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23.02.1990 - 

Kurzlebige Aufgaben kann der Anwender selbst übernehmen, aber

IDV heißt auf keinen Fall individuelle Dateiverwaltung

Ad-hoc-Probleme werden heute in vielen Unternehmen mit Hilfe der "individuellen Datenverarbeitung" (IDV) gelöst. Das bedeutet allerdings nicht, daß jede Abteilung für sich klärt, welche Werkzeuge benutzt und welche Daten kopiert werden. Peter Kaps* erläutert am Beispiel der Stuttgarter Robert Bosch GmbH die Vorteile und Risiken der IDV.

*Peter Kaps ist Geschäftsbereichsleiter Focus bei der Roland Berger & Partner GmbH International Systems Consultants, München.

lm Jahre 1982 wurde die individuelle Datenverarbeitung bei Bosch eingeführt. Die DV-Gesamtstrategie sollte den IDV-Einsatz nicht auf kleinere Anwendungssysteme begrenzen; Ziel war es vielmehr, Informationssysteme zu schaffen, die von den operativen DV-Systemen zwangsläufig und planmäßig versorgt werden und auf die der Anwender einfach und problemspezifisch zugreifen kann.

Auf diese Weise sollte Wildwuchs in Form individueller Dateikopien und entsprechender Redundanz von vornherein vermieden werden. IDV heißt "lndividuelle Datenverarbeitung" und nicht etwa "lndividuelle Dateiverwaltung".

Ein Bosch-interner Erfahrungsbericht definiert die wesentlichen Einsatzgebiete der IDV-Aufgaben wie folgt:

- Ad-hoc-Probleme, die schnelle Ergebnisse erfordern;

- Aufgabenstellungen mit komplexem fachlichen Hintergrund, teilweise experimenteller Lösungsansatz, um Erfahrungen für die endgültige Lösung zu sammeln;

- wenige Benutzer, geringes Datenvolumen, sporadische Benutzung;

- Aufbau von Informationsdatenbanken, Ersatz der periodischen Listenausgabe durch Bereitstellung von Abfragesprachen und Berichtsgeneratoren für Analyse und Aufbereitung.

Diese Merkmale werden offensichtlich von vielen Aufgaben erfüllt. Heute setzen bereits über 1000 Endanwender für ihre Reports und Ad-hoc-Abfragen das 4GL- und Datenbank-Management-Produkt Focus ein, mit dem die Robert Bosch GmbH ihre IDV in die allgemeine DV integriert. Zur Zeit kommen jedes Jahr etwa 200 weitere Anwender dazu.

Beispiele für den Einsatz sind vielfältige Kontroll- und Überwachungsfunktionen, die heute nicht mehr vom operativen DV-Bereich abgedeckt werden müssen. Bevor Bestellungen an den Lieferanten hinausgehen, prüfen die zuständigen Abteilungen eventuelle Ausreißer anhand der Fragen: Wie hoch ist die Eindeckung? Und: Ist Zieleindeckung erreicht? Überprüft wird ebenfalls, wie sich die Kosten zum Erlös verhalten, wo die Ausreißer in der Qualitätssicherung sowie die nichtgängigen Bestände zu suchen sind und welche Kostenstellen ihre Budgets überschreiten.

Das Schwergewicht der Anwendungen liegt bei der Auswertung bereitgestellter Informationen und bei der Planungsunterstützung (Analyse, Prognose, Alternativrechnungen) einschließlich der Soll-Ist Vergleiche. Früher führten solche Problemstellungen zu umfangreichen Listen, heute werden sie durch Ad-hoc-Abfragen gelöst und entsprechend den Erfordernissen in Sekundenschnelle aufbereitet.

Anwender formulieren die Aufgaben selbst

Fortgeschrittene Anwender entwickeln auch eigene Verarbeitungskomplexe. Das gilt insbesondere für das Controlling und die Materialwirtschaft, aber auch für die Qualitätskontrolle und für Planungsaufgaben im Rahmen der Vertriebsabwicklung. Dazu Reinhard Borchers Leiter der Abteilung DV-Organisation und Programmierung: "Wir produzieren bei diesen spezifischen Aufgabenstellungen fast keine Listen mehr. Das macht heute die Fachabteilung selbst - soweit sie diese Listen überhaupt noch braucht."

Die operative DV baut planmäßig und systematisch Datenbestände auf, die den Anwender in die Lage versetzen, seine Berichte zu erzeugen. Ad-hoc-Abfragen formuliert der Anwender selbst. Für regelmäßige Abfragen stellen die Mitarbeiter des Benutzerservice oder der zentralen DV den Fachabteilungen fertige Anwendungen zur Verfügung. Diese Aufgabe wird häufig auch schon von erfahrenen Programmierern der Fachbereiche übernommen.

Für die Verantwortlichen bei Bosch ist es wichtig, daß die IDV-Datenbestände eine fachabteilungsorientierte Inhaltsbestimmung aufweisen. Die operativen Datenbestände müssen so verdichtet werden, daß Fachabteilungen die Daten einfach auswerten können. Dadurch ergibt sich für die zentrale DV zwangsläufig eine Einbindung in die Ermittlung des Informationsbedarfs sowie in die Abläufe der einzelnen Fachabteilungen.

Die PC-Version von Focus spielt heute noch eine begrenzte Rolle. Eine Ursache liegt in der Größe der Datenbestände und vieler Benutzergruppen. Die Speicherung auf einem PC würde zu Redundanzen und Zugriffszeitproblemen führen.

Außerdem kann für Daten auf dem PC keine automatische Datenpflege sichergestellt werden. Bei Anwendungsproblemen auf dem Host kann sich der Benutzerservice "aufschalten" und die Abfrage und das Ergebnis überprüfen. Aber das gilt eben nur für den Host. Bei PC-Problemen ist das Sache des Anwenders selbst, es sei denn jemand "vor Ort" unterstützt ihn - mit entsprechendem Zeitaufwand und Entfernungsproblemen.

Darüber hinaus kann sich der Host-Anwender selbst tabellarisch Verdichtungsbegriffe zuordnen. Werden diese Verdichtungsbegriffe geändert, kann das Berichtswesen von der Datenverarbeitung teilweise rückwirkend für ein oder zwei Jahre angepaßt werden. Damit ist eine vergleichende Betrachtungsweise möglich. Zieht der Anwender sich aber die Daten auf den PC ab, dann muß er das selber machen.

Reinhard Borchers will allerdings nicht ausschließen, daß in absehbarer Zeit zu anderen Verfahren übergegangen werden muß. Die Host-Belastung sollte auf mittlere Sicht reduziert werden, um den Anwendungszuwachs aufzufangen. "Die kleineren Informationsdatenbanken mit einer oder wenigen Benutzergruppen werden in endbenutzergruppenbezogene Auszüge aufgeteilt, die dann auf einem PC-Network liegen", so die Prognose des Abteilungsleiters.

Tatsächlich ist es beachtlich, was auf der Hostseite derzeit an Informationen zur Verfügung steht. Den Anwendern werden über 14 Volumes 3380-Plattenlaufwerke angeboten. Das sind Informationsdatenbanken im Gigabyte-Bereich. Zur Auswertung großer Datenbestände will man prüfen, ob mit DB2 die Performance verbessert oder der Ladeaufwand reduziert werden kann. Erläutert Borchers: "Bei weniger stark frequentierten operativen Datenbeständen wollen wir die redundante Speicherung für IDV-Aufgaben aufgeben. Wir werden dann sowohl mit IMS-DC für Update und Einzelsatzverarbeitung als auch mit Focus SQL für die Ad-hoc-Abfrage auf DB2 zugreifen. +