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01.02.1985 - 

Köln auf der Suche nach einer bedarfsorientierten Infrastruktur

IHK animiert Bundespost zu Pilotversuchen

KÖLN (pi) - Eine bedarfsorientierte Infrastruktur für den Bereich neuer Dienstleistungen der Bundespost wünscht sich die Industrie- und Handelskammer Köln. Überbringer dieses Anliegens ist die Studie "Kommunikationsbedarf im Kölner Raum" der Beratungsgruppe Telematic-Consult. Ziel der IHK-Initiative ist es, die Postler zunächst einmal zu Pilotversuchen in der alten Stadt am Rhein zu verlassen.

Im einzelnen kommt die Studie zu folgenden Ergebnissen:

- Mehr als drei Viertel der Unternehmen verfügen über konkrete Planungsprojekte, die neue Lösungen im Hinblick auf Tele- und Bürokommunikation zum Inhalt haben. Das Schwergewicht der Planungen liegt eindeutig in der Datenkommunikation. Daraus resultiert auch die Empfehlung an die Deutsche Bundespost, funktionstüchtige und kostengünstige Datennetze und Dienste bereitzustellen. Diese Forderung wird genützt durch die zunehmende Einbeziehung von Hauptkommunikationspartnern in die Datenkommunikationsnetze. Hier ist eine Steigerung von mehr als 200 Prozent zu verzeichnen, womit die Datenkommunikation im Hinblick auf die Partnerzahl fast an Briefpost und Telefon herankommt.

Zwei Drittel aller befragten Unternehmen sind schon heute Nutzer von Datendiensten, von denen wiederum die Hälfte grundsätzlich Bedarf an neuen Datenleitungen anmeldet. Die Forderungen der Unternehmen konzentriert sich vorrangig auf die Übertragungsgüte, die Höhe der Geschwindigkeiten und die Verringerung der Ausfallzeiten, speziell beim Datex-P-Netz. Angesichts des stark wachsenden Bedarfs und der heute schon auftretenden Probleme bei der Nutzung der Datennetze dultet der Ausbau der Dienste und Netze keinen Aufschub. Es darf nicht erst soweit kommen, daß Großnutzer Umwegeübertragungen über andere Länder realisieren. Dies könnte unter Umständen zu Verlagerungen von Rechenzentren und Netzknoten ins Ausland führen.

- Neben der Datenkommunikation werden Teletex, Telefax und Bildschirmtext zur Substitution der Briefpost beitragen. Gerade der Btx-Dienst wird von Benutzern und Interessenten wegen seiner Multifunktionalität - Übertragung von Text-, Daten- und Bildinformationen - und seiner zeitnahen Realisierung als bedeutendes Medium angesehen. Besonders die Zugangsmöglichkeit des Btx-Dienstes zur Datenverarbeitungsanlage, das heißt durch externen Rechnerverbund bietet als Ergänzung zu bestehenden Datenkommunikationsnetzen viele wirtschaftlich und organisatorisch interessante Anwendungen. So wollen zukünftig nahezu die Hälfte der Befragten Btx intensiv für die firmeninterne Bürokommunikation nutzen. Dem Bedarf entsprechend müssen folgende Bedingungen geschaffen beziehungsweise verbessert werden:

- Genügend Kapazität im Fernsprechnetz;

- genügend Anschlußmöglichkeiten für externe Rechner;

- Stabilität der Netze;

- höhere Übertragungsgeschwindigkeiten.

- Das Fernsprechen wird neben den Datendiensten die zweitwichtigste Kommunikationsform zu den Hauptkommunikationspartnern bleiben. So erklärt sich, daß zwei Drittel aller befragten Firmen den Wunsch nach Erweiterung oder Verbesserung beziehungsweise nach Ersatz ihrer Nebenstellenanlage geäußert haben. Bei den Ersatz- und Verbesserungswünschen kommen neben denen nach neuen Leistungsmerkmalen für den Fernsprechkomfort auch der Bedarf für Zusatznutzung wie Daten-inklusive Textkommunikation zum Ausdruck. Die Firmen, die den Austausch in vier bis fünf Jahren einplanen, erwarten zu diesem Zeitpunkt ISDN-fähige Nebenstellenanlagen mit den integrierten Leistungen von Daten-, Text- und Bildkommunikation. Wo heute schon intensive Datenkommunikation über Fernsprechanlagen und über das Fernsprechwählnetz genutzt wird, kommt es in den Spitzenzeiten der automatisierten Datenabfrage zu großen Engpässen.

- Die Studie hat auch ergeben, daß die im Kölner Raum befragten Firmen zunehmend Teletex als Kommunikationsform wählen werden. Teletex wird dabei in starkem Maße den Telexdienst ablösen. Mehr als 20 Prozent sind schon zur Zeit der Umfrage Nutzer von Teletex gewesen. Weitere 54 Prozent planen den Neuanschluß beziehungsweise Anschlüsse und nicht weniger als 23 Prozent der Befragten wollen Teletex-Nebenstellenanlagen einsetzen. Es wird allerdings deutlich gemacht, daß die Attraktivität dieses Dienstes unter der noch geringen Partnerzahl leidet.

- Die Studie befaßt sich auch mit relativ neuen Diensten der Post. Hierzu zählt der Temex-Dienst ebenso wie Service 130, Gedan und schließlich der Teleboxdienst. Mehr als die Hälfte der Firmen lernten erst durch die Befragungsaktion diese Dienste kennen. Dies zeugt von dem eindeutigen Informationsdefizit, das die Deutsche Bundespost durch eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit ausräumen sollte. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß sich zahlreiche Firmen, denen die Dienste zunächst nicht bekannt waren, spontan als ernsthafte Interessenten zeigten. Ein Kölner Unternehmen plant bereits mit der Deutschen Bundespost einen Temexbetriebsversuch.

- Die positive Resonanz bei 43 Prozent der befragten Firmen nach dem Bedarf von Videokonferenzen ist ein Beleg dafür, daß Köln zu Recht von der Post auserwählt wurde, um die technischen Voraussetzungen zum Anschluß von Videokonferenzestudios zu schaffen. Bei einem interviewten Unternehmen ist versuchsweise ein Konferenzstudio für die Kommunikation mit einem Zweigwerk im Ausland im Einsatz. Die Umfrage hat gezeigt, daß Videokonferenzen zunächst ein Kommunikationsmittel von überregional tätigen Großbetrieben sein werden.

Die Vorteile, die sich durch ein Nutzung der Konferenzstudios ergeben, werden von diesen Unternehmen ohne Ausnahme gesehen. Es bestehen teilweise sogar Vorstellungen über die Standorte der Konferenzpartner. Auch wollen mehr als ein Drittel der interessierten Betriebe eigene Studios nutzen, obgleich hinsichtlich der Gesamtkosten zur Zeit noch keine abschließenden Aussagen möglich sind. Ebenso groß ist die Bereitschaft, Fremdstudios in Anspruch zu nehmen.

- Ein zukünftiges digitales Netz ISDN - würde bei den Firmen im Kölner Wirtschaftsraum auf große Resonanz stoßen. Die mit ISDN verbundenen Nutzungsmöglichkeiten werden derart hoch eingeschätzt, daß die erforderlichen Investitionskosten in Kauf genommen werden.

60 Prozent der befragten Firmen zeigen Interesse an ISDN-fähigen Nebenstellenanlagen. Dabei dominieren die Nebenstellen, die nur Fernsprechen als Funktion haben (normale und komfortable Apparate). Andererseits wird ein großes Bedürfnis nach Multifunktionalität der Endgeräte geäußert. Diesem zukünftigen Bedarf an Multifunktionsterminals sollte frühzeitig Rechnung getragen werden.

Für den Kölner Wirtschaftsraum bedeutet dies:

Die Umstellung der Fernsprechnetze muß flächendeckend mit höchster zeitlicher Priorität durchgeführt werden, um so den Bedarf und den Wünschen nach Fernsprechkomfort, schneller Textkommunikation, schnellem Bildschirmtext, schneller und problemloser Datenkommunikation sowie leistungsfähiger Faksimile-Übertragung Rechnung zu tragen. In der Umstellungsphase müssen die Übergänge und Schnittstellen zu dem analogen Netz und zu den bestehenden Datendiensten sichergestellt werden. Erst dann sind die Unternehmen in der Lage, den ISDN-Standardisierungen entsprechende Veränderungen wie die Ergänzung oder den Austausch von Nebenstellen analog vorzunehmen und ISDN-Geräte, zum Beispiel Multifunktionsterminals einzusetzen.