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17.09.1982 - 

Referate, Aussteller und Teilnehmer lassen keine klare Software-Linie erkennen:

IKD beginnt und endet uneinheitlich

BERLIN - "Kongreßverlauf uneinheitlich" - so ließe sich nach Art der Börsenberichte ein Resümee des diesjährigen Internationalen Kongresses für Datenverarbeitung und Informationstechnologie (IKD) in Berlin ziehen. Grund: Zwar bildete die Software auf Anwendungs- und Datenbankseite eindeutig den Schwerpunkt der Veranstaltungsthemen, doch fand nicht jede der Veranstaltungen gleichermaßen viel Interesse. Von einem Erfolg auf der ganzen Linie berichteten einzig die Ausrichter der Tutorials.

Tutorial-Co-Chairman Professor Dr. Herbert Weber von der Universität Bremen zeigte sich - auch mit Blick auf den letzten IKD - ausgesprochen zufrieden mit Inhalten und Teilnehmerzahlen der Tutorials. Einen ganzen Tag lang befaßten sich die Teilnehmer in parallel laufenden

Veranstaltungen mit Themen wie "Was ist unkonventionell an Ada?", "Computergestützte Software-Entwicklung" und "Software-Entwurf - von Prozeduren zu Systemen".

Ein diffuses Bild vermittelte die übrige Softwareszenerie in Berlin:

- So gab es beispielsweise Referate, in denen der Vortragende seine Zuhörer persönlich hätte begrüßen können. Andere Referenten hingegen berichten von einem enormen Interesse, auf das sie (auch quantitativ) gestoßen seien. Da in den hier angesprochenen Fällen jeweils durchaus bekannte Produkte im Mittelpunkt der Ausführungen standen, kann die Tatsache allein, daß der Redner jeweils "befangen" war, nicht den Schlüssel zur Erklärung liefern.

- Es gab Ausstellerfirmen, die mit der Frequentierung ihrer Stände quantitativ (PSI) und qualitativ (Siemens) unzufrieden waren. Andere hingegen (Apollo, Epsilon, mbp) werteten ihr Engagement als vollen Erfolg, während es bei GFS-Midas beispielsweise hieß, es seien "niedrige Erwartungen übertroffen worden".

- Die Teilnehmer am IKD wurden vielfach als ausgesprochen interessiertes Publikum eingestuft. Differenziertere Beobachtungen ergaben, daß es sich um ein Publikum mit "großer Bandbreite" gehandelt habe, womit zum Ausdruck gebracht werden sollte, daß nicht wenigen Berlin eine (Vergnügungs-)Reise wert war. Sehr viele Theoretiker habe man auf dem IKD gesehen, "mehr als üblich und ein bißchen wenig Praktiker, vor allem aber viel zu viele Beobachter von der Konkurrenz", konstatierte einer der Vortragenden. Der überwiegende Teil der IKD-Teilnehmer seien Praktiker gewesen, weshalb auch die praktisch orientierten Vorträge besser angekommen seien, erklärte dagegen ein anderer Referent.

- Die 30-Minuten-Veranstaltungen - 20 Minuten Referat mit

anschließender Diskussion - wertete einer der Referenten als "echte Challenge", da sie zu einer komprimierten Darstellung eines Sachverhalts oder eines Produkts gezwungen hätten. In den Fällen, in denen leider Langeweile und Mittelmaß zu beklagen gewesen seien, sei vornehmlich ein Mangel an Ernsthaftigkeit seitens des Redners oder auch der hinter ihm stehenden Organisation im Spiel gewesen. Die 30-Minuten-Vorträge, monierte dagegen ein anderer Referent unter Berufung auf zahlreiche gleichlautende Äußerungen, seien bis auf wenige Ausnahmen kaum nützlich gewesen, da allenfalls Tendenzen hätten aufgezeigt werden können.

- Zufriedenheit kennzeichnete die meisten Kommentare zur Organisation des IKD, wobei die langen Pausen zwischen den einzelnen Vortragsreihen besonders positiv vermerkt wurden. Weniger zufrieden zeigten sich viele Teilnehmer jedoch darüber, daß nicht alle der auf dem Gebiet der Softwaretechnologie führenden deutschen Unternehmen in Berlin vertreten waren. Konkret genannt wurden mehrmals ADV/Orga und Softlab; aber auch IBM kreidete man an, nur sehr zurückhaltend und fast ausschließlich in Gestalt von amerikanischen Mitarbeitern Einblick in die hauseigene Softwaretechnik gewährt zu haben. Es habe, verlautete in Berlin gerüchteweise, zwischen der Kongreßleitung und einigen (potentiellen) Anbieterfirmen tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten gegeben.

- Man verstand sich in Berlin nicht immer. So kam es bei den Praktikern nicht gut an, daß ein Softwaretheoretiker sie provokativ aufforderte, ihr konventionelles Phasenschema der Softwareentwicklung durch Verhandlungen zwischen Entwicklern und Benutzern anzureichern. Und ein Hochschullehrer wunderte sich über die gute Akzeptanz eines praxisnahen Problemlösungsvorschlags, da dieser "ausgesprochen trivial" sei. So erstaunt es auch nicht, daß nach den Feststellungen eines Kongreßteilnehmers sehr viele Praktiker in Berlin bezweifelten, ob sie zum nächsten IKD noch einmal wiederkommen würden. Teils nämlich habe der IKD ihnen zuwenig gebracht, was unmittelbar umzusetzen wäre, teils aber auch zuviel - Altbekanntes.