der Ausführungen war unter anderem eine aktuelle Umfrage der IDC bei 650 IT- und Linien-Managern. "Es ist sonnenklar, daß der Kampf um das Internet-Geschäft gerade erst begonnen hat", bilanzierte Gens. Ohne weiteres könne es passieren, daß viele der sogenannten Entrepre- neure, die von der ersten Welle des Internet-Booms nach oben gespült worden seien, bald von erfolgreicheren Nachrückern überrollt würden.

Laut IDC sind bereits die groben Konturen des künftigen E-Commerce erkennbar. Aus Internet-Nutzern werden demnach Internet-Käufer. Die Zahl der Surfer soll von 160 Millionen (1998) auf 500 Millionen im Jahr 2003 wachsen. Noch deutlicher fällt der Zuwachs beim Online-Shopping aus: Wurden im vergangenen Jahr 50 Milliarden Dollar online ausgegeben, rechnen die Auguren in vier Jahren bereits mit Umsätzen im Cyberspace von 1,3 Billionen Dollar.

In vier Jahren werden laut Gens 62 Prozent der US-Bürger Zugang zum Internet haben, gegenwärtig seien es erst 26 Prozent. In Europa, wo 1998 elf Prozent Zugang zum Internet hatten, soll der Anteil der Onliner bis 2003 auf 44 Prozent anwachsen. Global gesehen waren im vergangenen Jahr gerade vier Prozent der Bevölkerung am Internet, 2003 sollen es elf Prozent sein.

Das schnelle Wachstum bringt nach Meinung des IDC-Analysten neue Herausforderungen für Unternehmen mit sich: "Wir haben eine Menge Projekte und Spinoffs gesehen, aber nur ganz wenige Websites sind voll mit den Geschäftsprozessen integriert. E-Business, das nicht mit dem Kerngeschäft verbunden ist, wird in Schwierigkeiten geraten."

Außerdem sei eine Menge Geld erforderlich, um solide Sites einzurichten und zu betreiben. "Unternehmen geben im Moment zwischen einer und 35 Millionen Dollar aus, um eine Web-Präsenz zu etablieren. Für den Aufbau einer erstklassigen Site braucht man im Durchschnitt sieben bis acht Millionen Dollar." Dabei bleibe es jedoch nicht - im laufenden Betrieb seien im Schnitt jährlich weitere 50 bis 100 Prozent dieses Betrags fällig.

Der Mythos, Internet-Sites könnten ewig defizitär wirtschaften, solange sie nur den Marktanteil der jeweiligen Company vergrößerten, wird nach Ansicht der IDC bald der Vergangenheit angehören. Zwei Drittel aller befragten Unternehmen wollen spätestens 2001 die Gewinnzone erreichen. "Das E-Business von heute, das nun langsam abgelöst wird, war generell nicht profitabel", so IDC-Mann Gens. "Künftige Internet-Unternehmen sollten schwarze Zahlen schreiben."

Neben Gens, der zu den Referenten des COMPUTERWOCHE-Kongresses "IT meets Business" am 9. und 10. November in München gehören wird, gaben noch weitere Experten Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung eines Internet-Auftritts. Barry Parr, IDC-Director für Internet- und E-Commerce-Strategien, verwies darauf, daß in den kommenden Jahren immer mehr ältere, schlechter ausgebildete sowie ärmere Menschen das Netz nutzen werden. Web-Entwickler sollten das berücksichtigen. "Sie müssen Ihre Sites viel einfacher gestalten. Ebay, Amazon.com oder Yahoo sind gute Beispiele für ein klares Design, bei dem der Nutzwert im Vordergrund steht."

Jorden Woods, CEO (Chief Executive Officer) der Global Sight Corp., mahnte, daß global agierende Unternehmen bei ihren unterschiedlichen lokalen Präsenzen die jeweilige Sprache und Kultur hinreichend berücksichtigen müßten. "Es gibt fast immer Probleme, wenn man ein E-Commerce-Angebot auf ein fremdes Land überträgt, ohne darüber nachzudenken, welches Umfeld man dort vorfindet.