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24.05.1985 - 

Verhaltene Planungen der Großkunden könnten zum Stolperstein werden:

IDC-Analyst sagt hartes Jahr für IBM voraus

FRANKFURT (CW) - Deutliche Zweifel an den positiven Erwartungen der IBM für das laufende Geschäftsjahr hat William F. Zachmann, Vice-President der IDC Corp., auf der IDC-Briefing Session '85 in Frankfurt angemeldet. Schwachpunkte sieht der US-Marktforscher in der weitgehend abgeschlossenen Umstellung vom Miet- auf das Verkaufsgeschäft, Probleme im LAN-Bereich, einer unklaren Strategie bei kleinen und mittleren Systemen und der bevorstehenden Wachablösung im Großrechnerbereich.

Die IBM habe mittlerweile den größten Teil des Ertragsschubes aus (...) Umstellung vom Miet- auf das (...)rkaufsgeschäft aufgebraucht. Auf die positiven Aspekte des Mietgeschäfts, also die Glättung von Übergängen auf neue Produktfamilien oder die Überbrückung schwacher Konjunkturphasen, könne daher nicht mehr gebaut werden. Die Aktivitäten der IBM Credit Corp. und die Einnahmen aus Software-Lizenzen würden das auch nicht annähernd ausgleichen.

Am oberen Ende des IBM-Produktspektrums stehe, laut Zachmann, mit der Einführung der "Sierra" 3090 ein kritischer Übergang bevor. Eine Chance, ihre wirtschaftlichen Ziele zu erreichen, habe die IBM nur, wenn diese Wachablösung in jedem Einzelpunkt wie geplant vollzogen werden könne. Die kleinste Abweichung von dieser Planung würde zur Revision der Umsatz- und Ertragserwartungen zwingen.

Neben internen Verzögerungen bei Produktion und Auslieferung der 3090/200 und der neuen Plattenstationen könnten sich auch die Erwartungen der IBM-Kunden als Stolperstein erweisen. Die Probleme, die IBM vor Jahren mit den 3380-Plattenstationen hatte und aktuell mit dem PC/AT hat, zeigten, daß auch Big Blue gegen solche Dinge nicht immun sei. Nachdenklich stimme, so Zachmann, die unerwartet lange Zeitspanne zwischen der Verfügbarkeit des Modells 200 und der des Modells 3090/400. Die Vermutung, daß diese Verzögerung technische Gründe habe, liege nahe. Er jedenfalls könne sich nicht vorstellen, daß der Mainframe-Monopolist die an Kapazitätsgrenzen stoßenden 3084QX-Anwender auf das zweite Quartal 1987 vertrösten würde, wenn er die Technik des Vierprozessorsystems 3090/400 bereits im Griff hätte, meinte Zachmann. Unter diesen Voraussetzungen seien unerwartete Verzögerungen auch bei der 3090/ 200 möglich.

Noch wahrscheinlicher freilich sei, daß die Beschaffungspläne der 3090/200 möglich. anders aussehen als die IBM-Absatzplanung. Die DV-Planungen der Anwender ließen 1985 ein deutlich geringeres Wachstum als in den drei Vorjahren erkennen. Die Erfahrung zeige, daß hohe Zuwachsraten in der Groß-DV bislang nie über mehr als drei Jahre durchgehalten wurden. Komme zu den ohnehin verhaltenen Planungen noch eine Abschwächung der Konjunktur, seien weitere Einschnitte in den DV-Budgets zu erwarten.

Probleme gebe es auch in anderen Bereichen. So existiere nach wie vor kein schlüssiges Angebot der IBM bei lokalen Netzen, Produkte anderer Unternehmen gewännen an Boden. Bei kleinen und mittleren Systemen empfänden die Anwender die IBM-Produktpolitik als verwirrend: Ist das System/36 der Schlüssel zur Bürostrategie der IBM? Wird die 8100 überleben? Oder will der Marktführer - was jüngste Ankündigungen aus Armonk zu implizieren scheinen - durch billigere 4300-Prozessoren und neue Mikrocomputer seine Produktlinien unter der in den vergangenen 20 Jahren gewachsenen 360/370-Architektur zusammenführen? Die Antwort auf solche Fragen hänge davon ab, mit wem man bei IBM spreche und an welchem Tag man dieses Gespräch führe. Die Anwender seien aus verständlichen Gründen verwirrt, und er selbst sei es auch, sagte Zachmann.

Auch ganz unten sehe es nicht allzu gut aus für IBM. Wenn das Unternehmen nicht bald Wege fände, genug funktionierende PC/AT zu bauen, werde sich das Desaster mit dem PCjr im nachhinein als die kleinere Katastrophe ausnehmen. Zu fragen bleibe schließlich, wann die im weiteren Verlauf des Jahres noch anzukündigenden PC-Produkte wieviel zu den Umsätzen und Gewinnen der IBM beitragen werden.

Bernhard Dorn, Generalbevollmächtigter der IBM Deutschland GmbH und Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb Informationssysteme, sprach auf der IDC Briefing Session über das Thema "Alternative Vertriebswege aus IBM-Sicht". Dorn, "DC-Computermann des Jahres", bekannte sich dabei zu einem totalen Vertriebskonzept. Er gab zu, daß es innerhalb der einzelnen Absatzwege zu Reibungen kommen könne. Für diese hätten weder IBM noch er persönlich immer gleich eine Lösung parat. Gleichzeitig rief Dorn Hersteller und Handel auf, dem Preisverfall innerhalb der PC-Industrie entgegenzuwirken. Er deutete allerdings an, daß auch in diesem Bereich die Hersteller nur begrenzte Einflußmoglichkeiten hätten.