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08.10.2004 - 

Antithese zu Nicholas Carr's "IT doesn't matter"

IDC proklamiert die "Dynamische IT"

PARIS (CW) - Eine positive Antwort auf die von Nicholas Carr provokant aufgeworfene Frage, ob IT für den Geschäftserfolg zählt, gab IDCs oberster Visionär Frank Gens auf dem IDC Forum in Paris mit seinem Konzept einer "dynamischen IT".

Zumindest die meisten IT-Verantwortlichen in Europa und den USA teilen Carrs Meinung nicht, der zufolge Informationstechnik als Werkzeug zur Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition ausgedient hat. Einer Befragung unter europäischen und amerikanischen Managern zufolge glauben knapp 80 Prozent weiterhin, dass IT für die Umsetzung der Unternehmensstrategie eine sehr wichtige oder wichtige Rolle spielt. 54 Prozent erklärten sogar, IT müsse noch stärker genutzt werden.

Davon unbeeindruckt erneuerte Nicholas Carr vor etwa 600 Zuhörern seine These, die IT gleiche immer stärker der Strom- und Wasserversorgung eines Unternehmens. Genau wie letztere sei sie unverzichtbar - da aber heute jedes Unternehmen die Segnungen der Informationstechnik nutzen könne, erringe keines mehr Wettbewerbsvorteile durch ihre Anwendung.

Carr geht davon aus, dass

- Unternehmen Jahr für Jahr weniger für IT ausgeben werden;

- Anwender den Upgrade-Zyklen der Hersteller immer seltener folgen werden;

- Firmen verlässliche statt innovativer Technologien nutzen und sich eher darauf konzentrieren werden, Fehler zu vermeiden.

Gens dagegen postuliert, dass dynamische Unternehmen lediglich eine dynamische IT benötigen, um schneller auf die wechselnden Anforderungen des Geschäfts zu reagieren. Die Konzepte von IBM ("On Demand") oder HP ("Adaptive Enterprise") seien bereits Reaktionen auf die Forderung nach einer flexibleren IT. Die Anwender müssten sich einerseits auf ihre Strategie und deren Umsetzung konzentrieren, andererseits ihren IT-Betrieb weiter automatisieren und sinnvoll managen.

Der IT-Betrieb braucht, so der Senior Vice President Research bei IDC, Service-Level-Management, Messverfahren und Auslastungsermittlung, Sicherheit, Virtualisierung der Infrastruktur sowie Plattformverwaltung und -überwachung. Die Elemente für die Business-Unterstützung und für den IT-Betrieb bilden gleichzeitig die Module einer dynamisch aufgestellten IT.

Das Modell der dynamischen IT folgt laut Gens sechs Grundprinzipien. Das erste, flexible Betriebskosten, ist mit On Demand oder Adaptive Enterprise hinreichend beschrieben, wenn auch noch nicht endgültig definiert und bepreist. Die Rolle des zweiten, des flexiblen Sourcing, dürfte ebenfalls nur schwer zu überschätzen sein.

Neben diesen beiden Business-Prinzipien formuliert Gens vier technische Leitsätze:

- Virtualisierte Ressourcen;

- Standardisierte Komponenten;

- Service-orientierte Architektur;

- End-to-end-Design und -Management.

"Eine dynamische IT geht über die Technik hinaus", erklärte Gens. Damit ihre Vorteile zum Tragen kämen, müssten Unternehmen nicht nur ihr IT-Management, sondern auch Business-Management und Geschäftsprozesse der neuen Dynamik anpassen.

Noch deutlicher lehnte Don Tapscott, Buchautor und langjähriger Analyst der amerikanischen IT-Szene, Carrs Thesen ab: "Seine Argumente basieren nicht auf Fakten, sie sind falsch. Es gab vor zwanzig Jahren gute Beispiele dafür, dass IT entscheidenden Vorsprung verschafft, und es gibt diese auch heute noch." Zwar führten neue technische Möglichkeiten dazu, dass die Unternehmen einen einmal erkämpften Vorteil nicht mehr 18 Jahre lang nutzen könnten, sondern vielleicht noch 18 Monate. "Aber nur weil die Zeitspanne kürzer geworden ist, darf ein Unternehmen doch nicht aufhören, diese ausnutzen zu wollen", sagte Tapscott gegenüber der Computerwoche. (ciw)

Abb: Nach der Umgestaltung

Bevor sich die IT nutzen lässt, um die Wettbewerbssituation zu verbessern, ist das Wirrwarr von Systemen und Applikationen zu vereinheitlichen. Quelle: IDC