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14.12.1979 - 

Was ist eigentlich ein Informationssystem?

IFIP Arbeitsgruppe analysiert ein- und rückwirkende Faktoren

BONN - "Das Umfeld von Informationssystemen" lautete das Thema einer Konferenz, das die Arbeitsgruppe 8.2 - Arbeitsgegenstand: "The Interaction of Information Systems and Organizations" - innerhalb des Technischen Komitees der International Federation for Information Proceedings (IFIP) im Sommer 1979 veranstaltete. Konrad Supper, Mitarbeiter der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung, Bonn, und Angehöriger des Konferenz-Komitees, versucht im folgenden "einen ganz subjektiven Eindruck von der Konferenz so objektiv wie möglich darzustellen" (Supper).

Ausgangspunkt waren die folgenden Überlegungen:

Wir befinden uns am Beginn einer aufregenden neuen technologischen Revolution. Deren Bedeutung wurde bereits von breiten Bevölkerungsschichten erkannt und führte zu ausführlichen und teilweise erregten Debatten. Diese Diskussionen dauern an und sind ein Anzeichen für die Aktualität des gewählten Themas.

Worum geht es?

Die Hardwarekosten fallen ständig. Computer-gestützte Informationssysteme lassen sich daher immer leichter auf der Basis einer Kostenrechnung rechtfertigen. Gleichzeitig integrieren die Hersteller und Entwickler immer mehr Leistungen in ihre Produkte, so daß sie mit immer geringeren Vorkenntnissen genutzt werden können und ständig zuverlässiger werden.

Informationsverarbeitung: Lebensnerv und Achillesferse

Das wiederum führt dazu, daß Computer in steigender Zahl in Wirtschaft und Verwaltung eingesetzt werden. Computer-Systeme wachsen in die Organisation hinein, entwachsen der alleinigen Verfügungsgewalt von DV-Spezialisten und DV-Zentren.

Zugleich tauchen neue Probleme auf. Computer-gestützte Informationsverarbeitung wird zum Lebensnerv der Organisationen, vielleicht aber auch zu ihrer Achillesferse.

Zwar wird die Technologie ständig leistungsfähiger, zuverlässiger und billiger, aber zugleich wächst das Bewußtsein dafür, daß wir die lmplementierung derartiger Systeme noch nicht genügend beherrschen. Vier Jahre Differenz zwischen einem Entscheid für die Implementierung und der Übernahme in den Alltagsbetrieb sind keine Seltenheit.

Die am häufigsten auftretenden begrenzenden Faktoren sind: Gesetzgebung, organisationstechnische Fragen, organisationspolitische Fragen, menschliche Faktoren, Beteiligung Dritter. Dies alles sind überwiegend nicht-technische Faktoren.

Es ist das erklärte Ziel der Arbeitsgruppe 8.2, ein Verständnis für die Bedeutung und Wirkungsweise dieser begrenzenden (Umwelt-)Faktoren zu entwickeln und diese Erkenntnis zu verbreiten. Es soll versucht werden, Entwurfstechniken, Verfahren - und Hilfsmittel anzubieten, die es erlauben, diese Faktoren rechtzeitig zu erkennen und angemessen zu berücksichtigen. Aber noch steckt unser Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Informationssystemen und Umwelt-Faktoren in den Kinderschuhen. Es gibt höchstens in den ersten Anfängen so etwas wie einen anerkannten "state of the art" für Entwurf und Betrieb von Informationssystemen.

Ziel der Tagung war es, die verschiedenen Gruppen von Interessierten und Betroffenen zu einem Gedankenaustausch zusammenzuführen. Sie sollten vor allem zwei Fragen diskutieren: Welche Umweltfaktoren haben einen maßgebenden Einfluß auf die Entwicklung und Effektivität eines Informationssystems? Welche Faktoren der Umwelt werden durch die Einführung eines Informationssystems wesentlich geändert?

Nun da die Konferenz vorbei ist, stellt sich die Frage: "Was haben wir gelernt?" oder etwas vorsichtiger: "Was haben wir gehört?"

Klarer geworden sind wohl die Standpunkte der mehr technisch orientierte Teilnehmer im Gegensatz zu denen der Teilnehmer, die Schwerpunkte setzen im Bereich der Wirkung von Informationssystemen auf Organisationen, die Gesellschaft als Ganzes oder auch den Einzelnen.

Einigkeit bestand in der Einschätzung daß die Zukunft von Informationssystemen aufgrund der probleminhärenten Komplexität heute noch nicht voll zu erfassen ist. Computer-gestützte Informationssysteme werden zunehmende Bedeutung in unserer Gesellschaft gewinnen. Sie werden Organisationsstrukturen, das Verhalten von Managern, den Arbeitsplatz des Einzelnen stark verändern.

Wir müssen uns der Herausforderung stellen, eine fast unendliche Vielzahl unterschiedlicher Systeme "in den Griff zu bekommen". Es ist unsere Aufgabe, die Auswirkung der Einführung oder Änderung derartiger Systeme im voraus abzuschätzen, wenn möglich zu bestimmen Anerkannt ist wohl die Notwendigkeit, die Entwicklungsaufgabe zu differenzieren und zu verteilen, um die Probleme der Komplexität, der Abstimmung organisatorischer und technischer Fragen zu lösen.

Hierbei wird die Frage zu klären sein wie der (meist auftretende) Konflikt zwischen dem Bestreben des Managements strategische Planung nach der Top down-Methode zu behandeln und der Beteiligung von Benutzern anzugehen und letztlich aufzulösen ist.

Fragen der Partizipation sind in dieser Konferenz so häufig behandelt worden wie wohl kein anderes Thema. Letztlich ist dann die Frage "Was ist Partizipation?" wohl doch offen geblieben. Aufgeworfen wurden auch die Fragen, wann Partizipation zur Manipulation wird und welche Rolle "Systementwerfer" in einem partizipatorischen Systementwurf spielen oder spielen sollten.

Die unterschiedlichen Diskussionen haben auch hinsichtlich zweier weiterer Begriffe stark abweichende Auffassungen gezeigt: Mit dem zunehmenden Zusammenwachsen der konventionellen DV, der Datenfernverarbeitung, der Verarbeitung von Texten, Bildern und sogar der Stimme wird es extrem schwierig zu bestimmen, wo die Grenzen der Diskussion bei einer derartigen Tagung liegen sollen.

Wo schon der Begriff des Informationssystems umstritten ist, wird es fast unmöglich, die Grenzen zwischen formellen und informellen Systemen und deren Bedeutung festzuschreiben.

Daraus resultiert, daß die Frage offen blieb, wie "der" Entwurf eines Informationssystems letztlich auszusehen habe. Nicht nur die Aufgaben eines Systementwerfers blieben umstritten, auch deren Eingliederung in die Organisationsstruktur blieb offen.

Nur angerissen wurden die Fragen, welchen Einfluß Gesetzgebung und Regierung auf den Entwurfsprozeß haben und haben sollen.

Noch ist die Frage ungelöst, welche Hilfsmittel für den Systementwurf objektiv wünschenswert sind, wer sie entwickelt und wie dies zu tun ist.

Informationsreiche und informationsarme Länder

Wir müssen versuchen, die Effektivität der unterschiedlichen Entwurfsansätze nachzuweisen. Nur so wird es gelingen, auch skeptischen Managern die Genehmigung für ihren Einsatz abzuringen.

Langfristig werden wir uns auch fragen müssen, welche Bedeutung die erwarteten Änderungen für unser Privatleben und für die "große Politik" haben werden. Für welche Gesellschaft erziehen wir unsere Rinder, welche Wertmaßstäbe werden in Zukunft gültig sein? Sind wir dabei, die Kluft zwischen industrialisierten und anderen Staaten durch die Kluft zwischen informationsreichen und informationsarmen Staaten zu ersetzen?

Zur Lösung dieser Fragen ist sicher noch ein weiter Weg. Vielleicht hat diese Tagung dazu beigetragen, die Probleme bewußt werden zu lassen. Sicher hat sie geholfen, den zu ihrer Lösung notwendigen Gedankenaustausch ein Stück weiterzubringen.