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29.09.2006 - 

BUSINESS REPORT

IDC: IT wird zur Chefsache

CEOs nehmen IT ernster und verlangen mehr Innovation vom CIO. Flexiblere Systeme lassen auf sich warten.
IT rückt stärker ins Blickfeld der Führungskräfte.
IT rückt stärker ins Blickfeld der Führungskräfte.
Gefordert wird vom CIO mehr Verständnis fürs Geschäft und ein höherer Wertbeitrag der IT. Das antworteten Business-Manager auf die Frage, wie sie die Leistung ihres CIOs einschätzen.
Gefordert wird vom CIO mehr Verständnis fürs Geschäft und ein höherer Wertbeitrag der IT. Das antworteten Business-Manager auf die Frage, wie sie die Leistung ihres CIOs einschätzen.

Chefs großer Unternehmen messen der IT eine höhere Bedeutung bei als das bisher der Fall war. Für sie ist die Informationsverarbeitung wichtig für die Entwicklung des Unternehmens. Zu diesem Ergebnis kommt das Marktforschungsunternehmen IDC in einer Umfrage mit Managern. Der Trend ist eindeutig: Ein Drittel der Befragten nannte auf die Frage, was ihnen besonders am Herzen liege, die Informationstechnik. Vor einem Jahr hatten sich nur 16 Prozent dergestalt geäußert.

HP speckt ab

Wie radikal mitunter der Umbau von IT-Infrastrukturen vollzogen wird, zeigt das Beispiel Hewlett-Packard. Der IT-Konzern hat vor, in den nächsten Jahren seine 82 weltweiten Datenzentren auf insgesamt sechs komplett neu gestaltete Rechenzentren zu reduzieren. Dabei werden über 19000 Server-Systeme abgeschaltet. Zudem sollen fast 3600 der intern verwendeten Applikationen aus dem Portfolio verschwinden.

CIO-Kennzahlen

Nach den Untersuchungen der IDC werden die Leistungen der CIOs anhand von fünf Kennzahlen gemessen. Der wichtigste Leistungsparameter ist die Dienstgüte der IT, die fast gleichauf liegt mit dem Wertbeitrag für das Unternehmen. Es folgen die Zufriedenheit der Anwender, die Produktivität und die Kosten.

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581706: Enterprise Architecture;

581374: IT-Governance;

581208: Fachbereiche kennen SAPs SOA nicht;

581296: Neun Thesen zum Outsourcing.

Weiteres zum Thema SOA finden auch im SOA-Expertenrat der computerwoche unter http://www.computerwoche. de/soa-expertenrat/

Als ihre Hauptaufgabe sehen die CEOs weiterhin die Beziehungen zum Kunden (38 Prozent) an. Auf der Prioritätenliste nach oben gerückt ist neben der IT auch die Produktinnovation. Die Marktforscher verkündeten ihre Umfrageergebnisse im Rahmen der jährlich stattfindenden Konferenz "European IT Forum" in Paris.

CEOs fordern Nutzen bringende IT

Die geänderte Haltung der CEOs spiegelt sich in den Anforderungen an die IT wider: Eine weitere IDC-Umfrage unter Firmenlenkern und Geschäftsbereichsverantwortlichen vom April dieses Jahres ergab, dass sie von ihren CIOs erwarten, DV-Funktionen zu liefern, die das Geschäft tatsächlich voranbringen. Das Thema IT-Kostensenkung spielt zumindest in Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern keine Rolle mehr.

Mitunter haben CEOs und CIOs jedoch unterschiedliche Vorstellungen von der geeigneten IT-Strategie. Einer bereits im Jahr 2005 organisierten IDC-Umfrage zufolge wünschen sich die Firmenleitungen von der IT vor allem die beschleunigte Einführung neuer Prozesse. Diese Ansicht teilen auch die CFOs beziehungsweise Leiter der Finanzabteilungen. Dagegen wollten sich weniger als 50 Prozent der CIOs dieser Meinung anschließen. Mehr als ein Viertel würde die IT-Aktivitäten lieber in der gleichen Geschwindigkeit wie heute weiterführen. 20 von 100 könnten sich sogar vorstellen, es mit der Innovation etwas langsamer angehen zu lassen.

Kommunikationsdefizite

Neben der unterschiedlichen Auffassung in puncto Innovationsgeschwindigkeit hat die Kommunikation zwischen CIOs und CEOs auch ganz grundsätzliche Defizite. "Business-Manager müssen den IT-Lenkern mitteilen, was ihre Prioritäten sind. Viele tun das aber nicht", bemängelt Frank Gens, Senior Vice-President of Research bei IDC.

Dass IT-Chefs gern auf die Bremse treten, dürfte unter anderem an der Verteilung der IT-Budgets im Unternehmen liegen. Der überwiegende Teil der Gelder fließt in die Pflege bestehender Lösungen. Hewlett-Packard (HP) etwa veranschlagt für Betrieb und Wartung der internen Systeme 65 Prozent der IT-Ausgaben. Migration und Upgrade umfasst 25 Prozent, für Innovationen bleiben letztlich nur zehn Prozent übrig. Gegenüber anderen Großkonzernen ist HP mit dieser Relation noch sehr gut dran. Die Zahlen stammen von Francesco Serafini, Managing Director des IT-Konzerns für die Emea-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika). Zwar ist HP Teil der Branche, doch viele Anwenderunternehmen dürften eine ähnliche Budgetverteilung bei sich ausmachen. Steigen werden die IT-Budgets nur moderat, so dass den Firmen nichts anderes bleibt, als durch Effizienzsteigerung die DV-Ausgaben vom Betrieb in Richtung Prozessverbesserung zu verschieben (siehe Kasten "HP speckt ab").

Getrieben vom Innovationswunsch der Firmenleitung setzen CIOs die Dynamisierung der IT-Architekturen ganz oben auf ihre Prioritätenliste. Gemeint ist damit, Applikationen, Informationen und technische Infrastruktur flexibler zu machen. Feste Zuordnungen von Systemressourcen sollen einer bedarfsgerechten Allokation weichen. Auf dieser Grundlage, so die Hoffnung, lassen sich Geschäftsprozesse rasch aufsetzen und bestehende schnell verändern. Weit gekommen sind die Anwender dem IDC-Analysten zufolge aber noch nicht. Lediglich die physikalische Infrastruktur sei vielerorts bereits konsolidiert worden. Dazu zähle, die Anzahl der Server zu reduzieren. Auch hätten große Unternehmen ihre ERP-Instanzen reduziert. Darüber hinaus nutzten Firmen die Virtualisierung, um Rechner- und Speicherkapazitäten besser auszulasten und flexibler zu verwenden.

Service-Orientierung

Auf Ebene der Applikationen sei jedoch kaum etwas geschehen, nicht zuletzt aus Mangel an der dazu erforderlichen Software. "Applikationsvirtualisierung setzt Service-orientierte Architekturen voraus. Hier stehen Hersteller und Anwender aber noch am Anfang", so Gens. Und selbst die vorhandenden Angebote verfangen bei den Kunden nicht. Firmen können mit Service-orientierten Technikplattformen, wie sie IBM und Bea entwickeln, wenig anfangen. Nach Überzeugung des IDC-Analysten erwarten Unternehmen, dass ihr Applikationshersteller ihnen SOA als Bestandteil der Lösung ("SOA in a Box") liefert. "Für Plattformen interessieren sich meist nur die Entwicklungspartner des Herstellers, weniger dessen Kunden."

Allerdings sollten CIOs nicht warten, bis der Vorstand ihnen Geld für einen generellen Umbau der IT in Richtung SOA gibt. Schon mit dem Begriff kann der Firmenlenker meistens kaum etwas anfangen. Eher von Erfolg gekrönt dürfte der Ansatz sein, zunächst bestimmte Prozesse als SOA zu realisieren. "Statt Technikdebatten zu führen, sollten CIOs ihrem CEO darlegen können, wie eine IT-Innovation zum Beispiel den Lagerbestand reduzieren oder die Liefertreue verbessern kann." Will ein Betrieb beispielsweise die Lieferkettensteuerung neu aufsetzen, könnte er dazu eine SOA-fähige Applikation punktuell einführen, ohne gleich den Rest der IT in Frage zu stellen.

Mietplattformen attraktiv

Flexibilisierung der IT lässt sich aber nicht nur durch Lösungen im eigenen Hause erreichen. Firmen ziehen Gens zufolge vermehrt Mietlösungen in Betracht, um funktionale Lücken zu schließen. Sie tun dies nicht nur, weil diese Angebote einen kostengünstigeren Einstieg versprechen. Zunehmend stellen die Anwendungsvermieter Plattformen im Netz bereit, auf denen Kunden Funktionsbausteine miteinander kombinieren können, ohne dafür einen Systemintegrator bemühen zu müssen. Ein Beispiel ist "Appexchange" von Salesforce.com. An einem ähnlichen Konzept arbeitet SAP. Ende des Jahres wollen die Walldorfer eine Geschäftsprozessplattform für mittelständische Kunden freigeben.