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01.11.1996 - 

Anbieter müssen mit hohen laufenden Kosten rechnen

IDC sieht goldene Zukunft für das Cybershopping

Die Euphorie um das Internet und die damit verbundenen kommerziellen Möglichkeiten findet derzeit vor allem in den Medien und in einschlägigen Marktuntersuchungen statt. Anerkannte wie selbsternannte Experten überbieten sich gegenseitig mit Prognosen. Glaubt man etwa den IDC-Analysten, so steigt die Anzahl der Universe Resource Locators (URLs) und damit der Web-Seiten von 78 Millionen (1995) auf über 1,14 Milliarden im Jahr 2000. Im gleichen Zeitraum soll sich die Schar der Web-Benutzer von 16 Millionen auf 163 Millionen mehr als verzehnfachen.

Die IDC-Marktforscher sehen einen direkten Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Web-Angebot und der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen über das weltumspannende Netz. So werde trotz der Explosion bei den Benutzerzahlen der prozentuale Anteil der Web-User, die über das Internet auch einkaufen, bis zur Jahrhundertwende noch steigen - von 24 auf 28 Prozent. Dies entspräche mehr als 45 Millionen Online-Käufern. Darüber hinaus, so die IDC-Auguren, werde der Cyber-Shopper von morgen auch erheblich mehr Geld via Internet ausgeben als bisher. Die Einkäufe pro Web-User sollen sich innerhalb von fünf Jahren von 285 auf 2565 Dollar jährlich erhöhen. Besonders ausgabefreudig sind demzufolge die US-Konsumenten. Sie werden voraussichtlich viermal soviel Geld im Netz lassen wie die Online-Kunden aus dem Rest der Welt.

Unternehmen mit Ambitionen im Bereich Internet Commerce sollten jetzt beginnen, Internet-Produkte auf internationale Märkte zu bringen, empfiehlt Gigi Wang, Senior Vice-President bei IDC. Die Kosten für den Einstieg in das vermeintlich lukrative Internet-Geschäft sind allerdings beträchtlich. Wang schätzt, daß die Investitionen für die Entwicklung einer kommerziellen Web-Seite im ersten Jahr zwischen 840000 und 1,25 Millionen Dollar liegen (siehe Kasten auf Seite 28). Hinzu kommt, daß sich potentielle Web-Anwender nach IDC-Erkenntnissen neben einer großen Auswahl auch ein stetig wechselndes Angebot wünschen. Dies verursacht einen erheblichen laufenden Aufwand bei der Pflege und Weiterentwicklung der Web-Inhalte.

So gibt es zum Thema Internet Commerce durchaus kritische Stimmen. Giovanni Granata, Vice-President Olivetti Interactive Telemedia, bezeichnet die Euphorie, die in der Branche zu beobachten sei, als "Internet-Hype", der mit der Wirklichkeit nichts zu tun habe. Die Vorstellung vom praktisch kostenlosen Zugang zu 50 Millionen Kunden werde ein Traum bleiben. "Es ist schwierig, im Internet konkurrenzfähig zu bleiben," meint Granata. "Die Informationen im Netz fließen sehr schnell. Marktchancen sind zeitlich begrenzt." Die Anbieter müßten bereit sein, kontinuierlich in Innovationen zu investieren. Die Einstiegskosten für eine Internet-Präsenz seien zwar relativ gering. Um aber ein wettbewerbsfähiges Web-Angebot aufrechterhalten zu können, müßten Unternehmen mit Aufwendungen bis zu einer Million Dollar pro Jahr rechnen. Ferner werde es noch Jahre dauern, bis sich Investitionen im Internet auszahlten. Granata: "Neunzig Prozent der Firmen, die gegenwärtig online vertreten sind, verschwenden ihr Geld.

Demografie der Web-Benutzer

Bei den demografischen Daten der Web-Nutzer konstatiert IDC große regionale Unterschiede. Vor allem in den USA, wo das Internet am längsten etabliert ist, werde der durchschnittliche Internet-Surfer immer älter und ärmer. So repräsentiert die Gruppe der 18- bis 19jährigen in den USA nur noch 30 Prozent der Web-User. 55 Prozent der Nutzer sind inzwischen 30 bis 50 Jahre alt, über zehn Prozent haben die Grenze von 50 Jahren schon überschritten. In Europa ergibt sich ein anderes Bild. Die Hälfte der Anwender in Frankreich und Großbritannien etwa ist 18 bis 29 Jahre alt. Ein Drittel der Anwender bewegt sich zwischen 30 und 40 Jahren. Kaum ein Web-User in diesen Ländern zählt über 50 Jahre.

Deutliche Unterschiede haben die IDC-Analysten auch bei den Einkommensstrukturen errechnet. Die größte Kluft zwischen Reich und Arm existiert demnach in Großbritannien. 60 Prozent der Internet-Nutzer verdienen dort mehr als 70 000 Dollar pro Jahr. In den USA verteilen sich die verschiedenen Einkommensgruppen gleichmäßiger auf die Web-Surfer. Dort wird der Internet-Anschluß am preiswertesten angeboten, in öffentlichen Bibliotheken oft auch kostenlos. Ähnliche Entwicklungen stellt IDC beim Bildungsniveau fest. So hat in den Vereinigten Staaten nur etwa ein Viertel der Web-User einen akademischen Grad. Dagegen können 60 Prozent der britischen Anwender einen Universitätsabschluß vorweisen.

All diese Daten verändern sich jedoch rasch, berichtet Marktforscherin Wang. IDC werde deshalb vierteljährlich neue Untersuchungen vornehmen. In puncto Internet Commerce werden die USA ihre führende Rolle behalten, glaubt die Analystin. Zur Jahrhundertwende werde es in den Staaten noch immer viermal so viele Internet-Käufer geben wie im Rest der Welt. Eine andere Aufteilung ergibt sich bei den Netzzugängen. Bis zum Jahr 2000 stünden nur noch 50 Prozent der dann weltweit 138 Millionen installierten Rechner mit Netzzugang in den USA, prognostiziert IDC. 1995 lag dieser Wert noch bei 80 Prozent.