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Computerbriefe helfen verkaufen


17.10.1975 - 

"Ihr Wagen läuft im dritten Jahr, Herr Hotsch..."

HAMBURG/ETTLINGEN - "Ihr Wagen läuft im 3. Jahr, richtig, Herr Hotsch?" Der freundliche Hinweis eines gewissen Opelix in einem Comic-Schreibebrief des Hamburger Autohauses Dello trifft den Herrn Hotsch am Nervus Rerum des Sozialprestiges. Denn Opelix kennt auch die Automarke und die Zulassungsnummer des Hotsch-Vehikels. Und er versucht, das angeknackste Selbstbewußtsein des Altwagen-Fahrers wieder konsumgerecht zu richten: im Delloland gibt's neue Autos und vernünftige Preise für die alten.

Technische Hilfestellung bei der Briefaktion leistet den Autoverkäufern das RZ des Direktwerbeunternehmens Donnelly & Gerardi GmbH & Co KG in Ettlingen.

Täglich 50 000 Briefe

"Unsere EDV-Anlage benutzen wir wie eine überdimensionale Schreibmaschine", erklärt EDV-Chef Dieter Hüller (36). Die "Schreibmaschine" (Spooling und Offline-Druck) produziert im Schnitt stündlich (zweibahnige Doppelproduktion auf einem IBM-Schnelldrucker mit 1200 Zeilen/m) 2000 Computerbriefe, täglich knapp 50 000. In Zusammenarbeit mit einem IBM-Spezialisten, so berichtet Hüller, wurde das Programm PERLE geschaffen. Zunächst glänzte die Perle (rund 10 000 Statements) nicht so sehr: auf einer alten 360/20 haperte es an Speicherkapazität. Das Programm benötigt heute rund 25 K - kein Problem auf der inzwischen installierten IBM 370/125 (128 K, demnächst 192 K).

Programm "shiftet" Textteile

Die Texte der Computerbriefe wer den außerhalb des Computers in "Reinschrift" erstellt, 1:1 über Lochkarten erfaßt und in die EDVA eingegeben. Der Computer ergänzt den Text um die Adresse, die persönliche Anrede, aber auch um individuelle Einschübe nach Daten der Adreßbestände. Bei solchen Einschüben ist ein "shiften" und silbenrichtiges Trennen des nachfolgenden Textes erforderlich, um ein abgerundetes Briefbild zu erzeugen. Das Programm berücksichtigt dabei mitabgelochte Steuerzeichen und die Vorgabe der Trennmöglichkeiten der nach dem Einschub stehenden Worte bis zum Absatzende. Es gibt also kein eigenes, theoretisch sehr aufwendiges, Silbentrennungsprogramm.

Intimes in der Sprechblase

Perle produziert normale Computerbriefe. Der Comic-Werbetrick kommt aus Amerika. Hüller kaufte das Programm fertig ein. Sein besonderer Kniff: in vorgegebene Sprechblasen-Felder werden empfängerbezogene, individuelle Aussagen (Name, Automarke, Zulassungsnummer, Baujahr) gedruckt - zur Verblüffung der Empfänger.

Der Computer dient vor allem der Verwaltung riesiger Adreßdateien. Sie umfassen 3 Millionen Eigenadressen und zusätzlich 12 Millionen Adressen die im Kundenauftrag verwaltet werden.

Datenerfassung außer Haus

Updaten und Neuerfassen von Adreßdateien bedeutet Datenerfassung zu meist nicht vorhersehbaren Terminen in unvorhersehbaren Mengen. "Wir geben die Datenerfassung grundsätzlich an Servicebüros, je nach Datenanfall und erwünschter Erfassungsart. Das ist die billigste Lösung", erklärt Dieter Hüller.

In seinem Rechenzentrum steht lediglich ein einsamer Kartenlocher für die Erfassung der Computerbrief-Texte: "Lieber Herr Hotsch, wollen Sie wirklich mit Ihrem alten Auto noch einmal eine Urlaubsreise riskieren?"