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28.02.1997 - 

Saarbrücker Softwareschmiede bereitet Börsengang vor

IDS will weiteres Wachstum durch Globalität absichern

"Wir wollen unter Beweis stellen, daß das, was in den USA möglich ist, auch in Deutschland funktioniert - und zwar nicht in einer universitären Hochburg, sondern mitten in der tiefsten Provinz", begründete IDS-Gründer und Hauptgesellschafter August-Wilhelm Scheer anläßlich der Bilanzpressekonferenz 1996 die ehrgeizigen Pläne des Unternehmens. Der Saarbrücker Professor für Wirtschaftsinformatik sprach damit vor allem die Tatsache an, daß es ihm und seinen Mitstreitern in den vergangenen zwölf Jahren seit Gründung des Unternehmens häufig gelungen ist, wissenschaftliche Projekte beziehungsweise deren Ergebnisse samt Mitarbeitern zu "kommerzialisieren". Dabei will man sich nun noch stärker global orientieren.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1996 konnte IDS ein rasantes Wachstum verzeichnen. Der Umsatz kletterte um 47 Prozent auf über 88 Millionen Mark. Das Geschäft im Ausland hat sich mit 43 Prozent der gesamten Einnahmen nahezu verdoppelt - ein Ergebnis der schon vor gut einem Jahr eingeleiteten Internationalisierungsstrategie. Allein im vergangenen Jahr wurden IDS-Niederlassungen in Frankreich, der Schweiz, Südkorea, Südafrika und Brasilien eröffnet. Die US-Tochter IDS Scheer Inc. trug bereits mit umgerechnet rund 8,6 Millionen Mark zum Gesamtumsatz bei und bilanzierte, wie IDS-Geschäftsführer Alexander Pocsay betonte, eine "schwarze Null".

Sowohl Scheer als auch Pocsay werteten die ersten internationalen Gehversuche des Unternehmens als Voraussetzungen für die erfolgreiche Positionierung auf dem Weltmarkt. Wer sich nicht global aufstelle, werde von der Konkurrenz "über kurz oder lang auch auf dem heimischen Markt verdrängt", führte Scheer weiter aus. Aus diesem Grund wurde eine Konsolidierungspause verschoben; zumindest soll noch 1997 von Südkorea aus der japanische Markt in Angriff genommen werden.

Neben der globalen Ausrichtung des Unternehmens nannte der IDS-Chef den Wandel von einer "Ein-Produkt- zu einer Mehr-Produkt-Company" als künftige zentrale Herausforderung. Denn noch immer segeln die Saarbrücker nach Auffassung der meisten Insider hauptsächlich im Kielwasser der SAP - auch wenn IDS-Angaben zufolge alle Geschäftsbereiche nennenswert zum Gesamtergebnis beigetragen haben. So erhöhten sich die Produkterlöse um 35 Prozent auf 35 Millionen Mark und hatten damit einen Anteil am Umsatz von 41 Prozent. Die Geschäftsbereiche SAP Competence Center, IDS Consulting und IDS Applications generierten mit Services 55 Prozent der Einnahmen, was einer Steigerung um 65 Prozent entspricht. Vier Prozent des Umsatzes wurden mit Schulungen erwirtschaftet.

Künftig wolle man sich, wie Scheer erläuterte, im Produktbereich stärker als bisher von Anbietern wie SAP, Baan und Peoplesoft differenzieren, was allerdings keine Konkurrenz zu besagten Herstellern bedeuten soll. Im Mittelpunkt der Entwicklungsarbeiten stand daher zuletzt ein umfassendes Angebot für ein ganzheitliches Geschäftsprozeß-Management, das zu einem Großteil schon zur diesjährigen CeBIT präsentiert werden soll. Dabei handelt es sich im wesentlichen um Workflow-integrierte beziehungsweise -steuernde Ergänzungen des "Aris Toolset", eines Systems zur Modellierung von Geschäftsprozessen, das künftig als sogenanntes Framework eine Reihe von Branchenlösungen und/oder eine Standardsoftware wie etwa R/3 integrieren soll. Der Einsatz einer solchen Lösung erspare dem Anwender eine langwierige Erfassung und Analyse der Grundanforderungen an ein System wie R/3 und die Auswahl der für seine Belange wichtigen Geschäftsprozesse, hieß es.

Vor allem der immense Aufwand in der Entwicklung ist, wie Scheer betonte, neben der globalen Ausrichtung der Company hauptsächlicher Grund für das in der zweiten Jahreshälfte 1998 ins Auge gefaßte "Going Public". Mehr als die Hälfte der rund 170 Mitarbeiter umfassenden Entwicklungsmannschaft arbeite derzeit an Projekten, "die in absehbarer Zeit keinen Umsatz bringen". Die hohen Investitionskosten und das weitere Wachstum könnten daher nicht mehr wie bisher "von innen" finanziert werden. So sieht der Business-Plan für das laufende Geschäftsjahr eine Steigerung des Umsatzvolumens auf 130 Millionen Mark sowie eine Erhöhung der Zahl der Mitarbeiter von derzeit 540 auf etwa 700 vor.

Trotz der Anlaufkosten für die Expansion ins Ausland habe man, so der IDS-Chef, das Geschäftsjahr 1996 mit einem Ertrag von rund zehn Prozent des Umsatzes abgeschlossen. Noch für 1997 sei die Umwandlung des Unternehmens in eine AG bei gleichzeitiger Namensänderung in IDS Scheer AG vorgesehen; in der ersten Jahreshälfte 1998 soll die Emission in Deutschland erfolgen. Über eine gleichzeitige Plazierung an der US-Computerbörse Nasdaq sowie die Details des Börsengangs wolle man in den nächsten Wochen "in Ruhe nachdenken und entscheiden".