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27.07.1984 - 

Nur wenige Betriebssysteme bleiben übrig":

Idee zur Standardisierung setzt sich durch

27.07.1984

Unix ist heute bereits ein Industriestandard, der in Tausenden von Installationen auf unterschiedlichsten Hardwarearchitekturen eingesetzt wird. Die Vorteile des Standards kommen Kunden wie auch Herstellern zugute. Wolfgang Raum, Leiter des Geschäftsbereichs Fehlertolerante Informationssysteme der Nixdorf AG. Paderborn. beschreibt das Betriebssystem aus der Sicht eines Herstellers.

Für den Kunden ist mit Unix eine Softwareinvestition langfristig gesichert. Da Software im allgemeinen etwa doppelt solange "lebt" wie Hardware, können Anwendungen des Kunden beim Einsatz neuer Hardware leicht portiert werden. Das gleiche Unix als Betriebssystem auf alter und neuer Hardware macht es möglich.

Der zweite große Vorteil ist die ständig wachsende "Third-Party-Softwarewelt". Amerikanische und europäische Softwarehäuser bieten heute schon eine Flut von auf Unix ablauffähigen Programmen aus den Bereichen Bürofunktionen, Datenbanken, kommerzielle Anwendungen und spezielle Tools für die Softwareentwicklung an.

Da Unix heute schon auf einer breiten Produktpalette - beginnend mit dem PC (IBM)

bis hin zum Host (Amdahl) - angeboten wird, können insbesondere größere Unternehmen ihre Software durchgängig auf all ihren Systemen von klein bis groß einsetzen, was zu einem Firmenstandard führen kann. Mit Unix bietet sich dem Kunden erstmals die echte Chance zur Hardware- und damit zur Herstellerunabhängigkeit.

Die genannten Vorteile des Unix-Systems sind meist auch Vorteile für einen Hersteller: So hat die Nixdorf Computer AG zum Beispiel erheblich weniger Entwicklungskosten weil sie neben Unix auch bei Compilern, Bürofunktionen und Kommunikationssoftware auf vorhandene Lösungen zurückgreift. Dies sichert eine frühere Verfügbarkeit von neuen Systemeigenschaften und schafft Wettbewerbsvorteile.

Weiterhin ist von großem Interesse, daß bedeutende Halbleiterhersteller wie Motorola, Intel und National entschieden haben, mehr und mehr Betriebssystemfunktionen von Unix in Silikon zu gießen. Dieser Schritt wird die Systeme leistungsstärker machen.

Da es von Unix mehrere Varianten gibt, ist es von entscheidender Bedeutung, welche Version sich letztlich durchsetzen wird. Hier zeichnet sich ab, daß die AT&T-Entwicklung Unix-System IIII/V das Rennen machen wird.

Nicht nur Nixdorf glaubt, daß sich Unix wegen der bisher genannten Gründe mehr und mehr durchsetzen wird. Besonders in den Bereichen Minicomputer, 16/32-Bit-Mikros und der gehobenen PC-Klasse wird Unix langfristig möglicherweise das einzige Betriebssystem sein und alle übrigen verdrängen. Es gibt bereits Prognosen, daß sich die Idee der Standardisierung von Betriebssystemen durchsetzen wird, wobei irgendwann nur noch wenige übrig bleiben: MVS für den oberen, Unix für den mittleren und MS-DOS oder CP/M für den unteren Bereich.

Als Betriebssystem wird Unix einen erheblichen Einfluß auf die strategische Entwicklung von vielen Softwarehäusern in USA und Europa haben. Denn aufgrund seiner Flexibilität und Portabilität erfreut sich Unix weltweit steigender Beliebtheit. Seine besonderen Stärken sind ein hierarchisches Dateisystem, Geräteunabhängigkeit, ein flexibler Kommandointerpreter (Shell), über 100 Utilities und mächtige Tools. Ein modularer Aufbau garantiert einfache Maintenance und ermöglicht den Einsatz von Zusatzbausteinen im Betriebssystem, zum Beispiel zum Anschluß von Fremdperipherie.

Ähnlich wie in Amerika, wo heute schon über 250 Softwarehäuser für Unix Software produzieren, werden auch hierzulande die Programmierschmieden dazu übergehen, für Unix

Anwendungsprogramme und Paketsoftware zu erstellen und zu vermarkten. Viele werden auch ihre installierte Software auf Unix umschreiben, um ihre Investitionen auf einer tragfähigen Basis langfristig zu sichern.

Da Hersteller von Unix-Systemen verstärkt dazu übergehen, ihre Produkte auch OEMs anzubieten, können nun auch Softwarehäuser eher ins Systemgeschäft einsteigen. In eigener Regie vermarkten sie ein Unix-System einschließlich der Anwendungen als komplette Lösungsmaschine.

Wegen der großen Palette von Unix-Systemen haben die User eine breite Basis und können auch schon mal den Hersteller wechseln. Das Risiko ist geringer geworden.