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09.04.1999 - 

Videoconferencing für die Mitgliedsfirmen

IHK Reutlingen setzt auf ATM

ATM und Videoconferencing sind für die Reutlinger Industrie- und Handelskammer (IHK) keine graue Theorie: Das Verbandsunternehmen setzt sie täglich ein und stellt den Mitgliedern bei Bedarf auch die eigenen Ressourcen zur Verfügung. Ariane Rüdiger* beschreibt die Installation.

Bernhard Zintgraf, bei der IHK Reutlingen zuständig für DV und Telekommunikation, hat ein Faible für neue, schnelle Technologien. Systematisch bringt er die Infrastruktur des Verbandes auf den neuesten Stand. Dieser Prozeß begann schon 1990 mit der Auswahl einer ISDN-tauglichen TK-Anlage.

1996 sollte das zur IHK Reutlingen gehörende Bildungszentrum Betzingen an die Zentrale angebunden werden. Die IHK wagte mutig den Einstieg in ATM: Sie entschied sich für eine 155 Mbit/s breite Mietleitung der Telekom. Von dieser werden die rund 2 MBit/s, die eine S2M-ISDN-Verbindung benötigt, abgezweigt.

Alle vernetzten PCs und Telefone in Betzingen gehören damit zum LAN und zur TK-Anlage Reutlingen. Von dort aus werden sie auch verwaltet. Durch die ATM-Verbindung gibt es keine Engpässe, wenn Bandbreitenfresser laufen - Mehrwehrtdienste wie Fax, Btx, Virtual CAPI, Voice-Mail und Videoconferencing können heute gleichzeitig genutzt werden, ohne sich gegenseitig zu bremsen.

Daneben spielten auch die Kosten eine Rolle: Zintgraf administriert die gesamte DV- und TK-Infrastruktur. Die Anbindung des Betzinger Bildungszentrums erforderte zusätzlich nur einen Router auf jeder Seite der Verbindung. "Bei einer anderen Lösung hätten wir dort eine volle Infrastruktur aufbauen und einen Mitarbeiter einstellen müssen", erinnert sich Zintgraf.

Doch mit diesem Schritt war die Entwicklung noch nicht zu Ende: 1997 wurde auch die 35 Kilometer entfernte Außenstelle Albstadt über eine ISDN-S2-Leitung eingebunden. Dieser Verbindungstyp besitzt nur zwei Sprachkanäle, aber keinen D-Kanal und ist daher günstiger als die Standard-ISDN-Leitung.

In Reutlingen und Albstadt steht jeweils ein Sprach-Daten-Multiplexer, der das verfügbare Volumen auf vier Sprachkanäle und einen Datenkanal aufteilt. Das reicht aus, weil die Datenleitung nur für die Replikation der Daten aus der Reutlinger Zentrale und für E-Mails benutzt wird. Die eigentliche Verarbeitung geschieht in Albstadt.

Die Albstädter Telefonanlage ist wie die Anlagen in Reutlingen und Betzingen Teil eines Anlagenverbundes. Zu ihm gehören auch noch die 50 bis 80 Nebenstellen der Reutlinger Handwerkskammer, deren Gebäude direkt neben der IHK steht.

Zwischen Betzingen, Reutlingen und Albstadt kann über die gemieteten Leitungen anlagenintern telefoniert werden. Beispielsweise kostet dadurch ein Ferngespräch von Betzingen mit einem Kunden aus der Region Albstadt nur den Ortstarif.

Das Telefonvolumen ist beträchtlich: In Betzingen und Albstadt befinden sich jeweils rund 20 Nebenstellen, in Reutlingen 70, macht 110. Am Tag wird im Schnitt mehrere hundert Mal telefoniert. Wichtiger als die Kostenersparnis sind aber andere Auswirkungen: einfacheres Handling, direkte Weiterverbindung zwischen allen Verbundteilnehmern, Konferenzschaltungen und Voice-Mail auch in Albstadt.

DV-Chef Zintgraf lobt besonders das Voice-Mail-System: "Es ist für unsere Kunden einfach angenehmer, wenn sie auch außerhalb der Dienstzeiten eine Nachricht hinterlassen können." Das System leitet die Nachrichten an frei wählbare Telefonnummern um. Außerdem können die Mitarbeiter ihre Mails von jedem Telefon aus abhören, so daß tagelanges Warten auf eine Antwort, weil jemand dienstlich verreist ist, der Vergangenheit angehört.

Jeder IHK-Mitarbeiter hat dank eines Fax-Servers auch seine eigene Fax-Durchwahl und kann seine Fernkopien auf einem Drucker am Arbeitsplatz ausdrucken. "Belegt-Zustände wollen wir möglichst vermeiden", erklärt Zintgraf.

Ein spezielles Angebot richtet sich an die Mitgliedsfirmen: Sie können zum Selbstkostenpreis ein Videoconferencing-Studio nutzen. Die ersten zwei Konferenzstunden sind kostenlos. Firmen, die nicht zur IHK Reutlingen gehören, zahlen 120 Mark pro Stunde. "Wir wollen die Unternehmen motivieren, diese Technologie auch in ihren Firmen zum internen Gebrauch einzuführen", sagt Zintgraf. "Deshalb ist es wichtig, daß wir Voice-Mail und Videoconferencing aktiv einsetzen."

Ausbaupläne für die DV der IHK Reutlingen hat Zintgraf vor allem hinsichtlich des Internet: "Videokonferenzen werden in Zukunft wohl über dieses Medium laufen.

Technische Daten

TK-Anlage: Siemens Hicom

PCs und Server: Pentium, insgesamt 65 GB RAM. Als Massenspeicher in den Servern dienen Multi-Gigabyte-Raid-Arrays

Betriebssysteme: Free BSD Unix, Windows NT, Netware 3.2

Anwendungssoftware: Wordperfect, Lotus Notes, Multiprotokoll-Router für ISDN (AVM/ Novell), Netware Connect Server for Virtual CAPI (Novell), MPS-Fax-Gateway, PC-basierende Videoconferencing-Lösung von VTEL, Free BSD Firewall

*Ariane Rüdiger ist freie Journalistin in München.