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06.11.1987

Ideelle Wirkung zieht bei MultiNET-Schau am meisten

"Wenn man sich das Angebot an mittlerer Datentechnik und Großrechnern vor Augen führt, erkennt man leicht, daß Unix und TCP/IP noch schwach vertreten sind", konstatiert SCS-Kommunikationsexperte Gerhard Dieterle. Die auf dem MultiNET-Stand gezeigte Weit spiegele insofern nicht die betriebliche Realität wider, sondern stelle "nur" die Machbarkeit eines solchen Verbundes unter Beweis. Insofern sei es fraglich, ob die dort präsentierten Lösungen "von der Qualität sind, daß sie eins zu eins übernommen werden können". Einen praktischen Wert hingegen hat MultiNET für Alfred Läpple vom Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München, und Wolfgang Eichelberger von der BASF, Ludwigshafen, die beide bereits mit TCP/IP arbeiten. Der BASF-Mann: "Wir erhielten in Fachgesprächen wichtige Detailinformationen. Hier ging es beispielsweise darum, wie man Gateways zu herstellerspezifischen Netzen aufbaut." Läpple gab allerdings zu bedenken, daß die Funktionalität von Herstellernetzen bei der MultiNET-Schau bei weitem nicht erreicht wird. Einschränkungen müsse man in den Bereichen Netz-Management, zentrales Accounting, Terminal-Emulation und grafische Ausgabe machen. Auch für ihn standen auf dieser Multivendor-Demonstration Fachgespräche im Vordergrund.

Wolfgang Eichelberger

verantwortlich für Normen und Standards in der Abteilung lnformatik/Technologie bei der BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen

Die gesamte IBM-Welt, das heißt IBM-Rechner und BASF-Rechner, werden bei uns im Rahmen des SNA-Verbundes vernetzt, der sich auch über die Tochtergesellschaften hin erstreckt. Hier existiert kein direktes Backbone im standardisierten Sinne, sondern die Rechner kommunizieren miteinander über Standleitungen. Die Nicht-IBM-Welt ist vorwiegend mit Ethernet-Kabeln verbunden, (IEEE 802.3) und benutzt das Protokoll TCP/IP. In diesem Netzwerk sind unter anderem Computer von Bull, Data General, Digital Equipment, Hewlett-Packard und Perkin-Elmer vertreten, die teilweise unter Unix oder mit herstellerspezifischen Produkten laufen. Auf der Netzmanagement-Ebene arbeiten wir unter anderem mit Bridge-Produkten.

Das Backbone auf Glasfaserbasis wird in die Gebäude der BASF geführt und über Hirschmann-Koppler an Koaxial-Kabel angeschlossen. Angehängt sind daran etwa 30 Rechner und knapp 1000 Benutzer. Über das TCP/IP-Protokoll werden die ARPA-Dienste gefahren. Darüber hinaus kommunizieren einige Rechner mit herstellerspezifischen Netzen, so zum Beispiel mit Decnet von Digital Equipment.

Wir rechnen für die Zukunft damit, daß knapp die Hälfte der insgesamt 50 000 Mitarbeiter den Zugang zur Datenverarbeitung erhalten werden. Hier erwarten wir eine ähnliche Explosion wie beim Telefonsektor in den letzten 30 Jahren. Zur Zeit haben wir 22000 Telefonanschlüsse. Deswegen sind wir auf eine eigene Netz-Topologie angewiesen, die eine strukturierte Vernetzung zuläßt. Der von uns realisierte Rechnerverbund stellt ein zum MultiNET äquivalentes Netzwerk dar, das bei uns schon vor der CeBIT-Demonstration in diesem Frühjahr lief. MultiNET hat also insofern für uns keine Neuerungen gebracht. Wir haben in Fachgesprächen jedoch wichtige Detail-Informationen erhalten. Hier ging es beispielsweise darum, wie man von MultiNET ausgehend Gateways zu herstellerspezifischen Netzen- aufbaut. Das sind Informationen, die wir gut verwerten können. Unabhängig davon finde ich MultiNET-Demonstration sowieso eine gute Idee und habe insbesondere die Erweiterungen auf der Systems begrüßt. Die Messe ist für uns eigentlich immer der Anknüpfungspunkt für ganz neue Kontakte, während wir auf der MultiNET-Schau größtenteils schon auf "bekannte Gesichter" stoßen.

BASF wartet natürlich auch auf OSI, aber weil es das herstellerübergreifend nicht gibt, müssen wir auf Bestehendes zurückgreifen. Und TCP/IP ist ein bereits seit 15 Jahren eingeführtes Protokoll; zwar eine Übergangslösung, aber mit einer recht guten Stabilität.

Siegfried Flach

verantwortlich für die Arbeitsgruppe LAN beim Kernforschungszentrum Karlsruhe

Im Kernforschungszentrum Karlruhe sind historisch bedingt und teilweise anwendungsbezogen nahezu alle Rechner der bekanntesten Hersteller im Einsatz. Die Kommunikation dieser Rechner untereinander wird derzeit, falls erforderlich, über V.24-Terminal-Server und gängige Softwareprodukte erreicht. Die Möglichkeiten eines Ethernet-LAN werden besonders im Hinblick auf Übertragungsgeschwindigkeiten bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Durch die Verfügbarkeit von TCP/IP für zahlreiche Rechnersysteme wird das Kommunikationspektrum in unserem Unternehmen beträchtlich erweitert. Der Vorteil der MultiNET-Demonstration liegt aus unserer Sicht darin, daß durch die Präsenz der Netzwerksexperten einzelner Hersteller vor Ort entsprechende Detailfragen geklärt werden können. Dem Anwender, der durch die unterschiedlichsten herstellerabhängigen Netz-

werklösungen überfordert ist, wird demonstriert, daß TCP/IP als allgemeine Kommunikationslösung zwischen heterogenen Rechnerwelten funktioniert. Die Zeit für LAN-Anwendungen ist überreif; insofern werden derzeit auf dem Markt verfügbare Netzwerk-Lösungen zum Einsatz kommen. Hersteller und auch Anwender können es sich nicht erlauben, auf OSI-Lösungen zu warten. Und selbst wenn die OSI-Standardisierungen abgeschlossen sind, wird TCP/IP sicherlich einen wichtigen Stellenwert in der Kommunikationswelt behalten.

Dieter Erkardt

Meister in der Abteilung Entwicklung, Versuch und

Bauelemente bei Daimler-Benz, Stuttgart

Berufsbedingt interessiert mich die Vernetzungsproblematik nicht so sehr, aber ich konnte mir hier einen guten Überblick verschaffen über die Hardware-Angebote der verschiedenen Hersteller. In meiner Abteilung ist eine Aufstockung von Mikrocomputern geplant, und ich möchte die Bestellungen nach dem neuesten technischen Stand vornehmen. Auf der MultiNET bekam man gezielte Antworten auf gezielte Fragen, was ich ansonsten leider sehr vermisse. Ruft man eine Firma an, geht es eigentlich immer gleich um den Verkauf von Produkten. Auch Fachzeitschriften geben mir persönlich keine gute Hilfestellung, da die dort publizierten Informationen nicht neutral genug gehalten sind. Und die Zeit, um mehrere Blätter gleichzeitig und regelmäßig zu lesen, fehlt. Hinzu kommt, daß beim Kraftfahrzeugbau sowieso Informationsdefizite bestehen und man sich nur über persönliche Fachgespräche wirklich sachkundig machen kann. Für Bücher gilt aus meiner Sicht im übrigen das gleiche wie für Zeitschriften: Deutsche Fachbücher sind wie weiße Raben. Auf der MultiNET konnte man mir jedoch mit einem Angebot an Fachliteratur auf die Sprünge helfen. Ich denke hier besonders an Bücher, die auch meinen Mitarbeitern das nötige Grundwissen in der Informations- und Datenverarbeitung vermitteln.

Alfred Läpple

Leiter der Abteilung Kommunikationssysteme des Leibniz-Rechenzentrums der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München

In dem mit der Vernetzung heterogener Rechensysteme befaßten Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften werden neben den Zentraleinheiten (Cyber 995) zunehmend Rechner wie Minis, Workstations und PCs eingesetzt. Dazu wurde und wird im Münchner Raum ein Ethernet-Verbund aufgebaut, der bis Ende 1987 aus 4000 Metern Koax-Kabel und 9000 Metern Glasfaser bestehen soll. Die Verbindung einzelner Ethernet-Inseln geschieht über Glasfaser- und 2-MBit/s-Strecken der Deutschen Bundespost. Bis 1990 ist eine Erweiterung dieses logischen Ethernet auf alle bayerischen Hochschulen geplant. Auf Ethernet-Basis kommen zur Zeit die Protokolle TCP/IP, Decnet, Net/One, CDCNET und Novell-PC-Netzwerk zum Zuge.

In Zukunft ist ein starkes Anwachsen der TCP/IP-Protokolle zu erwarten, zumal Unix im Hochschulbereich häufig eingesetzt wird. Eine Gemeinschaftsschau wie MultiNET nun kann nicht nur die Realisierbarkeit der Planungen, sondern auch die Schwächen und fehlenden Features in einem solchen Verbund zeigen. Gespräche wurden hier vor allen Dingen über PC-Einschubkarten mit TCP/IP- und Novell-Software sowie über TCP/IP-Terminalserver, TCP/IP-X.25-Gateways, TCP/IP-Decnet-Gateways und MAC-Level-Bridges geführt. Diese Komponenten benötigen wir für den weiteren Ausbau des Ethernets mit TCP/IP-Protokollen. Die in Frage kommenden Teile werden bis Jahresende getestet, um dann eine Produktauswahl treffen zu können.

Der Anwender kann konkrete Hilfestellung bei einer MultiNET-Demonstration erwarten. Bemerkenswert ist, daß sich mit vielen Medien (Draht, Basisband, Glasfaser, Poststrecke) und Zugriffsprotokollen (Token, CSMA/CD) ein TCP/IP-Verbund realisieren läßt. Die "Connectivity" auf den beiden unteren Ebenen scheint gelöst. Man wird aber auch erkennen müssen, daß die Funktionalität von Herstellernetzen (Decnet, SNA) bei weitem nicht erreicht wird. Die Schau stellte einen lockeren Verbund von eigenständigen Rechnern dar; Lösungen für die Bereiche zentrales Netzmanagement, Accounting und Zugangskontrolle fehlten hingegen, und es ist auch nicht vorgesehen, diese Lücken bei TCP/IP-Protokollen zu schließen.

Für die Aufgaben, die das LRZ zu erfüllen hat, ist TCP/IP eine Übergangslösung für die OSI-Normen. Bis diese aber auf vielen Ebenen einsetzbar sind, vergehen sicher noch drei bis vier Jahre. Der Vorteil der jetzigen Lösung liegt darin, daß die Verkabelungsstruktur und die Hardware beim Einsatz der OSI-Protokolle erhalten bleiben kann; es muß "nur" die Software ausgetauscht werden. Wer jetzt heterogene Rechner mit der Funktionalität der TCP/IP-Protokoll-Familie vernetzen will oder muß, kann dies sofort tun, ohne später auf die OSI-Protokolle verzichten zu müssen.

Von den neuen Diensten, die jetzt aufsetzend auf den neuen TCP/IP-Protokollen verwirklicht werden können, sind in unserer Betriebsumgebung Stapelverarbeitung und das Netzdatei-System (NFS) von Interesse. Vor dem Einsatz muß jedoch kritisch deren Realisierungsmöglichkeit untersucht werden, solange kein zentraler Zugriffs- und Accounting-Server im Netz vorhanden ist.

Meine spezielle Zielsetzung war es, sich auf der Gemeinschaftsschau die Funktionalität und Leistungsfähigkeit der Kopplung zwischen den einzelnen Systemen demonstrieren zu lassen und diese kritisch mit Netzwerk-Lösungen von herstellerabhängigen Netzen zu vergleichen. Einschränkungen gibt es - wie schon erwähnt beim Netz-Management und dem zentralen Accounting, aber auch der Terminalemulation und der grafischen Ausgabe.

Gerhard Dieterle

Abteilungsleiter für Kommunikationstechnik bei SCS, München

Die Bedeutung solcher Demonstrationen wie der MultiNET-Schau liegt meiner Auffassung nach hauptsächlich in der Bestätigung, daß der Trend zu ISO und zu offenen Kommunikationslösungen tatsächlich nachvollziehbar ist, wie eben andere Techniken trotz erheblicher Zweifel auch realisiert worden sind. Man denke hier zum Beispiel an die Satellitenkommunikation. In dieser ideellen Wirkung liegt der viel größere Wert als in der praktischen Ausführung der demonstrierten Dienste, da sowieso von jedem Unternehmen erst mal untersucht werden müßte, ob der zu fahrende Dienst in seinem Funktionsumfang ausreicht, beziehungsweise ob er auf die jeweilige Problemstellung zugeschnitten ist. Man muß ja auch berücksichtigen, daß es sich bei der auf dem MultiNET-Stand gezeigten Welt um eine TCP/IP-Welt handelt, die de facto in den Unternehmen noch nicht so sehr verbreitet ist, Beherrscht wird der Markt heute noch von den "Proprietary"-Lösungen der großen Unternehmen. Wenn man sich deren Angebot an mittlerer Datentechnik und Großrechnern vor Augen führt, erkennt man leicht, daß Unix und TCP/ IP noch schwach vertreten sind.

Wenn in den Unternehmen die Abteilungen genügend Freiheit haben, ihren eigenen informationstechnischen Kurs zu bestimmen und nicht an Richtlinienkompetenzen gebunden sind, hat TCP/IP sicherlich eine größere Chance.

Wir haben ja seit einiger Zeit am Markt einen Trend zu offenen Kommunikationslösungen. Dieser wird nicht nur durch die Multivendor-Demonstrationen MultiNET deutlich, sondern auch durch das hohe Interesse an neuen Standards, Netzen und Normierungsgremien wie ISDN, LANs, Emug, TOP oder ISO. Die Realisierung einer offenen Welt auf TCP/IP-Basis ist eine Möglichkeit, wie man sich dem gewünschten Zustand annähern kann, jedoch wird das sicher nicht die letzte Variante bleiben. Jede Lösung, die in Richtung einer offenen Kommunikationstechnik geht, wird am Markt ziemlich gut aufgenommen, zumindest ideell. Ob man einen solchen Verbund auf TCP/IP-Basis tatsächlich realisieren kann, hängt natürlich davon ab, welche Maschinen in einer bestimmten Umgebung überhaupt gefahren werden. Es ist fraglich, ob die im Rahmen der von MultiNET präsentierten Lösungen von der Art und der Qualität sind, daß sie eins zu eins von den Anwendern übernommen werden können.