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30.07.1982

Ifo untersucht Gefahr einer "technologischen" Arbeitslosigkeit:Diskussion über Mikroelektronik verstärkt sich

MÜNCHEN (cmd) - Die forcierte Anwendung der Mikroelektronik ist nach Ansicht des Münchener Ifo - Instituts unabdingbar, wenn die westlichen Industrieländer Wohlstand und soziale Errungenschaften aufrechterhalten wollen. Für die Bundesrepublik heiße das, sich konsequent dem technologischen Wettbewerb mit anderen Staaten - insbesondere mit den USA und Japan - zu stellen und eine ebenso konsequente Technologie - und lnnovationsstrategie zu verfolgen.

Zu diesem Fazit kommt das Wirtschaftsforschungsinstitut in einer Analyse, die sich mit der Gefahr einer technologischen Arbeitslosigkeit durch mikroelektronische Anwendungen beschäftigt. Insgesamt wurden über 40 Produktbereiche, in denen die Mikroelektronik eine Rolle spielt, unter Produktivitäts-, Produktions- und Beschäftigungsaspekten untersucht. Diese Sektoren umfassen etwa 15 Prozent der Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie.

Angesichts des schwächer werdenden Wachstums in den achtziger Jahren sei bei den Herstellern mikroelektronischer Produkte nicht mit einer Ausweitung der Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Es kommt aber laut Ifo auch nicht zu einer weiteren Reduzierung der Arbeitsplätze.

In den Bereichen, in denen Hauptfunktionen eines Produkts durch mikroelektronische Lösungen ersetzt wurden, sei der Substitutionsprozeß bereits abgeschlossen. In den Sektoren, in denen Nebenfunktionen mit Hilfe der Mikroelektronik ersetzt, erweitert oder technisch erst möglich würden, vollziehe sich der technische Wandel eher kontinuierlich.

Im Hinblick auf die Produktivitätsentwicklung prognostiziert Ifo für die Hersteller von Produkten mit Elektronikhauptfunktionen stetige, überdurchschnittliche Zuwachsraten. Dieser Trend gelte auch für Güter, bei denen ein Übergang auf eine Elektronikhauptfunktion erfolgt ist oder noch erfolgt. Keine nennenswerten Produktivitätsänderungen ergeben sich dagegen bei Produkten mit Elektroniknebenfunktionen.

Für die Anwender mikroelektronischer Funktionslösungen zeichnet sich nach der Untersuchung des Instituts ein hohes Maß an Produktivitätsfortschritten ab. Dieses Wirkungspotential werde aber durch das organisatorische Vermögen der Betriebe sowie durch wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen begrenzt und gesteuert. Dies bremse die Verbreitungsgeschwindigkeit der Mikroelektronik und schwäche zugleich mögliche Folgewirkungen für die Beschäftigten ab.

Für die Zukunft ist nach Meinung von Ifo damit zu rechnen, daß die organisatorischen Bedingungen in den Unternehmen sowie das zunehmende Arbeitskräfteangebot die Einführung von neuen Technologien noch mehr als bisher beeinflussen. Die sich abzeichnenden Beschäftigungsprobleme würden zunehmend zum Gegenstand von Tarifauseinandersetzungen.

Insgesamt erwarten die Ifo - Experten eine verstärkte Diskussion über die Folgewirkungen der Mikroelektronik in allen Industrieländern. Es stimme allerdings mehr als nachdenklich, daß Japan, die USA und auch Frankreich dem technischen und sozialen Wandel offenbar wesentlich aufgeschlossener gegenüberstünden als die Bundesrepublik.