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07.12.1984 - 

Individuelle Datenverarbeitung in einem Energieversorgungsunternehmen:

IDV darf nicht zum Selbstzweck werden

07.12.1984

Der Trend zur Individuellen Datenverarbeitung (IDV) wird stärker, meint Rudolf Sichler von der Pfalzwerke AG, Ludwigshafen. IDV bedeutet dabei, daß der Endbenutzer mittels geeigneter Werkzeuge und Verfahren seine Software selbst produzieren kann. Die Pfalzwerke nutzen IDV.

Individuelle Datenverarbeitung (DV) oder Personal Computing (PC) bedingt dreierlei:

1. Der Endbenutzer erstellt Software, um seine eigenen Aufgaben besser und rationeller erfüllen zu können.

2. Ihm steht hierzu Rechnerleistung am Arbeitsplatz zur Verfügung, und

3. er kann auf Endbenutzer orientierte Werkzeuge und Methoden zurückgreifen.

Der erste Punkt ist an sich kein Novum. Seit den Ingenieuren in den Energieversorgungsunternehmen Computer zur Verfügung stehen, erstellen sie damit auch Programme. Auch die Rechnerleistung am Arbeitsplatz - zumindest was das Konzept der virtuellen Maschinen betrifft - ist nichts ganz Neues mehr. Neu ist jedoch, daß die sehr günstige Preisi/Leistungs-Relation es wirtschaftlich möglich macht, die Rechnerleistung einem breiten Kreis von Anwendern zur Verfügung zu stellen.

Entscheidend für die augenblickliche Verbreitung der IDV sind jedoch die ständig erweiterten und verbesserten Werkzeuge und Methoden, die dem Anwender zur Lösung seiner Aufgaben zur Verfügung stehen. Erst sie ermöglichen es dem Endbenutzer, mit seiner knappen Zeit und ohne langwierige Einarbeitungsphase Individuelle Datenverarbeitung am Arbeitsplatz zu nutzen.

Was sind nun die Gründe für den Endanwender im Energieversorgungsunternehmen, IDV zu betreiben?

Sehr oft beziehen sich Aussagen darüber auf den allseits bekannten Anwendungsstau sowie die großen Projektlaufzeiten. Sicherlich - in vielen Unternehmen ist die Bugwelle, die der EDV-Dampfer vor sich herschiebt, beachtlich. IDV hat sich allerdings auch in Unternehmen etabliert, die den Anwendungsstau unter Kontrolle halten, und große Projektlaufzeiten sind für die Entwicklung von DV-Systemen typisch, welche sehr viele Bereiche eines Unternehmens berühren und somit eigentlich kein Thema für IDV sind

Die wesentlichen Gründe sind jedoch:

- Es gibt eine ganze Reihe von Arbeitsplätzen, an denen arbeitsplatzspezifische Daten entstehen und verarbeitet werden. Hierfür ist kaum ein anderes DV-Verfahren als IDV sinnvoll,

- Vor allem im Planungsbereich entstehen komplexe Fragestellungen, die in kürzester Zeit beantwortet werden sollen, deren Beantwortung einschneidende Folgen haben kann, und die vielleicht nur einmal in dieser Form gestellt werden. Hier wird IDV zur Notwendigkeit.

- In vielen Bereichen kommt es aufgrund der Fachspezifika zwangsläufig zu Verständnisproblemen zwischen Allzweek-DV-Kraft und Fachkraft, was unter Umständen die Problemlösung in Frage stellen kann. IDV kennt dieses Problem nicht.

Des weiteren wird der Trend zur IDV noch dadurch verstärkt, daß heute zum einen eine Vielzahl von Hochschulabsolventen gelernt hat, Fachprobleme mit DV zu lösen und zum anderen eine adäquate Technologie zur Verfügung steht.

Folgende Aufgaben werden bei den Pfalzwerken im technischen Planungsbereich ganz oder teilweise mit IDV unterstützt:

- Berechnungen von Betriebsmitteln (Anlagenkomponenten, Leitungen, etc.)

- Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen (zum Beispiel Investitionsalternativen)

- Prognoserechnungen (Absatzentwicklung, Investitionsverhalten, etc.)

- Optimierungsrechnungen (Energieeinsatz)

- mathematische Statistik (beispielsweise Stichprobenauswertungen)

- beschreibende Statistik (zum Beispiel Lastentwicklung in bestimmten Versorgungsbereichen)

- Präsentationsgrafik

Das Typische an vielen dieser Anwendungen ist, daß sie keine geschlossenen DV-Anwendungssysteme darstellen, sondern oft nur Teile einer Planungsaufgabe abdecken IDV darf nicht zum Selbstzweck werden, sondern ist ein Werkzeug für den Planer, das ihn im Bedarfsfall schnell und flexibel bei der Problemlösung unterstützt.

Dem Planungsingenieur bei den Pfalzwerken stehen zwei alternative Möglichkeiten zur Verfügung, Rechenleistung am Arbeitsplatz zu nutzen:

1. APL Arbeitsplätze

2. Personal Computer

APL wird schwerpunktmäßig in der Abteilung Energiewirtschaft eingesetzt. Hier wurden in APL Planungsmodelle und Informationssysteme entwickelt, die relativ große Datenmengen und sehr viel Rechenleistung benötigen. Die Daten hierzu werden mit Hilfe von Schnittstellenprogrammen aus den verschiedenen Dateien der kommerziellen DV zur Verfügung gestellt. Ein Berichtsgenerator ermöglicht die spontane und schnelle Auswertung der unter APL verwalteten Datenbestände. Für die Erzeugung von Grafiken aus APL wird Graphpak eingesetzt. Mit Hilfe von TAB-VS wurde ein System entwickelt, welches es ermöglicht, die innerhalb eines Betrachtungszeitraumes abgegebene Energie auf verschiedene Unterstrukturen des Versorgungsgebietes aufzuteilen.

Im Bereich Grundsatzplanung technische Organisation und technische Datenverarbeitung wird neben APL ein Personal Computer eingesetzt. Die Kommunikation mit dem Großrechner erfolgt analog einem

lokalen Termin der Reihe 3278/3279. Hierdurch ist es einmal möglich, den PC als Terminal zu nutzen, andererseits kann man vom Hostrechner CMS Dateien auf den PC transferieren, und umgekehrt, im PC erzeugte Dateien im Host als CMS Dateien ablegen. Der Einsatz von Personal Computern bringt vor allem dann Vorteile, wenn die Anwendungen hochgradig interaktiv ablaufen. Die offene Konzeption ermöglicht es, ein breites Spektrum von Peripheriegeräten wie Meßgeräte oder Magnetbandkassettenlesern anzuschließen. Gerade auch für die Grafik mit dem PC existiert ein fast unüberschaubares Angebot an preiswerten Geräten.

Genutzt wird der PC für Prognoseberechnungen, mathematische und beschreibende Statistik, Präsentationsgrafik und die Berechnung von Betriebsmitteln. Er dient ebenfalls als Softwareentwicklungsplatz für die bei den Pfalzwerken in der Meßtechnik und der Anwendungstechnik eingesetzten Systeme.

Individuelle Datenverarbeitung ist ein Vehikel für den einzelnen Planer, um seine Aufgaben besser und rationeller zu erfüllen. Sie ist deshalb so wirkungsvoll, weil sie dem Einzelnen die Möglichkeit bietet, seine Arbeitsmethodik und seinen Stil auf die IDV zu transformieren und dadurch effektiver zu arbeiten.

Gerade hierin liegt jedoch auch eine Gefahr. Die Gefahr nämlich, daß das sprichwörtliche Rad mehrmals erfunden beziehungsweise programmiert wird. Schlimmer noch ist es, wenn aufgrund der Vielfalt der eingesetzten Systeme durch gegenseitige Unverträglichkeit kein Weg daran vorbeiführt. Hier ist deshalb ein unternehmensweites Konzept gefordert, das zwar die spezifischen Anforderungen der einzelnen Arbeitsplätze berücksichtigt, jedoch Rahmenrichtlinien für Systemauswahl und den Einsatz von Standardsoftware enthält. Sehr nützlich kann auch ein Erfahrungsaustausch zwischen den IDV-Nutzern sein.

Problematisch kann vor allem der Einstieg in die IDV sein. Einerseits gilt es den potentiellen IDV-Nutzern die Schwellenangst zu nehmen, andererseits sollte man nicht verheimlichen, daß ein nicht zu unterschätzender Lern- und Arbeitsaufwand notwendig wird, bevor IDV am eigenen Arbeitsplatz auch wirklich den Nutzer bringt, den man sich verspricht. Ein auch bei den Pfalzwerken bekanntes Symptom ist, daß die anfängliche IDV-Euphorie schnell abklingt, wenn man doch einiges an Zeit und Elan aufwenden muß, um auch komplexere Probleme selbst zu lösen. Hier kann dann oftmals nur ein Benutzerservice weiterhelfen. Bei den Pfalzwerken übernimmt diese Funktion im technischen Bereich die technische Datenverarbeitung quasi nebenamtlich. Für eine größere Anzahl von IDV-Nutzern ist Benutzerservice jedoch zweifelsohne eine lohnende Vollzeitbeschäftigung.